Bericht

Auf den Spuren Janoschs

02.03.2006

Am 11. März wird Janosch 75 Jahre alt


Janosch am Meer, Foto: Merlin Verlag
Janosch am Meer, Foto: Merlin Verlag
Günter Kastenfrosch lehrt uns den wahren Sinn des Lebens, Tiger und Tigerente zeigen uns, was echte Liebe bedeutet. Tiger und Bär sind erst durch ihre Freundschaft so stark wie ein Tiger und Bär zusammen nun einmal sind … Ach Janosch, wenn du und mit dir all deine bezaubernden und zugleich so schön schrulligen Kreaturen nicht geboren wären, was wäre dann? Wir hätten euch dann sehr vermisst.
 
Janosch – der Name, der zum Markenzeichen wurde
Janosch heißt eigentlich gar nicht Janosch. Eigentlich heißt Janosch Horst Eckert. Erst im Zuge seiner künstlerischen Laufbahn änderte er seinen Namen. Doch nicht nur diese gestaltete sich erst einmal schwierig. Janosch wurde am 11. März 1931 in der oberschlesischen Bergarbeitersiedlung Hindenburg, die heute zu Polen gehört und Zaborze heißt, geboren. Die Erziehung seiner Eltern war mitunter lieblos und machte auch vor Schlägen als Erziehungsmittel nicht halt. Im Alter von 13 Jahren begann er eine Schmiede- und Schlosserlehre. Zum Ende des Krieges ging die Familie Eckert in den Westen. Janosch arbeitete in Oldenburg in einer Textilfabrik und besuchte kurze Zeit später eine Textilschule in Krefeld. Schließlich ging er 1953 nach München, um an der freien Akademie der Künste einige Probesemester zu absolvieren. Ab diesem Zeitpunkt bezeichnete er sich als „freien Künstler“.

Bald schon, 1960, sollte im Verlag von Georg Lentz, mit dem Janosch befreundet war, sein erstes Buch erscheinen. Im folgenden Jahrzehnt erschienen viele Kinderbücher bei verschiedenen Verlagen. Er erhielt 1975 den Literaturpreis der Stadt München und 1979 den Deutschen Jugendliteratur-Preis. Als einer der bekanntesten deutschen Künstler und Kinderbuchautoren verließ er 1980 Deutschland und lebt seither auf einer Insel - auf Teneriffa im Atlantik. Auch dort kann Janosch sich kaum retten vor Leuten, die ihn verehren und lieben oder aber etwas von ihm wollen.

Zu dieser Zeit waren bereits an die hundert Bücher von ihm auf dem Markt, viele von ihnen wurden in 20 bis 30 Sprachen übersetzt. Heute schätzt man die Gesamtauflage seiner Bücher auf 5 Millionen. Janosch erhielt zahlreiche weitere Preise: den Deutschen Jugendliteraturpreis, die „Plakette der Biennale der Illustratoren“ in Bratislava, den „Prix Jeunesse“ in Frankreich, den Preis „Silberner Griffel“ in den Niederlanden, „ Special Jury Award TV Festival“ in Atlanta, die „BIP Plakette“ in Bratislava und den „Kulturpreis Schlesien“. Zudem bekam er den panamaischen Orden „Manuel Amador Guerrero“ für das Buch „Oh, wie schön ist Panama“, sozusagen als Dank dafür, dass er den Namen Panamas in die Seiten der deutschen und der Weltliteratur eingeschrieben hat.

Sanfter Rebell: „Die Benachteiligten sind die Starken“
Janoschs Geschichten haben viel mit ihm selbst zu tun. Mit seinen Büchern wollte Janosch gegen Kinderängste ankämpfen. Er selbst hatte unter seiner eigenen Kindheit sehr gelitten und weiß daher, wie Kinder auf Furchteinflößendes und auf Drohungen reagieren. Nicht allein die Erfahrungen mit seinem Elternhaus machten dem kleinen Janosch zu schaffen: „Er selbst wurde ab dem 7. Lebensjahr von einem Jesuitenpater erzogen, der ihn lehrte, dass die Strafe der Kirche unbarmherzig und das Fegefeuer der Hölle vernichtend ist.“ Und auch diese Erziehung erlebte er als Hölle. Seine eigene Kindheit sei sein größtes Unglück gewesen, sagt Janosch heute und er habe ganze 35 Jahre gebraucht, um sie zu vergessen.

