Bericht

Ein Wissenszentrum im Herzen der Schule

26.04.2012

Was die Schulbibliothek alles kann


Das Fachportal www.schulmediothek.de hat vor kurzem eine „papierne Schwester“ bekommen. Zur didacta 2012 erschien das „Handbuch Schulbibliothek“ (Untertitel: Planung – Betrieb – Nutzung). Die Autorinnen und Autoren, unter ihnen viele Mitglieder der Kommission Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliotheksverbandes, haben Grundlageninformationen zusammengestellt und bieten darüber hinaus viele Beispiele für Aktivitäten in und mit der Schulbibliothek bis hin zum Recherchieren im Fachunterricht. Das leicht lesbare Handbuch ist konzipiert für alle diejenigen, die eine Schulbibliothek aufbauen oder aktualisieren möchten und für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter öffentlicher Bibliotheken, die mit Schulen zusammenarbeiten.

Das „Handbuch Schulbibliothek“ gibt Antworten auf viele Fragen
Selbstlernzentrum, Schulmediothek, Lernatelier oder Leseecke – die Schulbibliothek hat viele Namen. Eines jedoch ist gewiss: Schulen brauchen heute Räume, in denen das selbstständige Lesen und Lernen gefördert wird. Hier finden die Schüler Bücher, Zeitschriften, Hörbücher, DVDs und Internetdatenbanken vor und lernen, zielgerichtet in diesen Medien zu recherchieren, um die gefundenen Informationen dann in neuem Kontext anzuwenden. Schüler, die eine Schulbibliothek nutzen sind erfolgreicher - das haben viele Studien nachgewiesen.

Doch welche Konzepte einer Schulbibliothek gibt es und welche Ausprägung passt zu meiner Schule? Wie plane und möbliere ich die Bibliothek und nach welchen Kriterien können die Bücher und Medien ausgewählt werden? Wie organisiere ich die Schulmediothek rationell und zeitsparend und welche Betriebsmodelle gibt es? Und letztendlich: Wie schafft man es, die Schulbibliothek – oder einen in die Jahre gekommenen „Bücherhort“ - zum lebendigen Informations-Marktplatz der Schule zu machen?

Das „Handbuch Schulbibliothek“ gibt Antworten auf diese Fragen und bietet dazu noch viele Praxisbeispiele, die direkt im Schulalltag umgesetzt werden können: Anregungen für den Unterricht in und mit der Bibliothek, Aktivitäten rund um Bücher und Lesen, Recherchebeispiele für den Fachunterricht und vieles mehr.
Es folgt eine Leseprobe aus dem Kapitel 1 „Vom Nutzen der Schulbibliothek für die Schule und die Schüler“.

Was die Schulbibliothek alles kann
„Eine Schulbibliothek ist ein zentral gelegener Marktplatz, ein im Herzen der Schule gelegenes Wissenszentrum. Einzeln oder in Gruppen wird hier Wissen geholt, geliefert, getauscht, gesucht und gefunden. Entweder mit Hilfe neuer Medien oder auf traditionellere Weise durch Bücher“ (G. Fischer-Kosmol 2009, 33). Diese Definition der Schulbibliothek ist erfrischend anders als das, was wir sonst kennen. Hier steht die Funktion der Bibliothek im Mittelpunkt und man kann sich gut vorstellen, dass es auf diesem Marktplatz bunt und lebendig zugeht. Schüler und Lehrer treffen sich dort, um in Gemeinschaft oder alleine zu recherchieren, zu arbeiten und zu lernen. Wer hätte nicht gern ein solches Wissenszentrum in der Schule?

Und in der Tat ist der Gedanke an eine Bibliothek, die alle Bücher und Medien zentral sammelt, verzeichnet und für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts zugänglich macht, immer der erste, wenn es um die Neueinrichtung einer Schulbibliothek geht. Die traditionelle Funktion einer Bibliothek, Bücher (und heutzutage auch andere Medien) bereitzuhalten, gilt unbestritten auch für Schulbibliotheken. Von besonderer Bedeutung ist dies für Ganztagsschulen, die solche Räume für die Erledigung der Hausaufgaben, für das Ausarbeiten von Referaten, für das Vorbereiten von Projekten und auch für Entspannungsphasen im rhythmisierten Schulalltag zwingend benötigen. Nicht umsonst hat der aktuelle Boom der Schulbibliotheken mit dem Ausbau von Ganztagsschulen begonnen.

