Meldung

AusLese 2009

19.06.2009

Ehrung für herausragendes Engagement bei der Leseförderung


AusLese-Preisträger 2009
AusLese-Preisträger 2009
© Stiftung Lesen
Sie setzen mit innovativen Ideen und viel Engagement Maßstäbe in der Leseförderung: die sieben neuen Preisträger des AusLese-Preises der Stiftung Lesen, der alle zwei Jahre, gefördert von der Commerzbank-Stiftung, vergeben wird. Bei der Preisverleihung am 16. Juni 2009 in der Alten Lokhalle in Mainz präsentierte Kabarett-Legende Emil Steinberger ein literarisch-kabarettistisches Programm. Rolf Pitsch, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen, sowie Stiftung Lesen-Geschäftsführer Heinrich Kreibich ehrten die Preisträger, die von einer Fachjury aus über 100 Vorschlägen ausgewählt worden waren.
Den musikalischen Rahmen der Preisverleihung gestaltete die Band Jazzmunks des Mainzer Frauenlob-Gymnasiums.

Botschafter des Lesens
Seit langem stellt der Frontmann der Kultband Höhner, Henning Krautmacher (Köln), seine Talente auch in den Dienst der Leseförderung: als Vorleser für Kinder, als Interview-Partner für die Presse und nicht zuletzt, wie an diesem Abend, als Moderator. Für dieses vielfältige Engagement wurde er - für ihn überraschend - mit der neu geschaffenen AusLese-Kategorie „Botschafter des Lesens“ geehrt.

Kategorie: Internationale Leseförderung
Mag. Gerhard Falschlehner aus Wien wurde mit dem AusLese-Preis in der Kategorie „Internationale Leseförderung“ ausgezeichnet. „Als langjähriger Geschäftsführer des Österreichischen Buchklubs der Jugend - doch nicht nur im Rahmen dieser Tätigkeit - hat er viele Projekte realisiert, die dazu beigetragen haben, Leseförderung international voranzubringen“, so die Jury.

Kategorie: Medien
Die von dem Berliner Martin Scharfe initiierte virtuelle Bibliothek VolksLesen.tv ist AusLese-Preisträger in der Kategorie „Medien“. Menschen mit unterschiedlichsten Lese-Biografien sind unter www.VolksLesen.tv in Online-Filmen präsent, in denen sie aus ihren Lieblingstexten vorlesen. Das Jury-Fazit: „Authentische Literaturvermittlung, die ein breites Publikum fasziniert“.

Kategorie: Veranstaltungen
Eine „Ferienattraktion mit literarischem Mehrwert“ ist laut Jury die Märchenbaumpromenade des Eigenbetriebs Kaiserbäder Insel Usedom in Heringsdorf. Das von der stellvertretenden Kurdirektorin Dr. Karin Lehmann initiierte Projekt wurde in der Kategorie „Veranstaltungen“ ausgezeichnet. Das Prinzip: Schauspieler nutzen uralte Promenadenbäume als Bühne für literarische Veranstaltungen - und begeistern Kinder und Eltern für das Lesen.

Förderpreise für herausragende Initiativen
Der Verein Baufachfrau Berlin e.V. wurde für das Projekt Bücherwald, eine offene Bibliothek in der Berliner Kollwitzstraße, in der Passanten Bücher hinterlegen und abholen können, in der jeweils mit 1.000,- Euro dotierten Förderpreis-Kategorie „Herausragende Initiativen“ ausgezeichnet. Ein Projekt, das laut Stiftung Lesen Impulse für eine lebendige, urbane Lesekultur setzt.
In derselben Kategorie prämierte die Jury das Literaturhotel Franzosenhohl in Iserlohn. Es präsentiere mit einer beeindruckenden Ideenvielfalt ein ausgesprochen lesefreundliches Ambiente und besitze damit bundesweit Vorbildwirkung.
Die für ihr von Bibliotheksleiter Georg Fisch ins Leben gerufenes Projekt Leserakete ebenfalls als „Herausragende Initiative“ geehrte Stadtbibliothek im Salzstadel in Straubing würdigte die Jury als „Beispiel für nachhaltige Leseförderung“. Das Prinzip: Grundschul- und Förderschulklassen begeben sich auf eine Raketenreise. Der Treibstoff wird erzeugt, indem die Kinder Bücher aus der Bibliothek entleihen, sie lesen und der Klasse vorstellen.

Neu: Der Wissenschaftspreis
„Lesen, wenn anderes und andere wichtiger werden„, hat der an der Leuphana Universität Lüneburg tätige Kulturwissenschaftler Maik Philipp seine Arbeit zur Leseorientierung in der peer group bei Kindern aus fünften Klassen überschrieben, für die er mit dem neuen Wissenschaftspreis der Stiftung Lesen ausgezeichnet wurde. Der Preis wird künftig alle 2 Jahre vergeben und ist mit 3.000,- Euro dotiert.

Maik Philipps Magisterarbeit trage dazu bei, so die Jury der Stiftung Lesen in ihrer Begründung, eine „Perspektivenverschiebung in der Leseförderung“ zurechtzurücken: „Die Leseforschung hat sich bisher primär auf die Familie und die Schule als zentrale Instanzen der Lesesozialisation konzentriert, die Gleichaltrigen jedoch nur wenig in den Blick genommen.“ Die Jury unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Aufenanger, wissenschaftlicher Berater der Stiftung Lesen und Professor für Medienpädagogik an der Universität Mainz, hebt das „anspruchsvolle Forschungsdesign“ der Untersuchung auf Grundlage einer Befragung von 492 Fünftklässlern hervor und betont: „Die Studie eröffnet neue Perspektiven für die Leseförderung, indem sie die Chancen aufzeigt, Freundinnen und Freunde von Kindern aktiv in die Leseförderung einzubeziehen.“ Gleichzeitig belege die Untersuchung die Bedeutung der Lesesozialisationsfaktoren „Familales Leseklima“, „soziale Herkunft“ sowie „Geschlecht“. Das Fazit der Jury: Der Autor habe „eine wissenschaftlich fundierte sowie auch für die Praxis der Leseförderung bedeutsame Arbeit vorgelegt.“ Maik Philipp weitet derzeit den Forschungsansatz seiner Magisterarbeit im Rahmen einer Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg aus.

Der Wissenschaftspreis der Stiftung Lesen wird 2011 erneut verliehen: Er zeichnet hervorragende deutsch- oder englischsprachige akademische Qualifikationsarbeiten aus, die sich mit dem Lesen im Kontext der Mediengesellschaft beschäftigen. Bewerbungen für die kommende Verleihung können bis zum 01. Februar 2011 eingereicht werden. Voraussetzung ist, dass die Arbeit bei einer Hochschule als Bachelor-, Master-, Magister-, Diplom-, Staatsexamensarbeit oder als Dissertation eingereicht und das entsprechende Qualifikationsverfahren im Jahr 2009 bzw. 2010 erfolgreich abgeschlossen worden ist.


Kontakt:
Christoph Schäfer
Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
Tel.: (06131) 2 88 90-28
E-Mail: christoph.schaefer@stiftunglesen.de


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