Bericht

Generationenprojekt Kinderliteratur

22.12.2011

JuLit 4/2011: Deutscher Jugendliteraturpreis 2011 – Begegnung mit Preisträgern und Nominierten


Traditionell widmet sich das letzte JuLit des Jahres dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Dieses Mal stehen nicht nur die Preisträger im Fokus, auch von Begegnungen der Jugendjury-Leseclubs mit ihren Nominierten ist zu lesen. Außerdem in diesem Heft: ein Überblick über aktuelle Kriegsdarstellungen für jugendliche Leser, ein Besuch bei dem Illustrator Philipp Seefeldt, ein Bericht von der diesjährigen Biennale der Illustrationen Bratislava sowie ein Interview mit Jochen Stuhrmann, der mit einer der fünf goldenen BIB-Plaketten ausgezeichnet wurde. Welche Artikel darüber hinaus in der aktuellen Ausgabe zu finden sind, ist auf der AKJ-Homepage einsehbar, über die das Heft auch bestellt werden kann.

Wir veröffentlichen nachfolgend den Eröffnungsbeitrag - die Rede der Vorsitzenden des Arbeitskreises für Jugendliteratur zur 56. Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises auf der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober 2011.

Generationenprojekt Kinderliteratur
Seit 15 Jahren wird der Deutsche Jugendliteraturpreis auf der Frankfurter Buchmesse verliehen. Er wanderte vom kleinen Spiegelzelt in den großen Saal Harmonie mit über 1.000 Gästen, weil jede Zwischenstation zu klein war für all die Menschen, die gern dabei sein wollten. Und es tut mir leid, dass wir immer noch nicht alle Kartenwünsche befriedigen können. Aber nicht nur hierin spiegelt sich die Erfolgsgeschichte der Kinder- und Jugendliteratur, sondern auch im Verlagswesen. Bei 8.082 Neuerscheinungen im letzten Jahr lag der Anteil an der Gesamtproduktion bei knapp 10%, der Anteil am Gesamtumsatz aber bei über 15%. Spitzenreiter ist die Kinder- und Jugendliteratur bei den Lizenzverkäufen. Fast 38% aller Lizenzen werden hier abgesetzt, die meisten im Bereich Bilderbuch. An erster Stelle der Lizenznehmer steht China, Gastland der Buchmesse von 2009. Die Beliebtheit der Bilderbücher kann auch als Hinweis gelten auf die hohe Qualität der Illustrationskunst in Deutschland, für die u.a. unsere deutschen Preisträger der international renommierten Hans-Christian Andersen Medaille von 2006 und 2010 stehen, Wolf Erlbruch und Jutta Bauer.

Aber es gehen nicht nur Bücher aus Deutschland in die Welt, sondern es kommen auch Bücher aus aller Welt zu uns. Bei den Kinder- und Jugendbüchern lag der Anteil von Übersetzungen 2010 bei 22%. Weltoffenheit ist im Zeitalter der Globalisierung keine Einbahnstraße. Und so kommt den Übersetzerinnen und Übersetzern eine immer wichtigere Rolle im Prozess des kulturellen Austausches zu. Dies hat die zweite internationale Übersetzerwerkstatt, die der Arbeitskreis für Jugendliteratur mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung in diesem Jahr durchgeführt hat, wieder sehr deutlich gemacht. Darum freue ich mich besonders, dass wir in diesem Jahr wieder einen mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis für Übersetzung vergeben können.

Bei der letzten Sonderpreisvergabe für Übersetzung 2008 habe ich auf die prekären Einkommensverhältnisse der freiberuflich tätigen literarischen Übersetzer hingewiesen, die sich um das Hartz IV-Niveau bewegen. Dies gilt leider immer noch. Und ich hoffe inständig, dass sich hier etwas verändert.

2006 hatte ich zum ersten Mal, und heute habe ich zum letzten Mal die Ehre, die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises als Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur zu begleiten. Eine Menge Dinge haben sich in diesen Jahren in der Welt verändert. Nach wie vor scheint mir jedoch Folgendes nicht überholt:

Bei der Kinder- und Jugendliteratur geht es um ein Generationenprojekt. Ihre Wirkung kann sie nur entfalten im Zusammenspiel von Kindern und Erwachsenen. Darum gehört die kritische Auseinandersetzung mit ihr nicht auf die Kinderseite, sondern ins literarische Feuilleton der Medien.

Die Verbreitung der Kinder- und Jugendliteratur ist auch ein Gesellschaftsprojekt, an dem viele Akteure aus Familie, Kindergarten, Schule und Bibliothek beteiligt sind. Sie ist nur erfolgreich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, d.h. wenn Bildung nicht auf Gipfeln diskutiert, sondern in den Niederungen realisiert wird.

Wir haben eine großartige, vielfältige Kinder- und Jugendliteratur, die bereits die Kleinsten einschließt. Darum wünsche ich mir einen Rettungsschirm für die Literatur über jeder Wiege. Denn jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, und die fängt mit dem Bilderbuch an.

Regina Pantos ist Studiendirektorin i.R. und Vorstandsvorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur. Sie war Fachbereichsleiterin für Kinder- und Jugendliteratur, Sprache und Theater an der ersten Staatlichen Fachschule für Sozialpädagogik Berlin.

JuLit - die Zeitschrift des Arbeitskreises für Jugendliteratur
Viermal im Jahr wendet sich JuLit an alle, denen die Förderung und Vermittlung der Kinder- und Jugendliteratur ein besonderes Anliegen ist: an Einzelpersonen ebenso wie an Institutionen und Fachverbände. Jedes Heft widmet sich mit Artikeln, Interviews, Autorenporträts und Bibliografien einem Themenschwerpunkt. Im letzten Heft des Jahres steht der Deutsche Jugendliteraturpreis mit seinen Preisträgern und der Preisverleihung im Mittelpunkt.
In Werkstattberichten werden Nachwuchstalente aus dem Kinderbuchbereich vorgestellt; relevante Fachliteratur wird in ausführlichen Rezensionen erschlossen. Weitere Schwerpunkte liegen bei internationalen Entwicklungen und Ereignissen, bei den Aktivitäten des Arbeitskreises für Jugendliteratur und seiner Mitgliedsverbände. Berichte aus der praktischen Arbeit der Literaturvermittlung sowie aktuelle Meldungen und Nachrichten runden das Spektrum der Zeitschrift ab.
Meinungsvielfalt ist für den Arbeitskreis für Jugendliteratur seit seiner Gründung 1955 prägend. Das Gleiche gilt auch für seine Zeitschrift: JuLit bietet Raum für unterschiedliche Positionen und Forschungsrichtungen, für eine kontroverse und konstruktive Debatte zur Kinder- und Jugendliteratur.
JuLit erscheint vierteljährlich und ist für 9,50 Euro zzgl. Versand erhältlich.

JuLit-Archivrecherche
Auf der Homepage des Arbeitskreises für Jugendliteratur kann anhand von Personennamen, Titeln, Schlagworten, Ausgaben oder Jahrgängen nach Artikeln in allen JuLit-Ausgaben seit 1991 gesucht werden:
www.jugendliteratur.org/julit___archivrecherche-23.html

Gefördert vom:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend www.bmfsfj.de

Kontakt:
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