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Meldung

Anteil lesender Jungen gestiegen

15.12.2022

JIM-Studie 2022 beschreibt das Medienverhalten Jugendlicher




Cover der JIM-Studie 2022
Cover der JIM-Studie 2022
© mpfsw
Der Alltag von Jugendlichen ist in den letzten Jahren durch Krisenerfahrungen stark beeinflusst. Seit 2020 hat die Corona-Pandemie Freizeit- und Medienaktivitäten verändert. Erst in diesem Jahr nähern sich die Umstände wieder denen vor Pandemiebeginn an. Dies spiegelt sich etwa in der Freizeitgestaltung Zwölf- bis 19-Jähriger wider. So treffen sich Jugendliche wieder mehr mit Freunden und besuchen Sportveranstaltungen. Die tägliche Internetnutzung in der Freizeit liegt 2022 mit durchschnittlich 204 Minuten wieder auf dem Niveau vor Pandemiebeginn (2021: 241 Min., 2020: 258 Min., 2019: 205 Min.). Dies sind Ergebnisse der JIM-Studie 2022 (Jugend, Information, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, die am 27.11.2022 veröffentlicht wurde. Für die repräsentative Studie wurden vom 2. Juni und 16. Juli 2022 1.200 Jugendliche zwischen 12 bis 19 Jahren in Deutschland telefonisch oder online befragt.

Fake News Teil des digitalen Alltags vieler Jugendlicher
Die Studie, die gemeinsam von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR) durchgeführt wurde, zeigt zudem, dass Desinformation und Beleidigungen im Netz für viele Jugendliche zum digitalen Alltag gehören. Demnach geben 56 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen an, im letzten Monat im Netz Fake News begegnet zu sein. Extreme politische Ansichten und Verschwörungstheorien liegen bei jeweils 43 Prozent, gut ein Drittel der Befragten wurde mit Hassbotschaften konfrontiert und 16 Prozent waren persönlichen Beleidigungen ausgesetzt.

Leseverhalten
Das Leseverhalten von Jugendlichen ist seit Beginn der JIM-Studie fester Bestandteil der Befragung. Der Anteil an Zwölf- bis 19-Jährigen, die regelmäßig in ihrer Freizeit Bücher lesen, ist in der langfristigen Betrachtung zwar von etwa zwei Fünftel auf ein Drittel gesunken, dieser Wert ist in den letzten Jahren jedoch recht konstant geblieben. Die durchschnittliche tägliche Lesedauer, die zu Beginn der Pandemie deutlich angestiegen war, ist mit 53 Minuten nun wieder bei dem Stand von 2019 angelangt (2021: 59 Minuten, 2020: 74 Minuten, 2019: 53 Minuten). Weibliche Leserinnen lesen im Schnitt länger als männliche Leser (Mädchen: 73 Minuten, Jungen: 50 Minuten). Im Altersverlauf nimmt die durchschnittliche tägliche Lesedauer ab (12-15 Jahre: 59 Minuten, 16-19 Jahre: 48 Minuten). Schüler*innen mit formal höherer Bildung lesen im Schnitt täglich länger (57 Minuten), als Schüler*innen mit formal niedrigerer Bildung (48 Minuten).
Insgesamt haben Bücher weiterhin einen festen Platz im Medienalltag von Jugendlichen. Neben den 32 Prozent regelmäßiger Leser*innen, lesen 21 Prozent innerhalb von 14 Tagen und 32 Prozent innerhalb eines Monates ein Buch. Der Anteil an Zwölf- bis 19-Jährigen, die nie lesen, ist etwas rückläufig und liegt bei 15 Prozent (2021: 18 %). Wie im Vorjahr gaben 45 Prozent der Jugendlichen an, zum Zeitpunkt der Befragung mit der Lektüre eines Buches beschäftigt zu sein. Obwohl vor allem Mädchen und junge Frauen lesen, ist der Anteil an Jungen, die einmal im Monat lesen, angestiegen (+14 PP). Und auch der Anteil der Nichtleser ist bei Jungen etwas zurückgegangen (-5 PP). Im Altersverlauf nimmt die regelmäßige Nutzung von Büchern in der Freizeit ab. Eine weitere zentrale Einflussgröße ist die formale Bildung der Befragten: Während sich an Haupt- und Realschulen rund ein Viertel regelmäßig in ihrer Freizeit der Lektüre eines Buches widmen, ist diese Gruppe an Gymnasien mit 37 Prozent deutlich stärker vertreten. Die Gruppe der Nichtleser*innen ist umgekehrt bei Schüler*innen mit formal niedrigerer Bildung stärker ausgeprägt (Haupt-/Realschule: 19 %, Gymnasium: 13 %). Mit Blick auf die Nutzung von E-Books zeigen sich kaum Veränderungen zum Vorjahr. Elf Prozent der Jugendlichen lesen regelmäßig digitale Bücher. Weitere zehn Prozent einmal in 14 Tagen und 19 Prozent einmal im Monat. Der Anteil an Zwölf- bis 19-Jährigen, die keine E-Books lesen, ist mit 61 Prozent etwas zurückgegangen (2021: 65 %).

