Bericht

Aktion zusammen wachsen

28.10.2008

Bildungspatenschaften fördern die Integration





Staatsministerin Maria Böhmer in der Teltow-Grundschule in Berlin-Schöneberg
Staatsministerin Maria Böhmer in der Teltow-Grundschule in Berlin-Schöneberg
Foto: Jose Giribas
Die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Prof. Dr. Maria Böhmer, hat bei der regionalen Auftaktveranstaltung der „Aktion zusammen wachsen. Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern“ das ehrenamtliche Engagement der Berliner Bürgerinnen und Bürger sowie die Arbeit der Patenschafts- und Mentoringprojekte gewürdigt. Sie besuchte ein Lesepatenschaftsprojekt der Bürgerstiftung Berlin in der Teltow-Grundschule in Berlin-Schöneberg. Dort hat die Bürgerstiftung eine Leseecke für die Kinder eingerichtet.

Unterstützung für bürgerschaftliches Engagement
„Ich bin beeindruckt, wie viele erfolgreiche Patenschaftsprojekte es bereits in Berlin gibt und wie groß das bürgerschaftliche Engagement hier ist. Da passiert schon ganz viel. Mit der „Aktion zusammen wachsen“ möchte ich die zahlreichen Bildungspatenschafts- und Mentoringprojekte in unserem Land vernetzen und unterstützen. "Bürgerschaftliches Engagement soll so gefördert werden, um die Bildungschancen von Menschen mit Zuwanderungshintergrund zu erhöhen.“ so Böhmer.
Um den Unterstützungsbedarf von Patenschafts- und Mentoringprojekten zu ermitteln, hatte Böhmer alle Akteure aus diesem Bereich zu einer regionalen Auftaktveranstaltung in das Tagungszentrum Neue Mälzerei eingeladen. Aus den Ergebnissen wird die Integrationsbeauftragte die nächsten Schritte für die „Aktion zusammen wachsen“ für die Region ableiten.

Vernetzung von Patenschaftsprojekten
Die „Aktion zusammen wachsen“ wurde am 19. Mai 2008 von Staatsministerin Böhmer ins Leben gerufen. Unter dem Dach der Aktion werden bestehende Projekte vernetzt, wird der Wissenstransfer verbessert und es werden Fachveranstaltungen und Kongresse organisiert. Außerdem werden im Rahmen der Aktion Qualifizierungsmodelle entwickelt. Denn der Erfolg von Patenschaftsprojekten hängt stark von der professionellen Unterstützung der Patinnen und Paten sowie von der Vernetzung der Patenschaftsprojekte mit Kindertageseinrichtungen, Schulen und Ausbildungsbetrieben ab. Die „Aktion zusammen wachsen“ konzentriert sich auf drei Aktionsfelder: Patenschaftsprojekte für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter, für Jugendliche im Übergang von der Schule in die Berufsausbildung und auf Betriebsinhaberinnen und -inhaber ausländischer Herkunft, die für den Ersteinstieg in die duale Berufsausbildung gewonnen werden sollen.
Staatsministerin Böhmer betonte: „Bildungspatenschaften sind ein enorm wichtiger und ergänzender Beitrag für die Integration, die so intensiv und individualisiert kein Kindergarten und keine Schule leisten kann. Paten können auf die Kinder und Jugendlichen eingehen und Vorbilder und Begleiter auf dem Weg in den Beruf sein."

Bildungspatenschaften für Kinder aus Zuwandererfamilien
Wie notwendig die Verbesserung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien ist, zeigt die Statistik: 31,8 Prozent der Berliner Hauptschüler nichtdeutscher Herkunftssprache verließen nach dem Schuljahr 2006/2007 die Schule ohne Hauptschulabschluss. Die offizielle Arbeitslosenquote bei nichtdeutschen Staatsangehörigen in Berlin beträgt derzeit rund 40 Prozent (Deutsche: rund 19 Prozent). Nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung sind im Schuljahr 2007/2008 29,7 Prozent der 305.280 Berliner Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen nichtdeutscher Herkunftssprache. Noch deutlicher ist diese Entwicklung an den Hauptschulen, dort haben 46,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen nichtdeutschen Hintergrund. An den Grundschulen beträgt die Quote 34,5 Prozent, an den Realschulen 34,8 Prozent.

