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Bericht

Leseförderung und Medienbildung mit Tablets

17.07.2019

Methodenheft des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz




Titelseite des Methodenhefts
Titelseite des Methodenhefts
© LBZ Rheinland-Pfalz
Die Sprach- und Leseförderung ist schon lange eine Kernkompetenz von Bibliotheken, doch in Zeiten in denen Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich mit elektronischen Medien aufwachsen, kann diese nicht mehr nur über klassische Medien wie das gedruckte Buch vermittelt werden.
Für die Bibliotheken ist es daher wichtig, die eigene Medienkompetenz zu erweitern und diese mit den vorhandenen Erfahrungen und Kenntnissen zu verknüpfen.
Das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) ist hierbei mit seiner Landesbüchereistelle ein wichtiger Partner und bietet schon seit vielen Jahren Unterstützungsleistungen an. Dazu gehören landesweit organisierte Aktionen und zentral erstellte Materialien im Rahmen eines Stufenprogramms zur Sprach- und Leseförderung1.
Für den Bereich der digitalen Leseförderung und Medienbildung konnte 2018 der Kooperationspartner medien+bildung.com gewonnen werden. Gemeinsam wurde das Projekt „Leseförderung und Medienbildung mit Tablets“ entwickelt und im Zeitraum von September 2018 bis Januar 2019 mit 11 Öffentlichen Bibliotheken in Rheinland-Pfalz durchgeführt.

Ziel des Projekts war es, den beteiligten Bibliotheken eine Einführung in den Umgang und die pädagogische Arbeit mit Tablets zu vermitteln. In einer Informations- und Schulungsveranstaltung wurden dazu zunächst zahlreiche verschiedene Apps und Methoden vorgestellt. Die Bibliotheken wählten jeweils zwei Methoden aus, welche sie mit dem Einsatz einer oder mehrerer Apps umsetzen wollten. In einer Erprobungsphase sollten die gewählten Methoden dann mit zwei unterschiedlichen Zielgruppen an einem Praxistag ausprobiert werden. Dieser Praxistag wurde durch eine Medienpädagogin bzw. einen Medienpädagogen vor Ort unterstützt.

Insgesamt wurden in den anschließenden 22 Veranstaltungen mit Schulklassen und Kitagruppen 17 unterschiedliche Methoden mit Apps für Altersgruppen von 3 bis 16 Jahren entwickelt, die als Musterveranstaltungen in einem Methodenheft ausführlich behandelt werden2.

Für die Bibliotheken, aber auch für das LBZ stellte die Auseinandersetzung mit der Technik eine besondere Herausforderung dar. Während die Bibliotheken zunächst Unsicherheiten im Umgang mit den Geräten überwinden mussten, hatte das LBZ die Aufgabe, die Technik, d.h. 3 Tabletkoffer mit jeweils 10 iPads mit allen benötigten Apps und Zubehör wie Apple-TV und diverse Adapter zur Verfügung zu stellen. Damit dies gelingen konnte, mussten auch die am Projekt beteiligten LBZ-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter ihre Kompetenzen im Bereich der Technik deutlich erweitern.

Im weiteren Projektverlauf war es die Aufgabe der Bibliotheken, Ideen für ihre jeweiligen Praxistage zu entwickeln und im nächsten Schritt dann Schulen und Kindertagesstätten für eine Teilnahme zu gewinnen.
Innerhalb von zwei Monaten sind dabei sehr kreative Projektideen entwickelt worden, bei denen klassische Literatur und Instrumente der Sprach- und Leseförderung mit der Nutzung von Tablets und verschiedenen Apps erfolgreich verknüpft wurden.

In der Stadtbibliothek wurde beispielsweise eine digitale Rallye durch die Bibliothek mit der App „Actionbound“ entwickelt.
Eine häufige Angst der Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter: „Was passiert, wenn etwas nicht wie geplant funktioniert?“ konnte durch die kompetente Unterstützung der Medienpädagoginnen und -pädagogen schnell ausgeräumt werden.