Erhöhte Mediennutzung
In manchen Bereichen ist indes eine Verstetigung der erhöhten Mediennutzung zu sehen. So liegt die durchschnittliche Zeit, die Jugendliche täglich digital spielen, mit 109 Minuten weiterhin auf Vorjahresniveau (2021: 110 Minuten) und deutlich über dem Wert von 2019 (81 Minuten). Für die Online-Nutzung von Sendungen, Serien und Filmen sind weiterhin Netflix und YouTube am relevantesten. Jeder Zweite nutzt hierzu diese Plattformen regelmäßig. Wenn es um kürzere Videos und Clips geht, ist insbesondere YouTube als Plattform unter Jugendlichen sehr beliebt, wenngleich die regelmäßige Nutzung im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. Im Zusammenhang mit YouTuber*innen/ Influencer*innen wird oft das Thema Werbung diskutiert. 72 Prozent der Befragten finden es in Ordnung, wenn YouTuber*innen/Influencer*innen Geld mit ihren Beiträgen verdienen. 40 Prozent haben schon mal etwas gekauft, weil es in einem solchen Beitrag empfohlen wurde. Für knapp die Hälfte fühlt sich diese Art von Werbung ehrlicher an als Fernsehwerbung. Zwei Drittel der Jugendlichen gehen davon aus, dass Werbung bei Youtuber*innen/Influencer*innen immer als solche gekennzeichnet ist. Jede/-r Vierte kann sich vorstellen, selbst einmal YouTuber*in/Influencer*in zu werden.

Musikhören oder Streamen
Spotify ist weiterhin der wichtigste Weg zum Musikhören. Über die Hälfte nutzt die Plattform hierfür regelmäßig. Auf dem zweiten Platz folgen Radiosender, die von 45 Prozent zum Musikhören verwendet werden. Das Radiohören hat sich nach einem Rückgang der Nutzung zu Beginn der Corona-Pandemie seit letztem Jahr wieder stabilisiert und liegt auch 2022, mit einer regelmäßigen Nutzung von 57 Prozent, wieder fast auf dem Vorjahresniveau (2021: 58 %). Dabei geben 82 Prozent der Radiohörer*innen an, das Radio einzuschalten, um Musik zu hören, 61 Prozent, um neue Musik kennenzulernen. 59 Prozent hören Radio, um auf dem Laufenden zu bleiben, jeder Zweite nutzt Radio für regionale Informationen.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse der JIM-Studie 2022 in vielen Bereichen eine Rückkehr zur Lage vor Pandemiebeginn. In anderen Bereichen wie beispielsweise den digitalen Spielen ist allerdings eine Verstetigung der Entwicklung zu beobachten.

Über die Studie:
Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, einer Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR) durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Alle Ausgaben der JIM-Studie von 1998 bis 2022 sind als PDF auf www.mpfs.de abrufbar.

Kontakt:
Frau Hediye Kheredmand
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest
Landesanstalt für Kommunikation (LFK)
Reinsburgstraße 27
70178 Stuttgart
Telefon: 0711 / 66991-51
E-Mail: h.kheredmand@lfk.de

Redaktionskontakt: anda@dipf.de