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Schülertext

5. Kinder-Krimipreis München 2007

19.04.2007

400 Schülerinnen und Schüler nahmen am Schreibwettbewerb teil




Kinder-Krimipreis München 2007
Kinder-Krimipreis München 2007
Quelle: Kultur & Spielraum e.V. München
David Stach, 12 Jahre, aus der Klasse 6a des Kurt-Huber-Gymnasiums Gräfelfing gewann den Krimischreibwettbewerb in seiner Altersgruppe mit dem folgenden spannenden Text über einen Künstlermord.
Alle prämierten Krimis werden jedes Jahr in einem Büchlein veröffentlicht, das für je 3 Euro bestellt werden kann unter: info@kulturundspielraum.de.


Mord in Künstlerkreisen
Der Künstler Christoph Erner saß in seinem kantigen Bürostuhl vor seinem Designertisch, vor ihm eine angefertigte Skizze seines neuesten Entwurfs. Die in helle und wirre Farben getauchten Linien ergaben eine farbenfrohe Lichtung mit knorrig gewachsenen und in ein helles Braun getauchten Bäumen. Doch zwischen den ganzen hellen und leuchtenden Farben bahnte sich langsam, fast unmerklich, eine bedrückende Dunkelheit von den Rändern ausgehend in das Innere des Bildes. Diese Dunkelheit kam nicht nur von Christoph Erners Pinsel sondern tief aus seinem Herzen. Tief in ihm breitete sich in letzter Zeit eine dunkle Angst aus und ein Teil seines Herzens wusste, woher diese Angst kam.
Ein Knacken im Nebenraum ließ ihn stutzen. Kalter Schweiß rann ihm die Stirn herab, als er einen Schatten hinter sich bemerkte. Als er sich umdrehte, schrie er voller Entsetzen, da ihm mit Gewalt eine Plastiktüte über seinen Kopf gestülpt wurde. Der Mörder ließ erst los, als sein Opfer nur noch zuckend auf dem Boden lag.

