Schülertext

Todo und seine verbeulten Freunde

17.09.2010

Berliner Schülerinnen liefern den Stoff für einen Umwelt-Film


An acht Berliner Grundschulen startete im Mai dieses Jahres ein Schreibwettbewerb zum Thema „Natur und Umwelt: In welcher Welt leben wir?“. Initiator war der Verein „Bewegliche Ziele e.V.“ in Kooperation mit interfilm Berlin und VISION KINO mit ihrem jährlichen Projekt „Kinder machen Kurzfilm!“. Aus 116 Einreichungen ermittelte eine Fachjury die Siegergeschichte „Todo und seine verbeulten Freunde“ aus der Feder von Meta Weckeßer und Johanna Baron, beide Schülerinnen an der Zille Grundschule in Berlin-Friedrichshain. Den 2. Platz belegte die Geschichte „Der Baum und die Rose“ von Tim Göritz aus der Franz-Schubert-Grundschule in Neukölln und der 3. Platz ging an „Wasser zum Verschwenden zu schade“ von Leon Schmidt aus der Paul-Lincke-Grundschule in Prenzlauer Berg. Wir veröffentlichen den Siegertext.

Todo und seine verbeulten Freunde
Hallo, ich bin eine Dose, in der Tomatensoße war. Reden konnte ich nicht, denn ich hatte ja keinen Mund. Eines Tages wurde ich an einen Mann verkauft. Dieser ist dann mit zwei nervigen Kindern und seiner schönen Frau an die Spree gefahren um dort ein Picknick zu machen. Ach so, ich muss euch ja auch noch sagen, wie ich heiße. Also ich bin Todo. Naja, gehen wir zurück zum Thema. Der Mann, ich glaube er hieß Frank, machte mich auf und probierte meinen Inhalt. Anscheinend fand er ihn sehr eklig, denn er machte so eine schreckliche Miene, dass ich erschrak. Gleich danach hat er meinen ganzen Inhalt in die Spree geschüttet. Frank hielt mich fest umklammert und suchte nach einem Mülleimer. Plötzlich kam einer der Jungs angerannt und schlug mich aus seiner Hand. Die Geschwister fingen an zu kicken. Der Vater schimpfte: „Gebt die Dose her. Sie kommt in den Mülleimer und wird recycelt.“ „Was ist das?", quatschte ein Sohn dazwischen. „Sie wird geschmolzen, zermahlen...“ sprach Frank. Einer der Jungs schoss mich in den Mülleimer. Leider konnte ich nicht hören, was Frank zu Ende sprach, aber der Anfang klang sehr schrecklich.

Nach einer Weile fischte mich einer der Jungs wieder heraus und kickte mich in elegantem hohen Bogen in den Fluss. „Glück gehabt, jetzt werde ich doch nicht recycelt“, dachte ich. Plötzlich kam ein Schiff, was so große Wellen machte, dass ich mit Wasser vollschwappte und untergluckerte. Unten, auf dem Grund, war es sehr langweilig. Ich kam auf die Idee, dass doch Fische in mir wohnen könnten, doch wie sollte ich sie das fragen? Ein paar Tage lag ich nun schon da. Einmal schwamm ein Fisch vorbei und sagte: „Du musst doch recycelt werden!“ Seitdem hatte ich Albträume. Recyceln fand ich sehr gefährlich. Nach einer Ewigkeit sah ich etwas Grünes. Es kam auf mich zu und plötzlich war alles dunkel. Weiße, spitze Dreiecke. Sie waren aneinandergereiht. Ich hatte große, große Angst. Das Blech von mir wellte sich. (So ist das eben, wenn Dosen zittern.) Ich schlotterte am ganzen Körper. Es war sehr gruselig, ihr hättet euch wirklich alle gefürchtet! Ein paar Fische waren auch in der Dunkelkammer. Sie blubberten: „Hilfe, wir sind gefangen!“ Andere aber riefen: „Ach, du meine Güte, das ist doch das Maul eines Krokodils!“ Ich wiederum fragte mich: „Was ist nur ein Krokodil?“ Anscheinend habe ich dann mit meiner scharfen Kante das Krokodil verletzt, und das tat so weh, das es aufschrie: „Auuutschsch!“ Dabei machte es sein Maul weit auf, so dass ich hinaus geschwemmt wurde. Und so ging die Reise weiter.

