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Landesporträt

Brandenburg: Schlüsselkompetenz Lesen

Projekte und Initiativen zur Förderung der Lesekultur




In der Kinder- und Jugendbibliothek Potsdam
In der Kinder- und Jugendbibliothek Potsdam
Foto: Ronald Gohr
Im Land Brandenburg wird viel unternommen, um bei Kindern und Jugendlichen die Lust am Lesen zu wecken. Zur Förderung des Lesens hat das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg im Jahr 2002 als erstes Ministerium eines Bundeslandes eine Vereinbarung mit dem Deutschen Bibliotheksverband e.V., Landesverband Brandenburg, abgeschlossen, in der sich beide Partner zur Zusammenarbeit verpflichten. Und auch im Rahmenlehrplan ist die Leseförderung seitdem als Schwerpunktaufgabe fest verankert.

Transfer von Sprachbildung, Lese- und Schreibförderung (BiSS-Transfer)
BiSS-Transfer ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Kultusministerkonferenz (KMK) zum Transfer von Sprachbildung, Lese- und Schreibförderung in Schulen und Kitas. Sie knüpft an die Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) aus den Jahren 2013-2019 an.
Brandenburg beteiligt sich mit drei Verbünden am Transfer-Projekt und richtet sich an Schulen der Primarstufe, der Sekundarstufe I sowie Schulen der beruflichen Bildung, die die Sprach-, Lese- und Schreibkompetenzen der Schüler*innen in allen Fächern systematisch und bildungsetappenübergreifend weiterentwickeln möchten. Alle teilnehmenden Grund- und weiterführenden Schulen arbeiten in regionalen Verbünden zusammen, die beruflichen Schulen in einem überregionalen Verbund. Diese Verbünde werden durch Verbundkoordinator*innen begleitet und fortgebildet und so wird der Austausch zwischen den Schulen angeregt.
Alle teilnehmenden Brandenburger Schulen wählen zwei thematische Schwerpunkte aus den BiSS-Bereichen "Systematische Leseförderung: Leseflüssigkeit und Lesestrategien entwickeln", "Systematische Schreibförderung: Schreibflüssigkeit und Schreibstrategien entwickeln" und "Unterrichtsentwicklung: Sprachsensibler Fachunterricht" aus, an denen sie im Programmzeitraum 2021-2025 arbeiten wollen.

Die BiSS-Transfer-Schulen arbeiten mit erprobten Sprachfördertools, überprüfen die Wirksamkeit ihrer Arbeit und können an Online- und Präsenzfortbildungen teilnehmen. Themenspezifische jährliche Fachtage des LISUM sowie Fortbildungsangebote im Rahmen der Kooperation mit der Universität Potsdam runden das Unterstützungsangebot ab.

Bibliotheken als Kooperationspartner für Kindertagesstätten und Schulen
Die Kooperationspartner Bildungsministerium und Öffentliche Bibliotheken verbindet das gleiche Anliegen: Sie wollen die Lesekultur in ihrem Land fördern und pflegen. Ziel ist es, Schüler*innen frühzeitig und nachhaltig für das Lesen zu gewinnen. Schon Vorschulkinder sollen für das Lesen begeistert werden. Zu diesem Zweck arbeiten Öffentliche Bibliotheken, Schulen und Kitas eng zusammen. Das Ministerium verpflichtet alle Allgemeinbildenden Schulen im Rahmen des Unterrichts zu einem Besuch einer Öffentlichen Bibliothek. Die Bibliotheken bieten Klassen- und Gruppenführungen, Unterricht in der Bibliothek, Autorenlesungen, Leseaktionen, Elternberatungen, Einführungen in den Umgang mit Neuen Medien und Lehrerfortbildungen. Mobile Bibliotheksbusse unterstützen die außerunterrichtliche Kooperation zwischen Schule und Bibliothek in ländlichen Regionen. Darüber hinaus wird im Rahmen des Ausbaus von Ganztagsschulangeboten der Aufbau von Schulbibliotheken gefördert, die mit Öffentlichen Bibliotheken zusammenarbeiten.

Vorlesen ist in
Ehrenamtliche Initiativen wie der Friedrich-Bödecker-Kreis im Land Brandenburg e.V. und das Brandenburgische Literaturbüro kooperieren intensiv mit den Öffentlichen Bibliotheken. So organisiert der Friedrich-Bödecker-Kreis Autoren- und Illustratorenbegegnungen an Schulen und Kitas und vermittelt Autorenpatenschaften im Projekt Wörterwelten. Die Vorleseinitiative „Lesezauber“ der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark begeistert Kinder in den ortsansässigen Bibliotheken für das Lesen und ermuntert Erwachsene, sich als ehrenamtliche Vorleser*innen zu engagieren. Die Mitarbeiter*innen des Brandenburgischen Literaturbüros planen über 50 Lesungen jährlich in Zusammenarbeit mit Bibliotheken, Theatern, Verlagen, Buchhandlungen, Galerien und Museen.

Sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kindertagesbetreuung
Sprachlicher Bildung und Sprachförderung in der Kindertagesbetreuung wird in Brandenburg hohe Bedeutung zugemessen. Seit 2006 werden Kinder mit Sprachauffälligkeiten im Rahmen des „Landesprogramms kompensatorische Sprachförderung vor der Einschulung“ gezielt unterstützt. Mit dem „Landesprogramm Sprachberatung“ fördert das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) seit 2012 die direkte Unterstützung und Beratung der Fachkräfte in ihren Einrichtungen. Fachmaterialien zur sprachlichen Anregung und zum Sprachvorbild werden allen Kindertageseinrichtungen zur Verfügung gestellt.

Systematische und anschlussfähige Förderung der Lesekompetenz in allen Schulstufen
Die Ausbildung von Lesekompetenz ist eine Aufgabe von Lehrkräften aller Fächer und Schulstufen. Der Rahmenlehrplan für die Jahrgangsstufen 1 bis 10 für Berlin und Brandenburg trägt diesem Ziel Rechnung. Im Basiscurriculum Sprachbildung werden als Grundlage für die Arbeit in allen Fächern Standards im Kompetenzbereich Rezeption/Lesen am Ende der Primarstufe sowie am Ende der Sekundarstufe I beschrieben. Im Fachteil Deutsch des Rahmenlehrplans 1 bis 10 verdeutlichen Standards auf acht Niveaustufen, wie sich Lesefertigkeiten und Lesestrategien sowie der Umgang mit literarischen Texten, Sachtexten und Texten in anderer medialer Form von der Schulanfangsphase bis zum Ende der Sekundarstufe I entwickeln sollen. Dem liegt die Orientierung an einem fachdidaktischen Konzept zugrunde, welches das Zusammenspiel eines systematischen Aufbaus basaler und hierarchiehöherer Lesefähigkeiten mit der systematischen Entwicklung eines positiven lesebezogenen Selbstkonzeptes verbindet. So wird eine langfristige und anschlussfähige Lesekompetenzentwicklung sowie eine kontinuierliche und systematische Lernbegleitung der Schüler*innen ermöglicht.

Im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) wurde ein Lesecurriculum erarbeitet, das unter dem Leitmotiv „Lesen ist der Schlüssel“ Angebote für ein Konzept der systematischen Entwicklung der Lesekompetenz bereitstellt. Dabei sind drei Bereiche berücksichtigt: Lesen im Unterricht, Lesen in der Schule und Kooperationen mit (über-)regionalen Partnern der Leseförderung. Für diese Bereiche finden interessierte Pädagog*innen, Fachkonferenzen und Kollegien Informationen, Materialien und Handreichungen, die zur Entwicklung eines gesamtschulischen Lesekonzepts für alle Schulstufen genutzt werden können.
Im Rahmen von vier regionalen Fachtagen wurden durch das LISUM Lehrkräfte und Schulleitungen aller Grundschulen im Rahmen des Fünf-Punkte-Programms des MBJS zur Stärkung basaler Lesefähigkeiten zum Thema Leseflüssigkeitstraining fortgebildet. Unterrichtspraktische Materialien zum Training der Leseflüssigkeit auf den Niveaustufen A bis D wurden durch das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) entwickelt. Diese Materialien sind frei zugänglich auf den Seiten des Bildungsservers Berlin Brandenburg hinterlegt.
Den Rahmen für das Konzept des Lesetrainings zur Förderung der Leseflüssigkeit bildet der Rahmenlehrplan 1 bis 10, Fachteil C Deutsch. Die ausgewiesenen Niveaustufen zur Kompetenz „Flüssig lesen“ illustrieren die jeweiligen Standardanforderungen und bilden gleichfalls Lernziele zur Kompetenzentwicklung. Die Materialpakete sind damit insbesondere darauf ausgerichtet, dass die Schüler*innen flüssiger lesen lernen, indem sie üben können, Wörter auf einen Blick zu erfassen und zeilen übergreifend zu lesen.
Anschließend an die Förderung der basalen Lesefähigkeiten steht die Förderung hierarchiehöherer Lesefertigkeiten, insbesondere die Nutzung von Lesestrategien, im Zentrum. Der am LISUM entwickelte Lesepilot unterstützt Schülerinnen und Schüler mit basalen Lesefähigkeiten der Jahrgangsstufen 2 bis 4 beim Erwerb von Lesestrategien. Der ebenfalls am LISUM entwickelte Leselotse erweitert die Schrittfolge des Lesepiloten. Er richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 3 bis 9 und hilft bei der Erschließung schwierigerer Texte. Der LeseNavigator wurde vom LISUM in Kooperation mit der Universität Potsdam und dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) entwickelt. Die Varianten Starter-Set und Profi-Set ermöglichen eine Differenzierung in den Jahrgangsstufen 6 bis 10.