Doch diese klassische Funktion ist nicht die einzig mögliche. Die Schulbibliothek ist „...zentraler Medienraum, zentraler Informationsbereich, Ort der Leseförderung, Unterrichtsraum und Kommunikationsraum“, definiert das Fachportal www.schulmediothek.de und erweitert damit das „Wissenszentrum“ um die Funktionen „Leseförderung“, „Unterricht“ und „Kommunikation“. Wenn man den Marktplatz ernst nimmt, ist zumindest die Kommunikation aus dem Bild nicht wegzudenken, ja es lässt sich sogar noch eine Erweiterung denken, die der Leitfaden der LAG Hessen auf den Punkt bringt, indem er die Schulbibliothek auch als „kulturelles Zentrum“ definiert (LAG-Bausteine für ein hessisches Schulbibliothekswesen 2006, 10). Was das tatsächlich heißen kann, ist überall dort zu besichtigen, wo Schulbibliotheken Veranstaltungen anbieten - von der klassischen Autorenlesung über den Poetry Slam bis hin zu Theateraufführungen und Podiumsdiskussionen. Bei entsprechender Ausstattung und Betreuung kann man von Schulbibliotheken sogar „Produkte“ erwarten: Literatur von Schülern für Schüler, eine DVD, die zu einem Unterrichtsprojekt produziert wurde, Schulradio oder Schulfernsehen, wie man es zum Beispiel häufig an amerikanischen aber auch schon an einigen deutschen Schulen findet. (z.B. Heimschule Lender in Sasbach, s. didacta-Magazin 1, 2011, 100). Alle diese Aktivitäten benötigen die Schulbibliothek und ihre Bücher und Medien als Basis, wenn entsprechende Technik (Tonstudio, Schnitttechnik...) räumlich angegliedert ist, kann die Bibliothek auch selbst zum Produktionsort werden.

Bleibt noch eine letzte Funktion, die die Schulbibliothek vor allem in der Ganztagsschule erfüllen sollte, sie kann nämlich auch ein Ort für Freizeit und Entspannung sein. Das Spielen von Brettspielen, das Hören von Hörbüchern und das Schmökern in einem Jugendbuch gehört in vielen Schulbibliotheken zum Programm. Von den Schülern wird dieses Angebot gerne in Anspruch genommen, durchaus auch, weil man sich so im Schulalltag eine Auszeit nehmen, sich zurückziehen und sammeln kann.

Betrachtet man diese Bandbreite, so lassen sich die folgenden zentralen Funktionen der Schulbibliothek ausmachen:
  • Leseförderung
  • Informationszentrum
  • Unterrichtsraum
  • Kommunikationsplattform
  • Kulturelles Zentrum (incl. Zentrum für die Medienproduktion)
  • Freizeitgestaltung

Geht es um die Verwirklichung einer Schulbibliothek sollte man diese Möglichkeiten kennen, um dann für das eigene Konzept fundiert entscheiden zu können.

Autor/-innen: Angelika Holderried / Birgit Lücke / Andreas Müller


Handbuch Schulbibliothek: Planung - Betrieb - Nutzung

Angelika Holderried, Birgit Lücke (Hrsg.)
Wochenschau Verlag, 2012
ISBN: 978-3-95414002-2
EUR 24.80 (Subskriptionspreis bis zum 30. Juni 2012, danach EUR 29,80)

Inhaltsübersicht:
  1. Vom Nutzen der Schulbibliothek für die Schule und die Schüler
  2. Wo man gerne hingeht – die Schulbibliothek als Raum
  3. Passgenau ausgewählt – Grundlagen und Inhalte der Schulbibliothek
  4. Gut organisiert – Software und moderne Technik in der Schulbibliothek
  5. Betriebsform, Personalmodelle und Finanzierung der Schulbibliothek
  6. Aktivitäten in und mit der Schulbibliothek
  7. Selbstständig lernen durch Recherche – Fachunterricht mit der Schulbibliothek in weiterführenden Schulen
  8. Wie bleibt die Schulbibliothek lebendig?
  9. Von Inseln und Netzen – Formen schulbibliothekarischer Versorgung
Außerdem: Glossar, Empfohlene weiterführende Literatur und Links, Register

Über die Autorinnen und Autoren des Handbuchs
Michaela Benter, Diplombibliothekarin, Leiterin der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle Leipzig. Arbeitsschwerpunkte: Schulbibliotheksentwicklung, Aus- und Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Schulbibliotheken. Mitglied der Kommission „Bibliothek und Schule“ im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) seit 2009.

