Bericht

„Afrika erzählt!“ auf der 38. Oldenburger KIBUM

06.11.2012

Zehn Tage lang Lesevergnügen und interkulturelles Lernen




Plakat zur KIBUM 2012
Plakat zur KIBUM 2012
Illustration: John Kilaka
„Afrika erzählt!“ – Mit diesem Motto wird die 38. Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM vom 10. bis zum 20. November afrikanische Kinder- und Jugendliteratur in den Mittelpunkt rücken. Die beiden Veranstalter der KIBUM – die Stadt Oldenburg und die Carl von Ossietzky Universität – möchten dazu einladen, die Vielfalt des afrikanischen Kontinents und seiner Kulturen zu entdecken. Für die erwarteten 35.000 kleinen und großen Besucher verwandelt sich das Kulturzentrum PFL wie in jedem Jahr in eine große Bücherlandschaft mit nahezu 2.500 neu erschienenen deutschsprachigen Kinder- und Jugendmedien. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond M. Tutu ist Schirmherr der diesjährigen KIBUM.
Neben dem generellen Ziel der KIBUM, Leselust und Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen zu fördern, liegt den Veranstaltern das interkulturelle Lernen am Herzen. In vielen intensiven Kontakten und Dialogen können sich neue Sichtweisen auf Afrika vermitteln. Ein dynamisches, aktuelles wie auch traditionelles und dabei differenziertes Bild Afrikas eröffnet sich in zahlreichen Veranstaltungen mit afrikanischen oder afrikakundigen, westlichen Kinder- und Jugendbuchautoren sowie Illustratoren, Künstlern und Pädagogen.
Eine Auswahl der renommiertesten Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Illustratorinnen und Illustratoren der afrikanischen Kinder- und Jugendliteratur wurde zur KIBUM eingeladen: Véronique Tadjo (Südafrika), John Kilaka (Tansania), Dominique Mwankumi (Kongo), Meshack Asare (Ghana), Ibo (Senegal), Patrick Addai (Ghana), Lutz van Dijk (Südafrika) und viele mehr. Sie alle möchten zur KIBUM in zum Teil zweisprachigen, von kompetenten Übersetzern begleiteten Lesungen, Ausstellungseröffnungen und Workshops ihre Arbeiten vor Ort präsentieren und ins Gespräch mit ihrem Publikum kommen.

„Imvugo idasanzwe“ zur Eröffnung
Die KIBUM öffnet ihre Pforten am Samstag, 10. November, um 15 Uhr mit der theatralen und temporeichen Inszenierung um das afrikanische Bilderbuch „Imvugo idasanzwe“ (Die geheimnisvolle Zauberformel) des senegalesischen Autors Ibo. Unterstützt von der Regisseurin und Schauspielerin Stephanie Baak und der Tänzerin und Sängerin Jesicha aus der Elfenbeinküste sowie Kindern der Grundschule Dietrichsfeld setzen alle zusammen Ibos witzig erzählte Geschichte mit Musik und Tanz in Szene. Mit dabei sind viele afrikanische Tiere in den Hauptrollen. Moderiert wird die Eröffnung von der elfjährigen Sarah aus der Elfenbeinküste.

Drei Ausstellungen: Fotografie, Malerei und Kunstgegenstände
In ein Ausstellungszentrum verwandelt sich ab dem 11. November aus Anlass der KIBUM die Peterstraße 1. Nur 74 Meter entfernt vom turbulenten Treiben im Kulturzentrum PFL kommen hier kleine und große KIBUM-Fans in den ruhigen Genuss von gleich drei hochkarätigen Ausstellungen, deren Realisierung in der Regie der Stadtbibliothek liegt.