Beim Abschlusstreffen der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer wurde schnell deutlich, die Zusammenarbeit im Projekt war sowohl für die Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter als auch für die Medienpädagoginnen und -pädagogen ein Zugewinn an Kenntnissen und Erfahrungen. Darüber hinaus wurde die neue Form von Veranstaltungen auch von Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern, die z.T. im Vorfeld skeptisch waren, sehr positiv wahrgenommen.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr Sicherheit im Umgang mit Tablets erlangen und viele Ideen für die Integration der erprobten Methoden in die Angebote der Bibliothek entwickeln konnten. Die beteiligten Bibliotheken wollen auch in Zukunft die Arbeit mit Tablets fortsetzen und mit den hier präsentierten Methoden auch anderen Bibliotheken Impulse geben, Tablets für die Leseförderung und Medienbildung in der Bibliothek einzusetzen.

Apps und Methoden
Insgesamt standen den Teilnehmern im Projekt 51 Apps für die Konzeption der Praxistage verwenden. Teilweise wurde für eine Methode nur eine App eingesetzt, teilweise wurde der Einsatz mehrerer Apps kombiniert.

Eine Sonderrolle hatte die App „Actionbound“, mit der digitale Bibliotheksrallyes entwickelt wurden. Hierfür war zunächst eine Lizenz erforderlich, und es musste für die Rallye ein „Bound“ entwickelt werden. Aus diesem Grunde wurde für „Actionbound“ eine zusätzliche Fortbildung angeboten und eine Lizenz zur Verfügung gestellt.

Welche Methoden darüber hinaus entwickelt und wie diese beschrieben wurden, soll beispielhaft anhand der Methode „Reime fotografieren“ mit der App „Pic Collage“ vorgestellt werden:

Reime fotografieren

Altersgruppe: 4 bis 6 Jahre

Zeitbedarf: 45 bis 60 Minuten (genügend Tablets für 2er- bis 4er-Gruppen vorausgesetzt)

Das wird benötigt:
  • ein Kinder(bilder)buch mit Reimen
  • Gegenstände zu Reimwortpaaren (pro Kind ein Wortpaar)
  • ein Schriftzug pro Gegenstand
  • ein Tablet je Kleingruppe (à 2 bis 4 Kinder)
  • App: Pic Collage
Vorbereitung
Das Buch „Der Pudel trinkt Sprudel“ enthält Endreime wie etwa: „Der Elefant, rennt gegen die Wand“ oder „Das Schwein fällt rein“ und eignet sich wunderbar als Vorlesebuch für Kinder im Vorschulalter. Deutlich schwieriger, als die Suche nach einem Reimebuch für Kinder, ist es nun, figürliche Abbildungen von Begriffen zu besorgen, die sich reimen. Etwa eine Maus und ein Haus, oder ein Hase und eine Vase. Für jedes Kind aus der Kitagruppe wird ein solches Reimepaar benötigt.

