Bericht

Hamburger Bücherkoffer bringt Geschichten in vielen Sprachen

05.03.2021

Mehrsprachiges Leseförderprogramm verbindet Kita, Schule und Elternhaus




© coach@school e.V.
© coach@school e.V.
Ein Koffer mit 12 mehrsprachigen Kinderbüchern rollt während eines Schuljahres von Familie zu Familie, ermuntert Kinder und Eltern zum gemeinsamen Lesen und Vorlesen in ihrer Herkunftssprache und/oder auf Deutsch, verbindet die Bildungsorte Schule und Elternhaus miteinander und vermittelt Wertschätzung für Diversität und Mehrsprachigkeit. Qualifizierungsangebote für Lehrkräfte und Vorleseworkshops für Eltern gehören zum Begleitprogramm. Initiator des Bücherkoffer-Programms ist der Hamburger Verein coach@school, der sich seit 2016 für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem einsetzt, insbesondere an Schulen mit niedrigem Sozialindex. Die Wirksamkeit des Leseförderprogramms wird kontinuierlich mit mehreren Monitoringinstrumenten gemessen. In Kooperation mit der Hamburger Schulbehörde bemüht sich coach@school um eine Verankerung der Themen Mehrsprachigkeit und Herkunftssprachen im Curriculum der Fortbildungen für Lehrkräfte. Eine bundesweite Skalierung des Programms mit regionalen, eigenständig agierenden Kooperationspartnern wird angestrebt.

Freude am (Vor-)Lesen wecken mit mehrsprachigen Büchern
Herzstück des Bücherkoffer-Programms von coach@school ist ein Koffer mit zwölf Kinderbüchern in den am Standort am häufigsten vertretenen Herkunftssprachen (unter anderem Türkisch, Arabisch, Farsi, Russisch, Spanisch, Bulgarisch, Rumänisch) sowie erzählerischen Bilderbüchern mit wenig Text, einem Lesetagebuch für die Kinder und mehrsprachigen Leseanleitungen für die Eltern. Die Auswahl der Bücher erfolgte auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse der Antidiskriminierungsforschung in enger Abstimmung mit der Schulbehörde. Die in den Büchern vorgestellten Protagonisten und Geschichten zeichnen sich durch eine große Vielfalt in Bezug auf Herkunft, Sprache, Familie, Aussehen, Gesundheit und andere Merkmale aus. Betont wird nicht das Besondere, sondern die Normalität des Andersseins. Die Kinder erfahren, dass ihre Sprache, ihre Kultur oder ihre individuelle Familienkonstellation normal ist. Für jede teilnehmende Grundschulklasse stehen zwei Koffer zur Verfügung, die nach und nach in alle Familien rollen und dort zum gemeinsamen Lesen und Vorlesen in der Herkunftssprache und/oder auf Deutsch anregen sollen. Einsprachig aufwachsende Kinder werden so auf die Sprachenvielfalt in ihrer Klasse aufmerksam und lernen neue Sprachen kennen.

Mehrsprachigkeit als Chance
Eltern wird empfohlen, besonders in den ersten Lebensjahren des Kindes die Sprache zu sprechen, in der sie sich am wohlsten fühlen. Mit den mehrsprachigen Büchern soll das Vorlesen in der Herkunftssprache in den Familien ermöglicht und gefördert werden, da dies die Entwicklung der Lesefähigkeit der Kinder und den Zugang zu Literalität unterstützt. Lesen und Vorlesen mehrsprachiger Bücher in der Bildungseinrichtung schafft zudem Respekt vor anderen Sprachen und Kulturen und stärkt somit die Identität und das Selbstbewusstsein der Kinder. Eltern und Kinder fühlen sich von der Bildungseinrichtung wertgeschätzt.
Weitere Informationen: www.coachatschool.org

