Bericht

„Landkarte“ der außerschulischen Leseförderung

08.02.2012

Studie der Stiftung Lesen beschreibt Angebote und Rahmenbedingungen


Kindertagesstätten, Bibliotheken, kommunale und freie Träger kultureller Jugendarbeit: Sie alle machen vielfältige Angebote, um Kinder und Jugendliche an das Lesen heranzuführen und sie dafür zu begeistern – denn Familien und Schulen allein können ein erfolgreiches Lesenlernen nicht immer gewährleisten. Welche Angebote und Maßnahmen außerschulischer Leseförderung gibt es? An wen richten sie sich und wen erreichen sie? Das Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen hat in einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie erstmals eine „Landkarte“ außerschulischer Leseförderung in Deutschland erstellt und die Angebote systematisch und strukturell beschrieben. Dafür wurden bundesweit Kindertagesstätten, Bibliotheken, Jugendämter und Träger kultureller Jugendarbeit – Vereine, Stiftungen, Kinder- und Jugendhäuser, Literaturhäuser und Leseinitiativen – zu ihren Maßnahmen zur Sprach- und Leseförderung, zu Zielgruppen, personeller und finanzieller Ausstattung, Kooperationen und Erfolgsfaktoren befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse
Die Angebote außerschulischer Leseförderung sind vielfältig – sie reichen von Vorlesestunden und Veranstaltungen mit Autoren über Bibliotheksführungen, Buchausstellungen bis zu Kreativ-Angeboten. Im Fokus stehen dabei Kinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren. Jedoch werden Maßnahmen nur selten auf bestimmte Zielgruppen, etwa Kinder unter drei Jahren oder leseferne Kinder und Jugendliche, zugeschnitten. Auch gehen die lesefördernden Aktivitäten in Ferienzeiten deutlich zurück. Nach Einschätzung von Dr. Simone C. Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung, liegt gerade hier großes Potenzial denn: „Entscheidend für den Erwerb von Lesekompetenz ist es, Freude am Lesen zu entwickeln. Deshalb sollte es ein Ziel außerschulischer Leseförderung sein, das Lesen von Schule, Leistung und Bewertung abzukoppeln und mit Ferien, Freizeit und Vergnügen in Verbindung zu bringen.“

Handlungsbedarf bei gezielter Ansprache von Risikogruppen
Für die gezielte Ansprache von Risikogruppen sieht das Institut Kommunikations- und Handlungsbedarf: „Die Relevanz zielgruppenspezifischer Förderung muss auf allen Ebenen deutlicher werden“, so Ehmig. Um Begeisterung für das Lesen gerade auch bei eher lesefernen Kindern und Jugendlichen zu wecken, empfiehlt das Institut, Ferienzeiten stärker für Angebote zur Leseförderung zu nutzen und Maßnahmen zu entwickeln, die Kinder und Jugendliche in eher unerwarteten Kontexten ansprechen. Hierfür bieten sich Kooperationen von Kitas und Bibliotheken außerhalb des Bereichs der Sprach- und Leseförderung an, z. B. mit Kinder- und Jugendhäusern, aber auch mit Sportvereinen und Spielgruppen. Für die gezielte Ansprache von Kindern unter drei Jahren sieht das Institut sowohl Potenzial in Kindertagesstätten – vor allem über die Schulung von Erzieherinnen und Erziehern im Bereich frühkindlicher Medienerziehung – als auch in Bibliotheken über die gezielte Ansprache der Eltern.

Zum Hintergrund der Studie
Die PISA-Studien, OECD-Berichte und die alarmierenden Zahlen zur Alphabetisierung aus der LEO-Studie 2011 haben zu der Erkenntnis geführt, dass Leseförderung bereits im Kleinkindalter ansetzen sollte und dass es den Schulen nicht immer gelingt, allen Schülerinnen und Schüler ausreichende Lesekompetenz zu vermitteln. Laut der jüngsten PISA-Studie ist rund ein Fünftel der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler nicht in der Lage, Texte zu verstehen – sie laufen Gefahr, zu funktionalen Analphabeten zu werden. Als besonders gefährdet gelten Jungen, Kinder aus sozial benachteiligten Familien und Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Außerschulische Sprach- und Leseförderungsangebote können in vielerlei Hinsicht positiv und kompensatorisch wirken: einerseits durch ein frühzeitig einsetzendes Angebot für Kinder im Vorschulalter, das Lesemotivation weckt und damit bessere Voraussetzungen für die Aneignung von Texten schafft; andererseits durch lesefördernde Freizeitangebote für Schulkinder, die ihren schulischen Erfolg fördern und festigen.

Bestellung
Die Studie „Außerschulische Leseförderung in Deutschland“ ist als Band 11 der Schriftenreihe der Stiftung Lesen erschienen. Sie kann gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro unter www.derleseladen.de bestellt werden.

Das Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen beschäftigt sich interdisziplinär wissenschaftlich mit dem Lesen und der Mediennutzung in der Bevölkerung und in spezifischen Gruppen (z. B. Kinder, Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund). Es realisiert eigene Forschungsvorhaben, veranstaltet Fachtagungen und Kongresse und begleitet die pädagogischen Projekte der Stiftung Lesen.

Die Stiftung Lesen ist anerkannter, kompetenter und unabhängiger Partner und Anwalt für das Lesen. Sie fördert Lesekom-petenz und Zugänge zum Lesen für alle Alters- und Bevölkerungsgruppen in allen Medien. Als operative Stiftung führt sie in enger Zusammenarbeit mit Partnern – Bundes- und Landesministerien, wissenschaftlichen Einrichtungen, Stiftungen, Ver-bänden und Unternehmen – Forschungs- und Modellprojekte sowie breitenwirksame Programme durch. Zu ihren herausra-genden Initiativen zählen der jährliche „Bundesweite Vorlesetag“, der „Welttag des Buches“ und „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“, das größte frühkindliche Leseförderungsprogramm Deutschlands, das die Stiftung gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung umsetzt. Zahlreiche Prominente unterstützen die Stiftung als Lesebotschafter. Die Stiftung Lesen wurde 1988 gegründet und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.

Kontakt:
Dr. Simone C. Ehmig
Leiterin
Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
Tel.: (06131) 2 50 41-101
E-Mail: simone.ehmig@stiftunglesen
Internet: www.stiftunglesen.de/forschung

Esther Dopheide
Pressesprecherin
Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
Tel.: (06131) 2 88 90-36
E-Mail: esther.dopheide@stiftunglesen.de
Internet: www.stiftunglesen.de
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