Fotoausstellung „African Kids“
Auf Initiative der Afrika-KIBUM und in enger Zusammenarbeit mit Lutz van Dijk entstand der Foto-Erzählband „African Kids. Eine südafrikanische Township-Tour“ mit einem Nachwort von Desmond M. Tutu, in dem der südafrikanische Junge Sive die Leser mitnimmt auf eine aufregende Tour durch sein Township Masiphumelele bei Kapstadt (Peter Hammer Verlag). In vielen Fotos und Geschichten wird der oft harte Alltag der Kinder und Jugendlichen lebendig, aber auch ihre Lebenslust, ihr Humor und ihre Zuversicht. Der preisgekrönte Autor van Dijk ließ sie selbst zu Wort kommen und unterstützte sie im Schreibprozess. Im Auftrag der KIBUM fotografierten zwei renommierte Fotografen in Kapstadt für „African Kids“: Nic Bothma und Ralf Hirschberger nahmen das Leben der Kinder im Township Masiphumelele in den Fokus.
Es entstanden so beeindruckende wie meisterliche Fotografien, die unter anderem die Wohnsituation, das Schulleben und die Kinderbibliothek im Township beleuchten und Kinder mit ihren Lieblingsbüchern porträtieren. Die KIBUM zeigt in einer kommentierten Auswahl die 70 besten Fotografien. Zur kindgerechten Vernissage am Sonntag, 11. November, 12 Uhr, werden Lutz van Dijk und auch der südafrikanische Botschafter Reverend Dr. Makhenkesi Stofile anwesend sein, der sich zudem ins Goldene Buch der Stadt eintragen wird. Geöffnet ist die Ausstellung täglich vom 11. bis zum 20. November von 10 bis 18 Uhr in der Artothek, Peterstraße 1.

Bilderbuchkunstausstellung „Tingatinga - Afrika!“
Bilderbuchkunst von John Kilaka und Tobias Krejtschi ist in der Bilderbuchkunst-Ausstellung in der BBK-Galerie, Peterstraße 1 zu sehen. Die Ausstellung führt in die kraftvollen und leuchtenden Bilderbuchwelten John Kilakas und wagt zugleich den europäischen Blick auf Afrika mit den nicht weniger expressiven Illustrationen von Tobias Krejtschi.
Zur von Kindern gestalteten Vernissage am Sonntag, 11. November, 15 Uhr, reist Kilaka aus Tansania an und auch der Autor Hermann Schulz wird anwesend sein; Krejtschi ist eine Woche später für Workshops auf der KIBUM zu Gast. Im KIBUM-Vorab-Projekt mit den Künstlerinnen des Ateliers W1 Theréz Fóthy und Meike Dismer malten die Kinder der Klasse 4b der Grundschule Staakenweg in der Manier des Tingatinga und John Kilakas. Auch diese Werke werden gezeigt.
Geöffnet ist die Ausstellung täglich vom 11. November bis zum 5. Dezember von 10 bis 18 Uhr in der BBK-Galerie, Peterstraße 1.

Afrika-Erlebnisraum
Das Foyer der Kinder- und Jugendbibliothek in der Peterstaße 1 verwandelt sich in einen interaktiven Afrika-Erlebnisraum, in dem Kunst aus Afrika für kleine und große KIBUM-Fans gezeigt wird. Afrikanische Kunst ist so vielschichtig wie der Kontinent selbst. Holzschnitzereien wie die geheimnisvollen Masken vieler Völker in West- und Zentralafrika faszinieren - und treffen auf witzige Recycling-Kunst aus Kronkorken. Inmitten von so viel Schönheit kann nach Herzenslust geschmökert werden. Hörstationen laden jenseits des Messe-Trubels ein, Märchen von klugen und mutigen Kindern aus dem Senegal zu hören. Zur Einweihung des Afrika-Erlebnisraums präsentiert der senegalesische Autor und Geschichtenerzähler Ibo sein in Kooperation mit der KIBUM entwickeltes Hörbuch „LEBOON? LIPOON! Kinder ganz groß - in Ibos Märchen aus dem Senegal“ am Sonntag, 11. November, um 17 Uhr. Alle Lesungen und Performances des Afrika-Erlebnisraums finden sich im KIBUM-Programmheft. Der Erlebnisraum ist geöffnet vom 11. bis zum 20. November, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Lesereihe: Afrika-Einblicke für Jugendliche
Die Afrika-KIBUM hat eine spannende Lesereihe für Jugendliche und Interessierte im Programm, die überwiegend im Casablanca Programmkino stattfindet, aber auch in den Stadtteilbibliotheken Kreyenbrück, Eversten und Flötenteich sowie dem Kulturzentrum PFL. Sie gewährt differenzierte Einblicke in verschiedene Themenbereiche: HIV/Aids in Afrika, Apartheid, Völkermord in Ruanda und Vergangenheitsbewältigung, Existenz als Straßenkind. Das Angebot der Lesung ist immer kombiniert mit einer intensiven Diskussion über das Thema.