Jakob Schlendrian saß in seiner kleinen Detektei in München und sah sich einen Kunstkatalog der Pinakothek der Moderne an. Er schwankte zwischen Faszination und Langeweile. Zwei Künstler gefielen ihm besonders. Der Eine namens Christoph Erner malte farbenfrohe und schöne Bilder. Als Motive wählte Erner grüne Wälder, blaue Flüsse oder Blumenwiesen. Der andere schien das genaue Gegenteil von Erner zu sein. Sein Name war Robert Tarner und seine Motive waren meist graue und farblose Bilder. Bandagierte Köpfe, blutende Wunden oder auf grausame Weise getötete Menschen. Schlendrian gefielen die beiden Künstler deshalb so gut, weil sie genau die beiden Seiten unserer Welt verkörperten. Die eine farbenfrohe und schöne Seite und die andere, die graue und verdorbene Seite der Welt. Es war fast so, wie zwischen ihm und seinem Assistenten Egon Eiermann. Er selbst las einen Kunstkatalog, während Egon Eiermann im Nebenzimmer bunte Pixi-Bücher für dreijährige Kinder las und manchmal laut auflachte oder in trauriges Schluchzen verfiel. „Was ist denn jetzt wieder los?“, fragte Jakob genervt seinen Assistenten, der völlig aufgelöst auf dem Sofa lag und heulte. „Die Hexe will Hänsel braten!“, schluchzte er. „Aha“, brummte Jakob und widmete sich wieder seinem Katalog. Plötzlich hörte er das metallische Klingeln des orangenen Bürotelefons.
“Detektei Schlendrian, der Meister selbst ist am Apparat. Was kann ich für Sie tun?“, belustigte sich Jakob. “Sophie Jansen hier“, gab sich ein dünnes Stimmchen aus dem Apparat zu erkennen. „Ich rufe aus dem Künstleratelier in der Welserstraße an. Wenn Sie bitte unverzüglich herkommen könnten? Hier ist ein Mord passiert!“, erklärte Sophie Jansen. „Mord?“ Oh Mann, wie lange hatte er seit seinem letzten Auftrag auf so einen Anruf gewartet. „Welserstraße sagten Sie? Wir sind sofort bei Ihnen!“, jauchzte Jakob.
Fünfzehn Minuten später fuhr ein alter, verbeulter VW-Golf mit Jakob und Egon als Insassen im Innenhof des Ateliergebäudes vor. Schlendrian stieg aus und musterte den Hof. Vor dem Eingang standen ein paar alte Pflanzenkübel herum, zwei schrottreife Fahrräder lehnten nebeneinander an einer mit bunten Graffitis besprühten Wand. Als er an der Hauswand hinaufsah blickten ihm große Fabrikfenster entgegen. Aus dem Eingangstor kam nun eine junge und gut aussehende Frau hervor. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und man konnte erkennen, dass sie geweint hatte. „Ich bin froh, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben“, begrüßte Jakob sie mit theatralischer Stimme. „Wo liegt denn der Tote?“, erkundigte sich Egon. „In seinem Atelier. Ich bringe Sie hin“, seufzte Sophie Jansen.
Als sie in das Atelier eintraten, bot sich ihnen ein schauriger Anblick. Der ermordete Künstler Christoph Erner lag vor ihnen auf dem Boden. Eine Plastiktüte war über seinen Kopf gestülpt worden. Jakob Schlendrian legte Chirurgen-Handschuhe an und schob vorsichtig die Plastiktüte vom Kopf des Opfers. Ihm wurde übel, als er das Gesicht des Künstlers erblickte. Weit aufgerissene und blutunterlaufene Augen blickten aus dessen Augenhöhlen hervor. Ein Rinnsal Blut war aus dem Mund des Mannes gelaufen, das nun getrocknet war. Jakob bemerkte, dass ein paar Fingernägel des Künstlers eingerissen und einer sogar blutig war. Es musste ein Kampf stattgefunden haben.
Er sah zu Sophie Jansen auf, die neben ihm stand. Ihre Augen schienen einen Punkt irgendwo hinter dem Toten zu fixieren. Geistesabwesend stand sie so da und eine einsame Träne rollte ihr die Wange herab. Jakob räusperte sich verlegen. „Christoph Erner nehme ich an?“ Sophie Jansen wischte sich die Tränen aus den Augen. „Sie kannten ihn?“, fragte sie überrascht und sah ihn mit ihren blauen Augen an. „Aber nicht doch. Ich habe ein Foto von ihm in einem Katalog gesehen“, erklärte Schlendrian. „Oh ja, er war ein sehr guter Maler“, murmelte Sophie Jansen. „Wenn ich das richtig verstehe, dann waren sie und Erner ein Paar?“, fragte Schlendrian. Sie lächelte gedankenverloren. „Nein…Ich habe lediglich Geschäfte mit ihm gemacht. Aber…aber innerlich habe ich ihn geliebt.“ Schlendrian schmunzelte. „Verstehe…und von Beruf sind Sie…?“ „Galeristin“, ergänzte sie. „Gut…und Sie haben keinen Verdacht, wer Erner getötet haben könnte?“, fragte er. „Oh doch, den habe ich! Robert Tarner, ein Kollege von Christoph. Er ist ebenfalls Künstler, ein Maler um genau zu sein. Aber kein besonders guter. Seine Kunst ist so…so…bedrückend!“, rief sie. Jakob verstand, was sie meinte. „Ich kenne seine Bilder. Und Sie glauben, dass die Lösung dieses Mordes in seiner Kunst zu finden ist?“, erkundigte sich Schlendrian. „Genau so ist es! Wenn sie sich in seinem Atelier umsehen, werden Sie diese Vermutung sicherlich mit mir teilen“, meinte sie grimmig.
Zehn Minuten später standen Schlendrian und Egon vor dem Atelier des Künstlers Robert Tarner. Schlendrian klopfte, wartete, klopfte noch einmal. Nichts geschah. „Scheint nicht da zu sein“, meinte Egon. Schlendrian drückte die Klinke herunter. „Offen!“, bemerkte er verdutzt. Langsam öffnete er die Tür und betrat den Raum.
Das Atelier war sehr unordentlich. Überall lagen Skizzen seiner Bilder. Zwei Tonkrüge standen neben einem Zeichentisch. Eine etwa ein Meter große Pappfigur stand vor dem Tisch. Eine Plastiktüte war über ihr Gesicht gestülpt. Offenbar hatte sie als Vorlage für ein neu angefertigtes Bild, das auf dem Tisch lag, gedient. Es zeigte einen Mann, über dessen Kopf eine Tüte gestülpt war. Die Szene war unverkennbar. Sie zeigte den brutalen Mord am Maler Christoph Erner.
„Ich würde sagen, das ist ein klarer Beweis, dass Tarner der Mörder ist!“, sagte Egon Eiermann ernst. Es war so ziemlich das einzige Mal, dass sein Assistent ernst war, bemerkte Jakob Schlendrian. „Nein, irgendwie ist das zu einfach“, überlegte Schlendrian. „Wie meinst du das?“, fragte Egon ernst. Ob sein Assistent krank war? Das war nun schon das zweite Mal an diesem Tag, dass Egon ernst war. Jakob begann sich ehrlich Sorgen zu machen. „Na, ich meine, wenn er den Mord wirklich begangen hätte, dann hätte er dieses Bild nicht so herumliegen lassen“, erklärte Schlendrian. „Du meinst, jemand will ihm etwas anhängen?“, fragte Egon Eiermann verdutzt. „Genau. Die Frage ist nur, wer ein Motiv dazu hat“, meinte Jakob Schlendrian nachdenklich. „Sieh mal, da ist sein Laptop, steht jedenfalls sein Name drauf“, bemerkte Egon. „Ah, perfekt! Vielen Dank, Egon. Auf dem Laptop könnten Daten sein, die uns vielleicht weiterhelfen könnten“, freute sich Jakob.
Er setzte sich an den Tisch und stellte den Laptop vor sich. Als er ihn aufklappen wollte, bemerkte er, dass der Computer nicht ganz zugeklappt war und noch lief. „Er ist noch an. Tarner muss den Raum also in großer Eile verlassen haben“, schlussfolgerte Jakob. „Na, eigentlich ist das nur zu unserem Vorteil. So brauchen wir kein Passwort einzugeben“, bemerkte er triumphierend. Er klappte den Computer auf. Auf dem Bildschirm war eine noch nicht ganz vollendete E-Mail zu sehen. Jakob las die E-Mail und da erkannte er, dass sie diesen Fall völlig falsch angegangen waren.