Plötzlich zog mich jemand an Land. Es war ein nett aussehender, freundlicher Junge. Er sagte: „Du bist aber eine lustige Dose, dich kann ich gut gebrauchen. Zum Glück habe ich dich entdeckt. Diese Umweltverschmutzer! Die müssen auch immer ihren Müll in die Natur schmeißen.“ Der Junge, der Markus heißt, wie ich erfahren habe, nahm mich mit nach Hause. Dort holte er aus seiner Schreibtischschublade einen Farbkasten und malte mich orange an. Er zeichnete mir grüne Augen, einen blauen Mund und gelbe Haare. Später, als ich getrocknet war, hat er mich zu euch ins Regal gestellt. „Aha, so war das, ganz schön spannend“, gab eine der anderen Dosen im Regal zu. „Ja, und jetzt habe ich viele Freunde, aber was will Markus eigentlich mit uns machen? Heute früh hat er gesagt, dass er eine Überraschung für uns hat.“
Am nächsten Tag kamen unheimlich viele Kinder zu Besuch. Sie feierten Markus Geburtstag und spielten den ganzen Nachmittag mit uns Dosen: Dosenwerfen, logisch! Wir hatten dabei viel Spaß, auch wenn ich einige Dellen abgekriegt habe. Hoffentlich feiern wir jetzt jeden Tag Geburtstag, aber was ist das überhaupt?

Autorinnen: Meta Weckeßer und Johanna Baron, Zille-Grundschule, Berlin-Friedrichshain

Drehbuch-Workshop unter professionellerer Anleitung
An dem Schreibwettbewerb beteiligten sich Schülerinnen und Schüler aus Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln, Prenzlauer Berg, Reinickendorf und Tiergarten. Per Losentscheid wurde aus den teilnehmenden Klassen eine Gruppe von 18 Grundschulkindern zusammengestellt, die die Gewinnergeschichte unter professionellerer Anleitung in einem Workshop zum Drehbuch ausgearbeitet hat. In den Herbstferien geht „Kinder machen Kurzfilm!“ mit der Produktion des Kurzfilms in die letzte Runde. Unter professioneller Anleitung werden die jungen Teilnehmer das Drehbuch in bewegte Bilder umsetzen und dabei die unterschiedlichen Filmdepartements Regie, Schauspiel, Kamera, Ton, Ausstattung und Kostüm kennenlernen. Der so entstandene Kurzfilm feiert im Rahmen des 3. Internationalen Kinder- und Jugendkurzfilmfestivals KUKI am 14. November 2010 im Filmtheater am Friedrichshain seine feierliche Uraufführung.

Das Projekt „Kinder machen Kurzfilm!“
„Kinder machen Kurzfilm!“ ist eine alljährliche Initiative ders Vereins Bewegliche Ziele e.V. in Kooperation mit interfilm Berlin und VISION KINO und wird gefördert durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg, den Projektfonds Kulturelle Bildung und die PWC-Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung durch zapf Umzüge.
Neben der Förderung von Kreativität, Ausdrucksfähigkeit und Fantasie steht die Entwicklung von Medienkompetenz, die Konsumieren durch eigenes Gestalten, Passivität durch Aktivität ersetzt, im Mittelpunkt. Das gemeinsame Filme-Machen stärkt zudem die Persönlichkeit der teilnehmenden Kinder und unterstützt die Herausbildung sozialer Kompetenzen. Im Drehbuchworkshop lernen die Kinder, an einer Geschichte zu arbeiten, Ideen weiterzuentwickeln, Dialoge zu formulieren und ihre Vorstellungskraft zu schulen. Diese Arbeit fördert nicht zuletzt auch die Schreib- und Lesekompetenz der TeilnehmerInnen. Im letzten Teil des Projekts lernen sie die Arbeit an einem professionellen Filmset kennen und sind aktiver Teil der Produktion. Die Komplexität dieser Arbeit wird erfahrbar gemacht und von den Kindern praktisch begriffen. Ihre Sicht auf bislang nur Konsumiertes im Fernsehen und Kino ändert sich. Weiterhin vermittelt die Arbeit im Produktionsworkshop neben vielen technischen und ästhetischen Fähigkeiten die Wichtigkeit von sozialem Verhalten, ohne das ein gemeinsames Tun nicht möglich ist. Dieser Aspekt führt zu einem weiteren wesentlichen Bestandteil des Projekts: Die Zusammenarbeit mit Grundschulen aus verschiedenen Berliner Stadtbezirken wirkt nachhaltig integrativ. Das Projekt bringt Kinder mit unterschiedlichen kulturellen, sprachlichen und sozialen Hintergründen zusammen. Sie lernen sich kennen, gehen miteinander um, versuchen Fremdheit zu überwinden und werden zu einem Team. Im besten Fall entstehen Kontakte, die über das Projekt hinausreichen.

Kontakt:
Gabriela Zorn
Bewegliche Ziele e.V.
Tempelhofer Ufer 1A
10961 Berlin
Tel.: (030) 231 38 306
E-Mail: gabrielazorn@gmx.de
Internet: www.kindermachenkurzfilm.de

Heide Schürmeier
Vision Kino gGmbH
Netzwerk für Film- und Medienkompetenz
Tel.: (0331) 7062-256
E-Mail: heide.schuermeier@visionkino.de
Internet: www.visionkino.de


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