Klaus Dahm, Diplombibliothekar, Leiter der Staatlichen Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen an der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Arbeitsschwerpunkte: Bibliothekspolitische Planung, Entwicklung Bibliothekskonzepte, Fachberatung Bibliotheksbau und -organisation, Schulbibliotheken.

Helga Hofmann, Diplombibliothekarin, Tätigkeit in verschiedenen Bibliotheken, seit 2000 stellvertretende Leitung der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle | sba der Stadtbücherei Frankfurt am Main. Mitglied der Kommission „Bibliothek und Schule“ im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv). Referententätigkeit (national und international, u.a. für das Goethe-Institut). Arbeitsschwerpunkte: Medienbearbeitung, elektronische Dienste, zentrale Angebote zur Leseförderung.

Angelika Holderried, Diplombibliothekarin, M.A. in Germanistik, Soziologie und Empirischer Kulturwissenschaft, Leiterin „Schule und Bibliothek“ bei der ekz.bibliotheksservice GmbH in Reutlingen. Arbeitsschwerpunkte: Beratung von Schulbibliotheken, Weiterentwicklung der Schulbibliotheksangebote, Seminare für Schulbibliotheken, Mitarbeit in der Kommission „Bibliothek und Schule“ des Deutschen Bibliotheksverbandes.

Eva von Jordan-Bonin, Diplombibliothekarin, Leitung der Abteilung Schulbibliothekarische Arbeitsstelle | sba der Stadtbücherei Frankfurt am Main und stellvertretende Amtsleitung. Arbeitsschwerpunkte neben den Managementaufgaben u.a. Beratung sowie Konzeption und Durchführung von Fortbildungen für unterschiedliche Zielgruppen. Engagiert in der International Association of School Librarianship (IASL), internationale Beratungsaufenthalte, Vorträge und Workshops u.a. im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit sowie des Goethe-Instituts.

Ingrid Lange-Bohaumilitzky, Diplombibliothekarin, Tätigkeit bei den Bücherhallen Hamburg seit 1976, Leitung der Fachstelle mit den beiden Abteilungen Schulbibliothekarische Arbeitsstelle und Justizanstaltsbüchereien seit 2002. Mitglied der Kommission „Bibliothek und Schule“ im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv).

Birgit Lücke, Diplombibliothekarin, Leiterin der Stadtbücherei Warendorf, die im Rahmen von Kooperationsabsprachen eng mit allen örtlichen Schulen zusammenarbeitet. Seit 2003 Mitglied der Steuerungsgruppe von „Bildungspartner NRW Bibliothek und Schule“, seit 2009 außerdem Vorsitzende der Kommission „Bibliothek und Schule“ im Deutschen Bibliotheksverband (dbv).

Andreas Müller, Dr. phil., Oberstudienrat, Mitarbeiter der Akademie für Leseförderung der Stiftung Lesen an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover. Arbeitsschwerpunkte: Zusammenarbeit Bibliothek und Schule, Textverstehen, Leseförderung in allen Fächern, Mitglied der Kommission „Bibliothek und Schule“ des Deutschen Bibliotheksverbandes seit 2009.

Carolin Rohrßen, Diplombibliothekarin und Staatlich geprüfte Informatikerin mit Schwerpunkt Multimedia, Bibliothekarin in der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Bücherhallen Hamburg, Mitarbeit am Aufbau des Schulbibliotheksnetzwerks „Schulbibliotheken Hamburg“. Arbeitsschwerpunkte: EDV-Netzwerk, Katalogisierung, Elektronische Angebote.

Hanke Sühl, Diplom-Pädagogin und Assessorin für den höheren Bibliotheksdienst, Leitung des Sachgebiets „Schulbibliotheken“ der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle | sba der Stadtbücherei Frankfurt am Main. Arbeitsschwerpunkte: Konzept- und Programmarbeit zur praktischen Leseförderung für 90 Schulbibliotheken des sba-Netzwerks, Konzeption und Durchführung von Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte und Schulbibliotheksmitarbeiter, Referententätigkeit (international) u.a. für das Goethe-Institut.
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de