Oft kehrt er die Verhältnisse in seinen Geschichten um. In Grimms Märchen, die er nacherzählte, frisst der Wolf die Mutter, die nun nie mehr behaupten soll, dass ihre sieben Geißlein dumm seien. Der Froschkönig verliert seine Goldkugel und ein blondes Mädchen bringt sie ihm wieder und will ihn heiraten, aber der starke Frosch will nicht … In den Büchern spiegelt sich seine Seele. Die Außenseiter und Schwachen sind anrührend und zugleich mächtig. Seine Figuren lieben die Einfachheit. So lässt Janosch seinen Hasen Baldrian sagen: „Ich brauche nichts. Ich habe alles, was ich brauche. Nämlich nichts.“

Leon Zauberfloh & Co im Landesmuseum Oldenburg
Janosch hat viele Gesichter, so hat er viele Romane für Erwach

Liebespaar, Bild: Galerie Rose
Liebespaar, Bild: Galerie Rose

http://www.galerierose.com/

sene geschrieben und viele Radierungen voller Phantasie ebenfalls für Erwachsene geschaffen. Francis Bondy nannte ihn Mitte der 70er Jahre „den vielleicht am meisten unterschätzten deutschen Autor.“

Keine Frage, Janoschs innerer Reichtum bescherte und beschert uns viele Werke, von denen wir sicherlich nur einen kleinen Ausschnitt kennen. Ein Tipp für alle, die mehr von dem Multitalent sehen möchten: Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg begibt sich vom 5. Februar bis zum 2. April 2006 auf die Spuren Janoschs und bietet jeweils halbstündige Führungen an. Die Führungen sollen Kinder dazu inspirieren, später ihre Lieblingsfigur zu kreieren: in einer Papiertasche, als Hampelmann und Hampelfrau, als Maske oder Gemälde. Klingt vielversprechend. Ob die Eltern wohl auch malen dürfen?

Adresse:
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Schloss, Augusteum und Prinzenpalais
Damm 1
26135 Oldenburg

Die Kosten für die Aktion inklusive museumspädagogischer Betreuung betragen 30 Euro. Anmeldungen sind telefonisch unter der Nummer 04 41-220 730 0 möglich.

Tigerente und Bärenzirkus – Ausstellung in Troisdorf
Auch das Troisdorfer Museum Burg Wissem widmet Janosch anlässlich seines Geburtstages vom 12. März bis zum 23. April 2006 eine Ausstellung: „Tigerente und Bärenzirkus“. Der Besucher kann hier Arbeiten des Künstlers aus der Dauerleihgabe der Janosch-Film & Medien AG bestaunen. Dazu gehören frühe Studien aus seiner Akademiezeit, eine Reihe von Illustrationen für die ganz kleinen Bilderbuchbetrachter, Märchen in verwunderlicher Neubearbeitung und kleine Helden wie Kasper, Mütze, Schnuddel, die Fidelgrille oder Herr Wuzzel. Umweltsticker, Postkartenentwürfe sowie Entwürfe zu Kalenderblättern runden die Ausstellung ab.

Adresse:
Burg Wissem
Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf
53840 Troisdorf
Tel: 02241/88 41-11 /17

Tipp: Samstags haben Kinder in Begleitung von Erwachsenen freien Eintritt. Auf Wunsch kann man an einer Führung teilnehmen, die für Kinder 2,- Euro und für Begleitpersonen 2,50 Euro kostet.

Autorin: Katja Haug


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