Robert Tarner fuhr nachdenklich in seinem schwarzen Mercedes zurück nach München. Vor drei Tagen hatte er einen Anruf von Sophie Jansen erhalten. Sie teilte ihm mit, dass er an einer Ausstellung des Nürnberger Museums teilnehmen könne. Tarner war sehr erfreut und willigte sofort ein. Doch als er in Nürnberg ankam, hatte der überraschte Museumsdirektor ihn aufgeklärt, dass wohl ein Missverständnis vorliege. Eine Ausstellung würde zwar stattfinden, aber eingeladen sei er nicht, beteuerte der etwas verlegene Direktor. Tarner konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich Sophie einen Scherz mit ihm erlaubt hatte. Aber was sollte es sonst gewesen sein? Es konnte schließlich nichts anderes als ein dummer Scherz oder ein Missverständnis sein! Genau in diesem Moment klingelte sein Mobiltelefon in der Jackentasche. „Hallo?“, meldete er sich. „Guten Abend, Herr Tarner. Hier ist Schlendrian. Jakob Schlendrian. Wo befinden Sie sich im Augenblick?“ „Es tut mir Leid, aber hier muss ein Missverständnis vorliegen. Ich kenne keinen Jakob Schlendrian“, sagte Tarner verwirrt. „Oh wie dumm von mir!“, meldete sich der Anrufer. „Ich bin Privatdetektiv und ermittle in einem Mordfall.“ „Ein Privatdetektiv?“, fragte Tarner überrascht. „Wenn das so ist, sieht die Sache natürlich anders aus. Also, ich befinde mich gerade auf dem Weg zurück nach München. Eigentlich wollte ich auf eine Ausstellung in Nürnberg, doch es lag wohl ein Missverständnis vor, da ich gar nicht eingeladen war“, erzählte Tarner. „Verstehe. Wäre es ihnen wohl möglich, diesen Vorfall etwas genauer zu beschreiben?“, fragte Schlendrian interessiert. „Wenn Sie meinen. Also, meine Galeristin Sophie Jansen rief mich vor drei Tagen an. Sie erzählte, dass ich bei einer Ausstellung in Nürnberg mitmachen könne. Unverzüglich fuhr ich dorthin, doch als ich im Museum ankam erfuhr ich, dass ich gar nicht zur Ausstellung eingeladen war“, erzählte Tarner. „Vielen Dank für die Auskunft! Ich habe genug gehört!“