Für die Brandenburger Grundschulen stehen im Bereich Lesen als landesspezifische Instrumente zur Erfassung der Lesegeschwindigkeit, Lesegenauigkeit und des Leseverständnisses die Papierfassung ILeA (2005) oder die digital zu bearbeitende Fassung ILeA plus (2019) zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung. Neben der individuellen und klassenbezogenen Ergebnisrückmeldung werden bei ILeA plus passgenaue Förderempfehlungen übermittelt. Einer der Förderbausteine verweist auf das Lautlestraining bzw. Partnerlesen und ist mit der entsprechenden Seite des Bildungsservers Berlin-Brandenburg  verlinkt.
Darüber hinaus wurden durch  das LISUM für das Fach Deutsch diagnostische Aufgaben zum Rahmenlehrplan 1–10 zu allen Kompetenzbereichen auf den Niveaustufen A–D entwickelt. Diagnostische Aufgaben können auf den Seiten des Bildungsservers Berlin-Brandenburg heruntergeladen werden.

Schreibprojekte und Wettbewerbe fördern den Spaß am Lesen
Wer den letzten Schliff für seine ersten professionellen Schreibversuche sucht, findet in vielen Projekten und Wettbewerben in Brandenburg kompetente Beratung und eine angemessene Herausforderung. Der Jugendpresseverband des Landes Brandenburg e.V. bringt medieninteressierten Schüler*innen in ihrer Freizeit mittels Seminaren, Bildungsfahrten und Begegnungen die verschiedenen journalistischen Grundformen näher und leistet Hilfestellung bei der eigenen journalistischen Tätigkeit. Das Nachwuchs-Literatur-Zentrum „Ich schreibe!“, eine Initiative der Autorengruppe Wolfgang Wache und Jana Arlt, unterstützt mit vielfältigen Aktionen die Entwicklung der Schreib- und Lesekompetenzen von Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören der bundesweite Literaturwettbewerb „Ich schreibe!“, die Sommer-Schreibcamps und Schreibwerkstätten für Grundschüler.
Die Schreibwerkstatt für junge Potsdamer*innen wurde von der Kinder- und Jugendbibliothek der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam als wöchentliches Format für Schüler*innen ab 14 Jahren entwickelt. Von 2003 bis 2018 rief die Redaktion OHRENBÄR von radioBERLIN 88,8 alle zwei Jahre den großen OHRENBÄR-Schreibwettbewerb aus. Immer im Herbst waren alle 3. Klassen in Berlin und Brandenburg dazu eingeladen, Geschichten für die Sendung OHRENBÄR zu schreiben. Die Radiosendung gibt jeden Abend auf NDR info spezial von 18 Uhr 50 bis 19 Uhr und von 19 Uhr 50 bis 20 Uhr sowie Sonntags von 7 bis 8 Uhr auf rbbKultur phantastische, lustige und skurrile oder ganz alltägliche Geschichten für Kinder von vier bis acht Jahren zum Besten.

Höhepunkte des literarischen Lebens
Aufregende Höhepunkte des literarischen Lebens in Brandenburg sind das jährlich im September stattfindende „internationale literaturfestival berlin“ sowie die „Berlin- Brandenburgischen Märchentage“ im November. Eine Reise wert sind auch der Hörspielbahnhof im ehemaligen „Kaiserbahnhof“ Joachimsthal und die Bücherstadt Wünsdorf. Am 4. August 2006 wurde die denkmalgerecht sanierte Bahnstation als Hörspielbahnhof Joachimsthal eröffnet. In den Sommermonaten werden dort Kinderhörspiele für jung und alt angeboten und es finden Lesungen mit namenhaften Autor*innen statt. Zudem gibt es in Wünsdorf riesige Antiquariate, die in vier großen Häusern rund 300 000 antiquarische Bücher anbieten. Historische Karten und Dokumente, Schallplatten und andere Tonträger, Lesungen und Buchdiskussionen, Musiksommerkonzerte und Volksfeste rund ums Buch locken viele Besucher*innen an. Der Landkreis Barnim vergibt im Rahmen des Tages der Kinder- und Jugendliteratur im jährlichen Wechsel den Manuskriptpreis „Eberhard“ und den Nachwuchsautorenpreis „Bernadette“. „Eberhard“ wird seit 1992 zur Förderung der Lesefreude von Kindern und Jugendlichen verliehen, am Literaturwettbewerb um „Bernadette“ können sich Schüler*innen des Landkreises Barnim beteiligen.

Wer sich gemütlich von zu Hause über das literarische Leben in Brandenburg informieren möchte, kann dies mit dem Literaturportal von Berlin-Brandenburg tun. Das Literaturportal wird gemeinsam vom Literarischen Colloquium Berlin (LCB) und vom Brandenburgischen Literaturbüro betrieben. Es bietet eine virtuelle Plattform für deutsche Literatur, insbesondere über die Region Berlin-Brandenburg. Ein auf Orte bezogenes Autorenlexikon sowie Textauszüge aus literarischen Werken gehören ebenso zum Angebot wie aktuelle Informationen zu Veranstaltungen, Wegweiser zu literarischen Gedenkstätten und eine Übersicht zu Literaturpreisen und Stipendien für Autor*innen.

Autorin: Petra Schraml

Das Landesporträt wurde im August 2007 in enger Zusammenarbeit mit Leseförderern aus Brandenburg erstellt und im März 2022 zuletzt aktualisiert. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte im Text bzw. die Verweise im Text und in der rechten Spalte ergänzt und aktualisiert.

Redaktionskontakt: anda@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 23.08.2007

Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2022