KIBUM-Vorab: Medienboxen für Kitas und Grundschulen
Damit sich Kindergärten und Grundschulklassen auf das Thema der KIBUM vorbereiten können, hat die Stadtbibliothek Oldenburg bereits im Vorfeld der Messe fünf Afrika-Medienboxen gepackt, die kostenfrei für vier Wochen ausgeliehen werden können. Sie sind prall gefüllt mit Bilder- und Kinderbüchern. Das eigens
für die Afrika-KIBUM produzierte Hörbuch „LEBOON? LIPOON! Kinder ganz groß – in Ibos Märchen aus dem Senegal“ liegt ebenso bei wie weitere CDs und spannende Bilderbuchkinos. Auch eine kleine, original-afrikanische Trommel gehört zum Angebot. Sechzehn Kinder der Kita Klingenbergstraße testeten den Inhalt der Medienboxen am 30. Oktober in der Stadtteilbibliothek Kreyenbrück und zeigten sich rundum begeistert. Auch die Erzieherinnen Stephanie Meyer und Nicole Gunawardena waren angetan: „Die Medienbox gibt spannende Einblicke in die Welt Afrikas. Sie bietet Material für Spiele, Lieder mit Trommelbegleitung und sogar vier Bilderbuchkinos. Die Kinder können selbst Bilderbücher anschauen, erfahren, wie Menschen und Tiere in Afrika leben und entdecken viel Neues.“

Symposium „Wie schön fern bin ich“
Afrikabilder in der Kinder- und Jugendliteratur stehen im Mittelpunkt des öffentlichen Symposiums, das die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg am Freitag und Samstag, 16. und 17. November, anbietet. Literatur- und kulturwissenschaftliche Vorträge beantworten Fragen wie „Welche Bilder Afrikas waren und sind in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur präsent?“ Der ghanaische Autor Meshack Asare spricht über seine Texte und Bilder und thematisiert die Bedingungen des Schreibens für Kinder und Jugendliche in Afrika. In einer Podiumsveranstaltung diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis unter anderem darüber, wie Texte aus und über Afrika übersetzt und vermittelt werden (können). Der niederländische Schriftsteller Dolf Verroen liest aus seiner Kolonial-Erzählung „Wie schön weiß ich bin“.

Lesung und Werkstattgespräch mit Dolf Verroen
Am Freitag, 16. November, liest der niederländische Schriftsteller Dolf Verroen aus seiner Kolonial-Erzählung „Wie schön weiß ich bin“ (2005) ab 20 Uhr im Wilhelm13 (Wilhelmstraße 13). In einem anschließenden Werkstattgespräch mit Dr. Mareile Oetken, Institut für Germanistik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, gibt er Auskunft über seine literarisch-fiktionale Gestaltung und Erfahrungen mit diesem Text. Der Eintritt ist frei.
„Wie schön weiß ich bin“ ist durch den streng fixierten und unkommentierten Monolog der Kinderfigur und die sprachlich gebundene, episodenhafte Gestaltung eine besondere poetische Form für ein besonders komplexes Thema. Dolf Verroens Erzählung ist nach Reisen nach Surinam und Ghana entstanden. In Begegnungen und Gesprächen mit Menschen in diesen Ländern haben ihn Erinnerungen an die Kolonialgeschichte vielfach berührt. Die Erfahrungen der Kolonialzeit von Sklavenhandel und Rassismus prägen nach Überzeugung Verroens bis heute Menschen in allen Teilen der Welt, unabhängig davon, ob sie in Ländern leben, die kolonialisiert haben oder kolonialisiert wurden. „Jeder Mensch ist ein ganz kleiner Teil einer großen Historie“, sagt Verroen. Im Gespräch mit Verroen wird es deshalb um sein Verständnis von Geschichte und Geschichten gehen. Er wird Auskunft darüber geben, wie er literarische Wege findet, Geschichte in angemessenen Geschichten zu erzählen.

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