Begleitprogramm für Lehrkräfte und Eltern
Als mobiles Leseangebot verbindet der Hamburger Bücherkoffer die Bildungseinrichtung mit dem Zuhause der Kinder. coach@school e.V. hat ein Begleitprogramm konzipiert, das den Bücherkoffer in den Ablauf eines Schuljahres einbettet und seine Nutzung mit dem regulären Unterricht wirkungsvoll verknüpft. Das Angebot zielt auf eine aktive Mitwirkung der Familien und richtet den Fokus zugleich auf die Schule. Für die Eltern wird ein Vorleseworkshop angeboten, in dem grundlegende Vorlese- und Fragetechniken vermittelt und Tipps zum anregenden Vorlesen gegeben werden. Die Qualifizierungsangebote für Lehrkräfte werben für einen kultursensiblen Umgang mit Mehrsprachigkeit und bieten die Möglichkeit, Techniken zum mehrsprachigen Vorlesen zu erlernen. coach@school e.V. kooperiert mit der Hamburger Schulbehörde, um eine langfristige Implementierung der Inhalte in das Curriculum der Fachkräfte-Fortbildung zu erreichen. Die Zusammenarbeit mit den Eltern erhält mit dem Bücherkoffer-Programm einen niedrigschwelligen Baustein, der das Vertrauen zwischen Eltern und Bildungseinrichtung festigt und die Bildungspartnerschaft erleichtert.
Weitere Informationen: www.coachatschool.org/begleitprogramm/

Regelmäßiges Monitoring
Um die Erfahrung der Beteiligten zu erfassen und die Wirkungen des Bücherkoffers zu dokumentieren, wird das Programm von einem Monitoring begleitet. Die Einschätzungen und Rückmeldungen der beteiligten Lehrkräfte geben Hinweise zur stetigen Verbesserung des Programms. Online abrufbar ist der Monitoring-Bericht der Pilotphase an zwei Hamburger Grundschulen im Schuljahr 2017/2018 und der Abschlussbericht der Evaluation im Schuljahr 2018/2019 von Frau Dr. Sabrina Bonanati von der Universität Paderborn.
Weitere Informationen: www.coachatschool.org/monitoring-evaluation/

Überregionale Skalierung
Nach erfolgreicher Umsetzung in Hamburg soll das Bücherkoffer Programm nun in weiteren Regionen Deutschlands ins Rollen gebracht werden. Das standardisierte Programm kann über ein Social Franchise System von lokalen Partnern (meist Vereinen) oder Behörden durchgeführt werden. In Frankfurt am Main hat der Verein chancenreich e.V. das Programm bereits übernommen und in 2020 an 11 Grundschulen mit 10 Schulbibliotheken und 8 Stadtteilbibliotheken umgesetzt. Finanziert wird das Programm hier von der Stadt Frankfurt sowie privaten Spendern und Stiftungen. Für den Transfer in weitere Regionen sucht coach@school e.V. Partner.
Weitere Informationen: www.coachatschool.org/franchisenehmer-werden/

Informationen zum Verein coach@school e.V.
Das Bücherkoffer-Programm wurde 2016 vom Hamburger Verein coach@school ins Leben gerufen. Das ehrenamtliche Gründungsteam des Vereins setzt sich seit 2016 für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem ein. Nach erfolgreichen Piloten in Hamburg und ersten Skalierungserfolgen in Frankfurt, mehreren Auszeichnungen und Stipendien und einer erfolgreichen Evaluation, hat sich der Verein zu einem Social Start up transformiert. In den Bereichen Verein, Projekte Hamburg und Projekte überregional arbeiten mindestens 11 feste Ehrenamtliche und 6 Hauptamtliche in Teil- und auch in Vollzeit an der strategischen und operativen Umsetzung der Ziele. Der Verein hat sich das Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren zu wachsen und noch mehr Familien zu erreichen.

Kontakt:
coach@school e.V.
Alsterkamp 23
20149 Hamburg
Tel.: (040) 60 86 37 41
E-Mail: info@coachatschool.org
www.coachatschool.org
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de