Durchführung
Zunächst wird den Kindern die Bibliothek gezeigt und erklärt, dass es hier viele Bücher zum Ausleihen gibt. Eines davon wurde extra für sie ausgesucht, um es ihnen vorzulesen. Wer ganz genau zuhört, kann bestimmt erraten, welche Reimworte heute Morgen aus dem Buch herausgefallen sind. Beim Vorlesen einer Zeile wird nun immer der letzte Reim weggelassen: „Der Elefant, rennt gegen die ...?“. Um das Raten zu erleichtern, dürfen sich die Kinder die Abbildung im Buch genau ansehen.
Im Alter von 4 bis 6 Jahren ist der Wortschatz der Kinder meist so groß, dass sie die fehlenden Reime leicht finden und daran große Freude haben. So ist das Buch in weniger als 10 Minuten durchgelesen und im Sitzkreis der kleinen Dichter können die vorbereiteten Gegenstände ausgebreitet werden. Die Aufgabe besteht nun darin, die beiden Gegenstände zu finden und zu benennen, die sich reimen. Wer ein solches Paar gefunden hat, darf es sich nehmen und vor sich hinstellen. Wenn jedes Kind erfolgreich war, stellen sie noch einmal hintereinander ihre Reimpaare vor. Als Belohnung erhält jedes Kind noch die Verschriftlichung der Reimbegriffe.
Nun kommt die App „Pic Collage“ zum Einsatz. Darin gibt es zahlreiche Vorlagen für ein Tableau aus zwei Fotos. Daraus wählt sich jedes Kind das schönste aus (unterschiedlich farbige Hintergründe und Rahmen). Tippt es auf eines der anfangs leeren Felder, öffnet sich automatisch die Kamera-App und das Kind fotografiert den ersten Gegenstand. Anschließend wird auf die gleiche Weise ein Foto des zweiten Gegenstandes in das Tableau eingefügt. Die Kinder entscheiden selbst, ob ihre Fotos die beiden ausgedruckten Schriftzüge enthalten sollen, oder nicht.
Eine kurze Vorführung der Arbeitsschritte reicht aus und die Kinder führen danach alle Schritte selbstständig aus. Die Erwachsenen werden nur dann gebraucht, um bei der Zuordnung der Texte zu den Figuren und Gegenständen zu helfen. Meist möchten die Kinder die Begriffe auf ihren Fotos abbilden, denn sie sind stolz darauf, auch schon mit Schriftsprache arbeiten zu können.
Am Ende dieser Einheit hat jedes Kind ein Fototableau mit zwei Reimbegriffen selbst erstellt. Die Werke können entweder auf den iPads gezeigt oder über einen Beamer groß projiziert werden. Zum Abschied wird den Kindern versprochen, dass die Werke für sie ausgedruckt und in wenigen Tagen von ihren Erzieherinnen und Erziehern ausgeteilt werden. Jedes Kind kann dann sein Tableau im eigenen Portfolioordner abheften.

Variation/Alternativen
Die Methode kann mit den unterschiedlichsten Büchern umgesetzt werden. Über die Buchauswahl und unterschiedlich anspruchsvolle Reimarten kann man sich sehr gut der Altersgruppe und den Sprachkenntnissen anpassen. Durch den spielerischen Sprachförderansatz eignet sich dieses Szenario auch für Kinder mit Behinderung oder Deutsch als Zweitsprache.
Mit Kindern, die schon lesen und schreiben können, lohnt sich ein Blick auf die Reime App „Monsters Behave“.

Tipps für die Praxis
Achten sie darauf, dass die Kinder nur wenige Fotos machen. Eine zu große Anzahl an Bildern im Fotoordner verwirrt sie sonst bei der Erstellung ihrer Tableaus.

Buchempfehlung
Lütje, Susanne; Glökler, Angela; Zielinski, Rea G.: Der Pudel trinkt Sprudel. Oetinger, Hamburg, 2018.

Die Broschüre „Leseförderung & Medienbildung mit Tablets“ mit weiteren 16 Methoden, App-Empfehlungen und Praxistipps kann kostenlos heruntergeladen werden unter: https://s.rlp.de/lbztablets

Kontakt:
Norbert Sprung
Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz
Bahnhofplatz 14
56068 Koblenz
Tel.: (0261) 91500-300
E-mail: Sprung@lbz-rlp.de
www.lbz.rlp.de

Anmerkungen

1 Vgl. „Lesespaß aus der Bücherei“ – Das Stufenprogramm zur Sprach- und Leseförderung, https://lbz.rlp.de/de/unsere-angebote/lesefoerderung/landesweite-sprach-und-lesefoerderaktionen/

2 Methodenheft „Leseförderung & Medienbildung mit Tablets“, online unter: https://s.rlp.de/lbztablets


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de