Bericht

Ansturm auf das Portal www.schulmediothek.de

25.11.2008

Wichtiges Hilfsmittel bei der Einrichtung neuer Schulbibliotheken


Seit Anfang Oktober 2004 finden Schulbibliothekare, Lehrer und Schüler unter www.schulmediothek.de Informationen zu allen Fragen des Alltags in Schulbibliotheken. Das Fachportal wurde von der Expertengruppe „Bibliothek und Schule“ des Deutschen Bibliothekverbands (DBV) entwickelt. Es bietet umfangreiche Informationen zur Organisation und Praxis der schulbibliothekarischen Arbeit, wie Raumplanung, EDV und Internet, Bestandserschließung und Verwaltung. Es werden Grundlagen darüber vermittelt, wie eine Schulbibliothek im Unterricht und im schulischen Alltag genutzt werden kann. Praxisbeispiele zeigen auf, wie in der Schulmediothek das Lesen gefördert und Medienkompetenz vermittelt werden kann und welche Möglichkeiten der erfolgreichen Kooperation mit öffentlichen Bibliotheken es gibt. Eine Datenbank mit Schulbibliotheks- und Kontaktadressen, ein weiterführendes Linkverzeichnis sowie aktuelle Meldungen runden das Informationsangebot ab.
Wir veröffentlichen einen Artikel von Prof. Andreas Papendieck aus der Zeitschrift BuB – Forum Bibliothek und Information, Heft 9/2008, S. 616.

Hohe Nutzungsfrequenz
Das Webportal www.Schulmediothek.de ist seit seiner Freischaltung am 1. Oktober 2004 zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel für die schulbibliothekarische Berufsöffentlichkeit geworden. Eine seit einiger Zeit mehrfach durchgeführte Logfile-Analyse liefert dafür eindrucksvolle Zahlen. Vom April 2007 bis Ende Juni 2008, d.h. in den letzten 15 Monaten wurden 70 000 Besucher gezählt, monatlich also im Durchschnitt 4.667 Besucher, was einen Tagesdurchschnitt von 156 Besuchern ausmacht. Im gesamten Zeitraum wurden 878 700 Seiten aufgerufen. Von den 70 000 Besuchern waren 52 000 einmalige Besucher, 12 000 wiederkehrende. Das heißt mit anderen Worten, der weitaus überwiegende Teil der Besucher ist so genannte Laufkundschaft (82,9 %), während 17,1 % öfter als einmal das Portal aufsuchen.
Überraschend ist, wie häufig das Hauptverzeichnis „Öffentliche Bibliothek und Schule“ aufgerufen wird, und zwar mit 26,4 % der Gesamtaufrufe. Das ist ein Indiz dafür, dass die Bibliothekare an den öffentlichen Bibliotheken mit die häufigsten Benutzer sind. Dass das Portal bei der Einrichtung neuer Schulbibliotheken zu einem wichtigen Hilfsmittel geworden ist, lässt sich an der Häufigkeit, mit der das Hauptverzeichnis „Organisation und Praxis“ aufgerufen wird (23 %), gut ablesen. Außerdem ist das Portal ein geschätztes Medium, das Informationen aus dem Schulbibliotheksbereich vermittelt, einschließlich der Weitergabe relevanter Adressen.
Da auch das Hauptverzeichnis „Unterrichts- und Lernort“ häufig aufgesucht wird, wurde diesem Kapitel bei der inhaltlichen Ausgestaltung eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. So wurden neue Unterrichtseinheiten konzipiert, deren wichtigstes didaktisches Ziel die Verknüpfung des unterrichtlichen Lernprozesses mit den Möglichkeiten, die die Schulbibliothek bietet, ist. Drei Beispiele sollen hier genannt werden.

