Bericht

Deutschland liest vor

14.11.2006

Beim dritten bundesweiten Vorlesetag lesen Große für Kleine




Bundespräsident Horst Köhler ist Schirmherr der Stiftung Lesen
Bundespräsident Horst Köhler ist Schirmherr der Stiftung Lesen
www.wirlesenvor.de

Lässt die moderne Informationsgesellschaft keine Zeit mehr für die klassische Gute-Nacht-Geschichte? Hat das Vorlesen, Elke Heidenreich spricht von den „glücklichen Momenten, die das ganze Leben prägen“, ausgedient? Lediglich in jeder dritten Familie greifen die Eltern noch zum Buch und lesen ihren Kindern daraus vor. Dabei ist der (Vor)Leseort Familie entscheidend für die Entwicklung von Fantasie und Sprachgefühl der Kinder und stellt oftmals den ersten Kontakt mit der Literatur her.

Prominente Vorlesepaten für die gute Sache
Mit gutem Beispiel gehen die Vorlesepaten des dritten deutsche Vorlesetages der Stiftung Lesen und der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ voran. Unter dem Motto „Wir lesen vor – überall & jederzeit“ lesen am 17. November die Großen für die Kleinen - in Grundschulen, Bibliotheken oder Buchhandlungen. Schauspielerinnen, Moderatoren, Sportler, Politikerinnen, Autoren und Lesefreunde aller Art versammeln Kinder um sich und schenken ihnen eine Vorlesestunde. Partner im Dienste des Vorlesens sind unter anderem der Borromäusverein, die Buchhandlung Hugendubel, der Deutsche Bibliotheksverband, der Kinderkanal KiKa und die Deutsche Bahn. „Nichts weckt so sehr Leselust und Lesekompetenz wie Vorlesen und Erzählen“, unterstreicht Rolf Pitsch, der Vortandsvorsitzende des Borromäusvereins.

Im vergangenen Jahr schlugen insgesamt 2.500 ehrenamtliche Vorleser in ganz Deutschland die Bücher auf, unter ihnen auch Oliver Bierhoff, der Team-Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Ministerin Doris Ahnen vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend, TV-Moderatorin Sandra Maischberger sowie Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich, Synchronsprecher bei den Hörspielen zur beliebten Jugendbuchserie „Die drei Fragezeichen“.

In diesem Jahr engagieren sich unter anderem Comedian Dirk Bach, der in der GGS Poller Hauptstraße in Köln-Poll aus den „Mumins“ von Tove Jansson liest, Dr. Michel Friedmann, der im jüdischen Kindergarten in Frankfurt aus der „Sage von Noggin dem Nog“ von Oliver Postgate und Peter Firmin liest, und TV-Moderatorin Maybrit Illner, die in der Berliner Bezirkszentralbibliothek Philipp aus Edith Nesbits „Drachen, Katzen, Königskinder“ vorliest. Auch Moderator Christoph Biemann, bekannt von der „Sendung mit der Maus“, ist Vorlesepate, ebenso wie der Kindermusiker Rolf Zuckowski. Professionelle Vorleserinnen wie die Nachrichtensprecherinnen Marietta Slomka und Anne Will beteiligen sich ebenfalls am Vorlesetag.

Literaturtipps für Vorleser und Zuhörer
Neben den prominenten Vorlesepaten sind auch in diesem Jahr wieder zahlreiche freiwillige Vorleser mit von der Partie, die sich in speziellen Seminaren auf ihren Auftritt vorbereiten konnten. Die Experten der Stiftung Lesen haben ihnen Tipps und Tricks verraten, mit denen sie Kinder für das Vorlesen begeistern. Damit das Vorlesen zum Vergnügen für die jungen Zuhörer wird, sollte der Leseort möglichst ruhig sein und über bequeme Sitzmöglichkeiten verfügen. Auch der Zeitpunkt will richtig gewählt werden, vorzugsweise in einer Ruhephase. Wichtig ist neben dem Vorleseort und einer lesefreundliche Atmosphäre vor allem die Auswahl der Geschichte. Das Buch sollte nach dem Alter der Kinder und deren Wünschen ausgewählt werden – auch wenn das bedeutet, dass eine beliebte Geschichte immer wieder vorgetragen wird.

Die Organisatoren des Vorlesetages geben auf ihrer Internet-Seite Tipps für die passende Literatur zum Vorlesetag, die für drei Altersgruppen zwischen drei und zwölf Jahren unterschieden wird. Die empfohlene Palette reicht von Doris Dörries „Mimi entdeckt die Welt“ für Kinder zwischen drei und sechs Jahren über Martin Widmarks „Monsterakademie“ für Zuhörerinnen und Zuhörer zwischen acht und zehn Jahren, bei der Protagonistin Nelly Rapp im alten Schloß von Onkel Hannibal zur Monsteragentin ausgebildet werden soll, bis zu René Goscinnys „Der kleine Nick und die Schule“ für Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren. Die Vorlesepaten greifen auch auf die Geschichten aus der im Frühjahr erschienenen „ZEIT Kinder-Edition“ zurück, mit deren Erlös Vorleseprojekte der Stiftung Lesen gefördert werden. Die fünfzehn Bände mit teilweise lange vergriffenen Erzählungen bieten auch dann noch genügen Vorlesestoff für zu hause, wenn die letzte Geschichte des Vorlesetages längst zu Ende erzählt wurde.

Autor: Matthias Denke
Redaktionskontakt: denke@digitale-zeiten.de