Bericht

Plötzlich kam Corona

28.01.2021

Geschichten und Berichte von Kindern und Jugendlichen




Titelseite des Buches
Titelseite des Buches
© Stiftung Maritim H. & M. Ebel
„Wie geht es Kindern und Jugendlichen in der Corona-Zeit – ohne Schule, ohne Sportverein, eingesperrt über Wochen in oft kleinen Wohnungen nur mit Eltern und Geschwistern?“, fragt die Autorin Kirsten Boie in ihrem Text auf der Rückseite dieses Buches. „Hier berichten Kinder und Jugendliche von 9 bis 21 Jahren in fünfzig Texten vom Leben in Quarantäne: Sie schreiben von ihrem gleichförmigen Alltag mit „schwer erziehbaren“ Eltern; in Fantasiegeschichten spüren sie dem Ursprung des Virus nach oder besiegen es; sie erzählen von ihren Ängsten, ihren Sehnsüchten, aber sie klagen wenig. Und immer wieder fragen sie auch nach dem Sinn: Wird nach Corona alles anders sein, besser? Was werden die Menschen aus dieser Zeit mitnehmen? Werden sie verstanden haben, was wichtig ist im Leben, werden sie weniger ichbezogen, dafür hilfsbereiter mit einander umgehen – und endlich auch an die Umwelt denken? Das Buch gibt einen beeindruckenden Einblick in die Gedankenwelt der Kinder in einer Extremsituation und nötigt uns noch mehr Respekt ab dafür, wie sie eine extrem herausfordernde Situation bewältigen.“

„Ich wünsche mir, dass wenn Frau Corona wieder gegangen ist, der Mensch etwas daraus gelernt hat. Dass wir wieder mehr aufeinander und auf die Natur achtgeben. Dass wir im Kopf behalten, was wirklich zählt.“ (Melina, 12 Jahre)


Non-stop no stop
von Lukas Möller, 14 Jahre

Die Dampflok rauscht schnell durch die dunkle Nacht,

zieht qualmend und kreischend den endlosen Zug,

so schnell, dass sie bald aus den Gleisen kracht,

uns Passagieren ist´s dennoch nicht schnell genug.



Denn wir sind gefangen in unserem Wahn

dem Gefängnis in dieser düsteren Welt

keine Rast, nur schneller, weiter fahr´n

denn gestern war nichts, was uns heute noch hält.



Doch was kann das stoppen, wann hört es auf?

Wann endet die Fahrt, diese ewige Hast?

Wer fährt diesen Zug? Ich schaue hinauf

Zum Führstand der Lok - er ist leer, ohne Last.



Denn nur wir können es stoppen,

was uns vorwärts treibt

doch wir werden´s nicht tun,

bis uns gar nichts mehr bleibt!

Oder jetzt doch?


Prämierte Texte zum Thema „Leben in der Quarantäne“
Weitere prämierte Geschichten von jungen Autorinnen und Autoren, u. a. über ein kleines Monster, dass die Welt veränderte, und ein Poetry Slam zum Thema Social Distancing, sind auf der Website der Hamburger Schreibwerkstatt „Fantastische Teens“ abrufbar: www.fantastischeteens.de

„Wer schreibt kann kein Opfer werden!“
Dieser Satz von David Grossman bewegte Annette Pauw, Initiatorin der Schreibwerkstatt „Fantastische Teens“, dazu, einen Schreibwettbewerb zum Thema „Leben in der Quarantäne“ ins Leben zu rufen. „Gerade jetzt“, dachte sich die Literaturmanagerin, „ist doch wohl die Fantasie gefragt, die uns davor bewahrt, Opfer von Umständen zu werden, auf die wir keinen Einfluss haben.“ Mit Unterstützung der Stiftung Maritim Hermann & Milena Ebel konnten die eingesandten Geschichten in dem Buch „Plötzlich kam Corona“ veröffentlicht werden. 110 Hamburger Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 9 und 21 Jahren beschreiben darin, wie sie die Krisenzeit erlebten.

Plötzlich kam Corona
Hermann Ebel, Milena Ebel, Annette Pauw (Hrsg.)
364 Seiten, 14,90 Euro
ISBN: 9783947911400
Zu beziehen über: Pauw@literaturmanagent.eu


Die Schreibwerkstatt „Fantastische Teens“
Die im Jahr 2009 von Annette Pauw ins Leben gerufene ehrenamtliche Initiative bietet 12- bis 19-Jährigen die Möglichkeit, unter Anleitung professioneller Schriftstellerinnen und Schriftsteller Geschichten zu schreiben. Jedes Jahr werden etwa fünf Workshops mit bis zu 100 Schülerinnen und Schülern je Schreibwerkstatt veranstaltet. Diese finden entweder in den Ferien als freiwillige Workshops oder vornehmlich in Stadtteilschulen während der Projektwochen statt. Ziel der Initiative ist es vor allem, diejenigen zum Schreiben und damit auch zum Lesen zu motivieren, die aus bildungsfernen Haushalten kommen. Nach Aussagen der Lehrerinnen und Lehrer werden mit den Schreibwerkstätten fast alle erreicht, auch diejenigen, zu denen der Zugang im normalen Unterricht schwierig ist.


Kontakt:
Annette Pauw
Pauw literaturmanagement
Admiralitätsstrasse 76
20459 Hamburg
Tel.: 0049-172-43 44 266
E-Mail: pauw@literaturmanagement.eu
www.fantastischeteens.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de