Meldung

Weniger leseschwache Hauptschüler in Schleswig-Holstein

01.08.2008

Individuelle Fördermaßnahmen verbessern die Lesekompetenz


Die Lesekompetenz der am Projekt "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" beteiligten Schülerinnen und Schüler hat sich verbessert. Das zeigen die neuesten Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes, die am 1. Juli auf einer Fachtagung des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) in Kiel präsentiert wurden.
"Lesen und Informationen verarbeiten können - das gehört in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt zu den grundlegenden Qualifikationen", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave vor über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Schule und Wissenschaft, die aus ganz Deutschland angereist waren. "Mit unserem bundesweit einzigartigen Projekt 'Niemanden zurücklassen' wollen wir die Risikogruppe leseschwacher Schüler deutlich reduzieren." Wegen der hohen Bedeutung des Lesens, nicht nur für die gesellschaftliche Teilhabe, sondern auch für die beruflichen Perspektiven, sei das Projekt ein wichtiger Teil des Handlungskonzepts "Schule & Arbeitswelt". "Die Aussichten für gering Qualifizierte verschlechtern sich weiter. Deshalb soll jede Schülerin und jeder Schüler die Schule mit einem Abschluss verlassen", so Erdsiek-Rave weiter. Dafür könnten gefährdete Jugendliche zum Beispiel die Flexible Übergangsphase nutzen, die den Zeitrahmen für die Klassen 8 und 9 auf drei Jahre erweitert. Weitere Instrumente seien eine verstärkte Berufswahlorientierung, intensive Praxisbegegnung, Potenzialanalyse und individuelles Coaching.

Professor Olaf Köller vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin und Professor Jens Möller von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel bestätigten die Wirksamkeit von "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark". "Im Zeitraum vom Beginn der 5. bis zur Mitte der 6. Jahrgangsstufe haben die Lesekompetenzen der am Projekt beteiligten Schüler im Mittel deutlich zugenommen. Besonders profitiert haben Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, deren Leistungsrückstände sich von der 5. zur 6. Jahrgangsstufe deutlich reduziert haben", erläuterten sie die Kernergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung. "Zudem scheint es im Projekt zu gelingen, den alterstypischen Abbau der Lesemotivation etwas zu verlangsamen."

"Die Projekterfolge zeigen beispielhaft, dass es möglich und lohnenswert ist, individuelle Förderung zum roten Faden der Unterrichts- und Schulkultur zu machen", betonte Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des IQSH. Das IQSH habe dafür gemeinsam mit dem Cornelsen-Verlag eine motivierende Lesemappe für Schülerinnen und Schüler sowie einen Materialordner für Lehrkräfte entwickelt und die Schulleitungen mit professionellen externen Beraterinnen bei der Umsetzung des Projekts in ihrer Schule unterstützt. "Neu ins Leben gerufen haben wir gerade eine 'Lesepatenaktion' in Kooperation mit der Büchereizentrale. Lesepaten können hierbei ihre Freude am Lesen an die Schülerinnen und Schüler weitergeben. Neu ist ebenfalls ein Lesezertifikat für die Schülerinnen und Schüler, das Leseaktivitäten dokumentiert und Wertschätzung für das Engagement im Projekt zeigt", beschrieb Riecke-Baulecke die Weiterentwicklung im Projekt. "Gespannt sein dürfen wir vor allem auf den am 11. Juli erstmalig stattfindenden Rap-Wettbewerb. Schülergruppen von neun Schulen aus ganz Schleswig-Holstein führen uns auf der Krusenkoppel ihre selbstgedichteten Rap-Beiträge zum Thema 'Lesen macht stark' vor."

Kontakt:
Petra Haars
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH)
Schreberweg 5
24119 Kronshagen
Tel.: (0431) 5403 103
E-Mail: petra.haars@iqsh.de


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