Sophie Jansen saß gelassen auf ihrer Couch. In der Hand hielt sie eine Tasse Tee, in den sie geistesabwesend schon ihr viertes Stück Zucker tauchte. Auf dem Glastisch vor ihr lag ein Kunstkatalog. Die aufgeschlagene Seite zeigte ein Foto von Christoph Erner. Sie lächelte traurig, als sie auf sein Foto blickte.
Plötzlich klingelte es. Sophie erhob sich aus der Couch und ging zur Tür. Als sie die Tür öffnete, blickte sie überrascht in das Gesicht des kleinen Detektivs Jakob Schlendrian. Neben ihm stand sein Assistent Egon Eiermann und hinter ihnen der grimmig dreinschauende Robert Tarner. „Oh, willkommen! Kommt doch rein“, begrüßte sie die drei lächelnd. „Robert, warum bist du denn schon zurück aus Nürnberg?“ „Ach, weißt du das etwa nicht? Ich war gar nicht eingeladen!“, erwiderte Robert Tarner wütend. „Und du wusstest das ganz genau! Du hast nur einen Grund gebraucht um mich aus dem Weg zu haben!“ „Aber nein! Ich habe einen Anruf von Harald Drews, dem Museumsdirektor, bekommen. Er sagte, dass du dort ausstellen sollst“, erklärte sie bedrückt. „Ersparen sie uns ihre Lügen! Sie wissen genau warum Sie Tarner wegschickten. Um den Verdacht auf ihn zu lenken!“, rief Schlendrian. „Verdacht? Was für einen Verdacht?“, fragte Sophie verwirrt. „Ich werde es Ihnen sagen. Sie haben im Atelier von Tarner sein neuestes Bild gesehen. Ein Mann, über dessen Kopf eine Plastiktüte gestülpt ist. So malt er eben, das ist Tarners Stil. Aber diesen Stil machten sie sich zunutze. Sie schickten Tarner per Telefon nach Nürnberg. Danach töteten sie Christoph Erner mit dem gleichen Verfahren wie auf Tarners Bild. Aber sie haben einen kleinen Fehler gemacht. Sie sind in Tarners Atelier gegangen und haben auf seinem Computer einen Drohbrief per E-Mail an Erner geschickt, bevor sie ihn töteten. Sie haben es geschickt angestellt. Sie haben den Computer nicht ausgeschaltet und den Laptop halb offen gelassen, damit wir die Droh-Mail finden. Da sie sich auf Tarners Computer befand, dachte ich zuerst sie stamme von Tarner und er wäre der Mörder. Doch bei näherem Hinsehen bemerkte ich, dass er sie nicht geschickt haben kann. Denn vor drei Tagen, also am 21. März fuhr er nach Nürnberg. Die E-Mail wurde jedoch am 22. März geschrieben, jemand anderes musste die E-Mail also geschrieben haben. Und nur einer hatte Zutritt zu Tarners Atelier – nämlich nur sie selbst, Frau Jansen!“, rief er. Sophie Jansen saß zusammengesunken auf ihrer Couch. „Aber was für ein Motiv sollte ich denn haben?“, fragte sie verzweifelt. „Diese Frage werde ich dir beantworten!“, sagte Tarner kühl. „Du hast Christoph geliebt, nicht wahr? Er war auch immer sehr charmant zu dir, aber er war nur charmant, um mehr Geld zu verdienen, denn du warst ja schließlich seine Galeristin. Er hat dich ausgenutzt. Vielleicht wusstest du das auch, aber du hast ihn dennoch geliebt. Aber was du nicht wusstest war, dass er mich liebte und ich ihn ebenfalls. Irgendwie bist du wohl dahinter gekommen und in deiner blinden Wut hast du ihn umgebracht und hast versucht den Verdacht auf mich zu lenken!“, schrie er mit Tränen in den Augen. „Nun, war es so oder etwa nicht?“, fragte Schlendrian ruhig. Sophie begann zu schluchzen und schließlich brach sie in bitteres Weinen aus. „Ich denke dieser Fall ist aufgeklärt“, meinte Schlendrian und zog sein Mobiltelefon um die Polizei zu benachrichtigen.

Autor:
David Stach, 12 Jahre
Klasse 6a, Kurt-Huber-Gymnasium Gräfelfing

Kinder-Krimifest München und Krimischreibwettbewerb
In Zusammenarbeit mit der Münchner Stadtbibliothek und vielen anderen Partnern und Unterstützern organisiert der Verein Kultur & Spielraum e.V. jedes Jahr im März das Kinder-Krimifest. Einen ganzen Monat lang werden an verschiedenen "Tatorten" bekannte und weniger bekannte Krimis und Krimiautoren, auch im Rahmen von Schullesungen, präsentiert. Höhepunkt des Programms ist die jährliche Kinder-Kriminacht in der geheimnisumwitterten Seidlvilla in Schwabing.
Bereits ab November vor dem Krimifest sind Kinder von 9 bis 14 Jahren zum Krimischreibwettbewerb eingeladen. Die Städtischen Bibliotheken, die beiden Kinder- und Jugendkulturwerkstätten und viele Schulen veranstalten dazu Schreibwerkstätten für Kinder. Das Herzstück des Kinderpogramms ist die große Preisverleihung des Kinder-Krimipreises im Literaturhaus.

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de