Leitfaden für Patenschaften
Immer mehr Bürgerinnen und Bürger engagieren sich in Patenschaftsprojekten für eine bessere Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien. Im Patenatlas, einer bundesweiten Bestandsaufnahme, ermittelte das Institut INBAS Sozialforschung 166 Projekte, in denen mehr als 5.100 Patinnen und Paten 15.000 Kinder und Jugendliche begleiten. Mehr als zwei Drittel der Projekte wurden nach 2004 gegründet. Der Patenatlas zeigt auf, wie ehrenamtliches Engagement die Bildungs- und Berufschancen von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien erhöht. Eine frühe, individuelle Sprachförderung im Kindergartenalter steigert den Schulerfolg. Die Einbeziehung der Eltern trägt dazu bei, eventuelle Vorbehalte gegenüber Bildungsinstitutionen abzubauen. Beim Übergang von der Schule in den Beruf dienen oft die guten Kontakte der Patinnen und Paten zu potenziellen Arbeitgebern als Türöffner.
Der Patenatlas macht aber auch deutlich: Der Erfolg von Patenschaftsprojekten hängt stark von der professionellen Unterstützung der Patinnen und Paten sowie von der Vernetzung der Patenschaftsprojekte mit Kindertageseinrichtungen, Schulen und Ausbildungsbetrieben ab.

Projektdatenbank und Online-Bibliothek
Auf der Basis des Patenatlas wurde eine Datenbank Bildungspatenschaften in Deutschland auf www.aktion-zusammen-wachsen.de erstellt. Diese enthält aktuell 185 Projekte und wird fortwährend erweitert. Die Datenbank kann nach Bundesland, Postleitzahl, Schwerpunkt und Name des Projektes durchsucht werden.
Informationsmaterial zu Bildungspatenschaften bietet die Online-Bibliothek auf www.aktion-zusammen-wachsen.de. Sie enthält Broschüren, Studien, Leitfäden und andere Veröffentlichungen verschiedener Organisationen und Experten zum Thema.

Kongress am 24. November 2008 in Berlin
Im Rahmen der „Aktion zusammen wachsen“ findet am 24. November 2008 im dbb Forum, Friedrichstraße 169/170 in 10117 Berlin ein Kongress statt. In Fachforen werden Vertreter von Patenschafts- und Mentoringprojekten ihre Erfahrungen aus der Praxis vorstellen. Der Kongress wendet sich an Patenschaftsprojekte und ihre Träger, Migrantenorganisationen, Organisationen der Sozialfürsorge und des bürgerschaftlichen Engagements, Spitzenorganisationen aus der Wirtschaft, Kommunal- und Landespolitik sowie Wissenschaft und Medien.
Eine Anmeldung zum Kongress ist per E-Mail an kongress@aktion-zusammen-wachsen.de möglich.
 
Bundesweite Servicestelle in Berlin
Zentraler Ansprechpartner für alle Fragen zur „Aktion zusammen wachsen” ist die bundesweite Servicestelle in 10559 Berlin, Alt-Moabit 101b. Die Servicestelle ist zuständig für die Entwicklung von Handlungsempfehlungen für Qualitätsstandards, Qualifizierungsmodule, Anerkennungsmodelle und die Öffentlichkeitsarbeit für Patenschaftsprogramme. Zu ihren Aufgaben gehört neben der Organisation von Veranstaltungen auch die Einrichtung eines Expertenpools.

Kontakt:
Sebastian Düring
Bundesweite Servicestelle der "Aktion zusammen wachsen"
Alt-Moabit 101b
10559 Berlin
Tel.: (030) 399 27 3300
E-Mail: info@aktion-zusammen-wachsen.de

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