Schülertext

„High School Musical“ vs. Hirnzellen

16.02.2010

Junge Journalisten berichten von der Berlinale


Junge Nachwuchsreporter zwischen 12 und 18 Jahren sind täglich auf der Berlinale unterwegs, schreiben Kritiken, führen Interviews mit Regisseuren und Schauspielern und stellen ihre Texte noch am selben Tag ins Internet. „Ist der amerikanische Teen Movie tot?“, fragt die 15-jährige Roberta Huldisch mit Blick auf das diesjährige Berlinale-Programm 14plus. Sie empfiehlt zwei US-amerikanische Jugendfilme, vor denen man sich nicht fürchten muss: „Gentlemen Broncos“ und „Youth in Revolt“.

Ist der amerikanische „Teen Movie“ tot?
Wenn man heutzutage den Begriff „Teen Movie“ hört, schweben einem zuerst diverse ekelerregende Erzeugnisse aus den Untiefen Hollywoods vor: tanzende Teenies mit Problemen, die keinen interessieren, außer vielleicht die hysterisch kreischenden 11-jährigen Bravo-Girls, die dann auch zuhauf in die Kinos pilgern oder zu den Premieren, die man oft im Fernsehen sieht, und die schon nach einigen schmerzhaften Sekunden unkontrollierbare Übelkeit und Kopfschmerzen verursachen:

Spätestens nach „High School Musical“ ist auch dem letzten Produzenten klar geworden, dass man wahnsinnig viel Geld damit verdienen kann, ein paar mäßig talentierte Jugendliche mit Dauergrinsen vor eine Kamera zu stellen und sie dort ein paar Top-10-taugliche Schmonzetten „singen“ zu lassen. Dann noch Poster, einen Soundtrack, das (Bilder-)Buch zum Film – und wie wäre es mit einer Zack Efron Actionfigur für die junge Dame? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben soeben einen der erfolgreichsten Filme der Dekade geschaffen! Jetzt noch drei, vier Fortsetzungen, weil’s so schön war, ach, und warum verlegen wir das Ganze nicht einfach in ein Sommercamp, geben ihm einen anderen Namen und verkaufen es noch einmal – ja, drück dem Mädchen ruhig eine Gitarre in die Hand – die Jonas Brothers machen bestimmt auch mit!

Kaum zu glauben, dass das Genre „Teen Movie“ einmal viel mehr war als das Material für Poster, mit denen die zuvor genannten Kreischmädchen ihre Zimmer tapezieren können, wenn sie schließlich aus dem „Wendy“-Alter herausgewachsen sind.

In den 1980er Jahren landete diese Art von Film nämlich nicht nur Publikumserfolge, sondern überzeugte auch viele Kritiker. Mit Filmen wie „The Breakfest Club“ oder „Ferris Bueller‘s Day Off“ revolutionierte vor allem Drehbuchautor und Regisseur John Hughes das Genre und brachte ihm Anerkennung ein – bevor Troy und Gabriella ankamen und alles perfekt choreographiert niedertrampelten.

Doch es gibt wieder Hoffnung am amerikanischen Teen Movie-Horizont: Nur etwas abseits des 11-jährige-Mädchen-Mainstream findet man andere Filme. Filme, in denen plötzlich nicht mehr sogar die „unbeliebten Streber“ aussehen wie Topmodels, sondern in denen es um echte Menschen geht; Filme, die sogar so etwas wie eine Handlung besitzen, abseits der weltbewegenden Frage, wer die Hauptrolle in einem Schulmusical ergattert.

Auch im diesjährigen 14plus-Programm finden sich gleich zwei US-amerikanische Jugendfilme, vor denen man sich nicht fürchten muss: In „Gentlemen Broncos“ liefert ein schreibwütiger Science-Fiction Nerd unfreiwillig das Material für den neuen Roman eines berühmten Autors, während der leicht freakige Protagonist von „Youth in Revolt“ ein unwiderstehliches Alter-Ego schafft, mit dessen Hilfe er seine große Liebe beindrucken will und dafür unter anderem ein Einkaufszentrum in die Luft jagt. Hoffentlich ist dabei auch, irgendwo, eine „High School Musical“-DVD explodiert.

Autorin: Roberta Huldisch, 15

Kommentare zum Spielfilm „Gentlemen Broncos“

Kommentare zum Spielfilm „Youth in Revolt“

Die Jungen Journalisten der Berlinale
Die Berlinale-Sektion Generation widmet sich speziell Filmen, die die Welt aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen betrachten. Es werden jedoch nicht nur Filme gezeigt. Seit jeher bietet die Berlinale Generation ihren Zuschauern die Möglichkeit, sich aktiv am Festivalgeschehen zu beteiligen. An entscheidender Stelle steht hierfür das Kinder- und Jugendmedienprojekt der Jungen Journalisten. Täglich sind die Nachwuchsreporter auf dem Festival unterwegs, schreiben Kritiken, führen Interviews mit den Schauspielern und Regisseuren und stellen alles noch am selben Tag ins Netz. Die Reportagen und Kritiken der jungen Journalisten sowie Informationen über alle Filme aus dem Programm der Berlinale-Sektion Generation Kplus und 14plus sind auf der Internetseite des Projekts nachzulesen. 28 Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 18 Jahren gehören in diesem Jahr zum Team der Jungen Journalisten, das von der Journalistin Julia Kaiser unterstützt wird.

Mitmachen und Junger Journalist werden
Wer selbst einmal Junger Journalist sein möchte oder sich sogar für die Kinder- oder Jugendjury der Berlinale 2011 bewerben will, sollte sich einige Filme aus dem Programm Kplus oder 14plus anschauen und anschließend einige Fragen zu den Filmen beantworten. Dazu gibt es Fragebögen, die von der Internetseite der Jungen Journalisten heruntergeladen werden können. In den Kinos stehen spezielle Boxen für ausgefüllte Fragebögen bereit, man kann sie aber auch bis zum 8. März 2010 an die Internationalen Filmfestspiele Berlin schicken. Aus allen Einsendungen werden die Mitglieder des Journalisten-Teams und der Kinder- oder Jugendjurys der Berlinale 2011 ausgewählt.

Die Berlinale
Seit ihrer Gründung im Jahr 1951 hat sich die Berlinale zu einem der bedeutendsten Filmfestivals weltweit entwickelt. Zehn Tage lang werden Filme aus aller Welt in öffentlichen Vorführungen gezeigt. Der beste Film aus dem Wettbewerbsprogramm wird von einer internationalen Jury mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Seit 1978 gibt es eine Berlinale-Sektion speziell für Kinder und Jugendliche: Generation. In den Wettbewerben Kplus und 14plus prämieren eine Kinder- und eine Jugendjury jeweils einen Spiel- und einen Kurzfilm mit einem Gläsernen Bären.

Kontakt:
Julia Kaiser
Internationale Filmfestspiele Berlin
Generation
Potsdamer Straße 5
10785 Berlin
E-Mail: generation@berlinale.de


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de