Meldung

15 Jahre erfolgreiche Sprachbildung in Hamburg

09.03.2022

Roter Faden durch die Schullaufbahn




Titelseite der Publikation
Titelseite der Publikation
© Behörde für Schule u. Berufsbildung
Seit 15 Jahren werden in Hamburg Schülerinnen und Schüler, die noch nicht altersgemäß sprechen können, gezielt gefördert. Zum Schuljahr 2005/06 ging Hamburg als erstes Bundesland mit einem neuen Sprachförderkonzept an den Start, das erstmals alle Maßnahmen und Strukturen im Bereich der Sprachbildung und –förderung miteinander verzahnt und sich wie ein roter Faden durch die gesamte Schullaufbahn zieht. Derzeit setzt die Hamburger Schulbehörde 671 zusätzliche Lehrerstellen ein, um Schülerinnen und Schüler außerhalb des Regelunterrichts sprachlich zusätzlich gut zu fördern. Nach 15 Jahren zeigt sich, dass die Maßnahmen wirken und bei den richtigen Schülerinnen und Schülern ankommen. Eine gerade erschienene Publikation „15 Jahre Hamburger Sprachförderkonzept“ zieht Bilanz und wagt einen Ausblick.

Bildungssenator Ties Rabe: „Wer in der Schule gut lernen will, muss gut sprechen, verstehen, lesen und schreiben können. Die Grundlage bietet das seit 15 Jahren erfolgreiche Hamburger Sprachförderkonzept, das alle Aktivitäten zur Sprachförderung bündelt. Bereits mit viereinhalb Jahren werden alle Hamburger Kinder zu einem verpflichtenden Sprachtest in die Grundschule eingeladen. Wer noch nicht gut sprechen kann, muss bereits mit fünf Jahren die Vorschule besuchen und bekommt dort gezielt zusätzliche Sprachförderung. Viele Schulen ergänzen die Sprachförderung durch ein besonderes Lesetraining ab Klasse 1: Aktuell nehmen bereits 70 Schulen an einer systematischen Leseförderung in der Grundschule teil, mehr als 50 Schulen setzen die Sprachförderung erfolgreich im Fachunterricht um.“

Das Konzept werde ständig weiterentwickelt, so Rabe weiter. „Dazu gehören beispielsweise zahlreiche Förder- und Lernangebote, die wir im Rahmen des Bund-Länder-Vorhabens ‚Bildung durch Sprache und Schrift‘ BiSS (www.biss-sprachbildung.de) entwickelt haben. Diese Strategie führen wir in den nächsten Jahren fort. So arbeiten wir beispielsweise in diesem Schuljahr mit unseren universitären Partnern an der Konzeption eines Schreibtrainings. Ein weiteres aktuelles Vorhaben ist die Verankerung der Sprachbildung in den Bildungsplänen.“

Die Maßnahmen des Hamburger Sprachförderkonzepts im Einzelnen:

Auf den Anfang kommt es an: Vorschulische Sprachförderung

Im Rahmen eines verbindlichen Vorstellungsgesprächs wird die Sprachentwicklung aller viereinhalbjährigen Kinder in den Schulen genau überprüft. Kinder mit Sprachförderbedarf werden automatisch ab dem nächsten Jahr, also bereits im Alter von fünf Jahren, vorschulpflichtig und erhalten in der Vorschule eine zusätzliche Sprachförderung. Dank einer Initiative der Kinderbuchautorin Kirsten Boie erhalten seit dem Schuljahr 2020/21 alle Kinder im Rahmen des Vorstellungsverfahrens zusätzlich ein Buchgeschenk, das sie bis zum Beginn der ersten Klasse begleitet und zum Lesen animiert. Für die zusätzliche vorschulische Sprachförderung investiert die Schulbehörde aktuell 69 Lehrerstellen.

Klasse 1-10: Diagnosegestützte Sprachförderung in zusätzlicher Lernzeit
Wer Sprachförderbedarf hat, wird auch während des Schulbesuchs in den Klassen 1 bis 10 zusätzlich gefördert. Die Schulen erhalten dafür zusätzliche Lehrerstellen, deren Höhe sich nach dem Alter ihrer Schülerinnen und Schüler (je jünger, desto mehr) und nach dem sozialen Umfeld der Schule richtet (je benachteiligter, desto mehr). Damit stellen die Schulen Fördergruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten wie Leseförderung, Rechtschreibung oder Deutsch als Zweitsprache zusammen. Für die Sprachförderung in zusätzlicher Lernzeit investiert die Schulbehörde derzeit 309 Stellen.

In jedem Fach: Sprachliche Bildung als Querschnittsthema jeden Unterrichts
Sprachliche und fachliche Bildung hängen eng zusammen: Wer die Sprache nicht sicher beherrscht, kann keine Arbeitsaufträge verstehen, Sachverhalte analysieren oder sich am Unterricht beteiligen. Wer seine Sprachkompetenzen weiterentwickelt, wird daher auch bessere fachliche Leistungen erzielen – dies ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen. Sprachbildung in Hamburg ist deshalb Aufgabe jeden Faches.

Vorbereitungsklassen für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche
Zugewanderte Kinder und Jugendliche, die die deutsche Sprache beherrschen, werden in eigens eingerichteten Vorbereitungsklassen systematisch gefördert. Nach rund einem Jahr in der so genannten „Internationalen Vorbereitungsklasse“ (IVK) wechseln die Schülerinnen und Schüler in eine Regelklasse und erhalten dort für weitere zwölf Monate zusätzliche Förderung. Für die momentan rund 150 Vorbereitungsklassen für neu Zugewanderte inklusive Anschlussförderung stehen aktuell 232 Stellen zur Verfügung.

Herkunftssprachenunterricht
Mehr als 50 Prozent der Hamburger Grundschulkinder haben Migrationshintergrund und wachsen mit mindestens einer weiteren Sprache neben Deutsch auf. Da das Erlernen der Herkunftssprache und das Erlernen der deutschen Sprache eng miteinander verzahnt sind, werden die Schülerinnen und Schüler auch beim Erlernen der Herkunftssprache unterstützt. Aktuell gibt es insgesamt 393 herkunftssprachliche Förderkurse in zwölf Sprachen an insgesamt 80 Schulen. Im aktuellen Schuljahr besuchen insgesamt über 4.000 Schülerinnen und Schüler einen herkunftssprachlichen Unterricht. Dafür werden 61 Stellen zur Verfügung gestellt.

Wirksamkeit der Maßnahmen
Die Ergebnisse des Sprachfördermonitorings, die die Wirksamkeit der Maßnahmen untersuchen, machen deutlich, dass Schülerinnen und Schüler mit Sprachförderbedarf in ihrer Lernentwicklung gezielt unterstützt werden. Pro Schuljahr profitieren insgesamt rund 20.500 Schülerinnen und Schüler von den Maßnahmen. Die Daten belegen auch, dass die Zuweisung der Förderbedarfe diagnosebasiert erfolgt und bei den „richtigen“ Schülerinnen und Schülern ankommt.


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