Vermittlung von Informationskompetenz in der Schulbibliothek
Erstes Beispiel: Wenn sich die Bibliothek der heiklen Aufgabe stellt, Schülern Informationskompetenz zu vermitteln, dann muss diese Vermittlung als rational gestalteter Lernprozess verstanden werden, dessen Ziel die selbst organisierte Informationsaufnahme ist. Dabei ist ein legitimer Unterhaltungsanspruch und eine von der Entwicklung her bedingte Sinnorientierung zu beachten. Um einer oberflächlichen Betrachtung zu entgehen, wurde der Begriff Informationskompetenz strukturiert in das „Feld der Wissenschaften“, das „Feld der Meinungen und Interessen“ und das „Feld der persönlichkeitsbildenden Gestaltung“. Die Kompetenzziele sind jeweils unterschiedlich. Anhand der Unterrichtseinheit „Kauf eines Handys“ werden den Schülern die einzelnen Schritte, die in der Regel unreflektiert und unsystematisch ablaufen, bewusst gemacht. Dabei ist die richtige Verwendung der heranzuziehenden Quellen, verbal, gedruckt oder digital, von ausschlaggebender Bedeutung. Hier wird die Verknüpfung mit der Schulbibliothek ganz deutlich. Der dynamische Lernprozess hat Modellcharakter. Durch eine dem Lernort angemessene Fragestellung können komplexe Begriffe, hier Informationskompetenz, vermittelt werden.
Ein zweites, eng mit der Schulbibliothek verzahntes unterrichtspraktisches Beispiel ist das ins Netz gestellte Thema „Die Bedeutung des Nils für das Alte Ägypten“. Der didaktische Aufbau folgt dem Prinzip des propädeutischen Lernens, in diesem Fall bereits schon für die Sekundarstufe I. Hier erleben die Schüler frühzeitig das geistige Abenteuer von Trial and Error.
Ein drittes, ebenfalls neu konzipiertes Unterrichtsvorhaben „Die Europäische Union: Aufgaben und Ziele“ versucht den Gedanken einer Unterrichtsdramaturgie mit Hilfe wechselnder Aktionsräume als didaktisches Modell deutlich zu machen.

Anregungen für die Einrichtung von Schulbibliotheken
Damit das Portal auch als Dokumentation genutzt werden kann, wurde ein Unterkapitel über neue Schulbibliotheken eingefügt. Es werden Anregungen und Hinweise gegeben, wie in vorhandenen Räumen durch Umbauten und Neueinrichtungen neue funktionsgerechte Schulbibliotheksräume gestaltet werden können. Beschrieben werden die unterschiedlichen Voraussetzungen, bedingt auch durch die unterschiedlichen Schulformen. Gezeigt werden die Umbauten in einem Gymnasium in Rottenburg a.N., in einer Mittelschule in Gronau und in einer Hauptschule in Reutlingen.

Spiralcurriculum zur Lesekompetenz
Das von den beiden Expertengruppen Bibliothek und Schule und Kinder- und Jugendbibliotheken entwickelte Spiralcurriculum zur Lesekompetenz sowie zur Gewinnung von Informations- und Medienkompetenz ist jetzt auch im Portal aufrufbar und kann dort nachgelesen und heruntergeladen werden. Dieses Angebot wird in besonders hohem Maße genutzt.
Ein wichtiger Zugewinn ist die wesentlich verbesserte inhaltliche Erschließung des Portals durch den Einbau der Google-Erschließung. Es werden jetzt nicht nur Stichwörter und die aus den Überschriften gewonnenen Schlagwörter,  sondern alle wichtigen Begriffe aus den Textüberschriften erfasst, und sind somit aufrufbar. Zusätzlich können alle Begriffe aus den News wie auch aus den Literaturangaben aufgerufen werden. Somit können auch die mit der bibliothekarischen Terminologie nicht vertrauten Benutzer unschwer an die für sie relevanten Informationen gelangen.
Das Portal ist etabliert. Das lässt sich ohne Übertreibung feststellen. Die hohe Nutzungsfrequenz ist ganz sicher mit darauf zurückzuführen, dass in allen Suchmaschinen das Portal die erste Position einnimmt und zusätzlich in unzähligen Webseiten und Portalen, zumeist mit schulpädagogischem oder bibliothekarischem Inhalt, als Link erscheint. Dazu kommt Mundpropaganda und ein breit gestreutes grafisch ansprechend gestaltetes Faltblatt.
Die Finanzierung des Portals ist bis Ende 2008 gesichert. Eine Weiterführung durch das DIPF ist im Gespräch. In Anbetracht des großen Zuspruchs sowohl der bibliothekarischen wie der pädagogischen Berufsöffentlichkeit ist zu hoffen, dass diese Pläne umgesetzt werden.

Autor:
Prof. Andreas Papendieck
Hochschule der Medien, Stuttgart

Anmerkung:
Inzwischen wurde vereinbart, dass ab Januar 2009 das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) die technische Betreuung des Portals übernimmt. Für die Pflege der Inhalte ist weiterhin die Expertengruppe "Bibliothek und Schule" des DBV zuständig.


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de