Bericht

Methodenpool für sprachsensiblen Fachunterricht

29.04.2019

Angebot des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache


Für Lernende ist manchmal nicht nur der Unterrichtsinhalt selbst, sondern auch der ihm zugrundeliegende Text eine Herausforderung, weil sie nicht genügend mit Lesestrategien vertraut sind, die ihnen helfen, den Text zu verstehen. Hier kann z.B. die Fünf-Schritt-Lesemethode hilfreich sein, mit der das Erschließen von Informationen aus Texten geübt werden kann. Eine Beschreibung dieser und weiterer Methoden und Sprachhilfen, die für einen sprachsensiblen (Fach-)Unterricht geeignet sind, stehen für Lehramtsstudierende und Lehrkräfte aller Fächer und Schulformen im Methodenpool des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln zur Verfügung. Unterrichtsmethoden können nach Förderbereichen, Sprachhandlungen, Altersgruppen, zeitlichem Rahmen und Sozialformen gefiltert werden. Die Vorschläge werden in einer dynamischen Wolke angezeigt, aus der per Klick eine Methode ausgewählt werden kann. Eine alphabetische Listenansicht der Methoden und Sprachhilfen, ein Glossar und eine Handreichung zur Nutzung des Methodenpools stehen ebenfalls zur Verfügung unter:
www.unterrichtsmethoden-sprachsensibel.de.

Was bedeutet sprachsensibel zu unterrichten?
Sprachsensibel zu unterrichten bedeutet, dass angehende oder auch schon erfahrene Lehrkräfte den Schülerinnen und Schülern neben den fachlichen auch (fach-)sprachliche Fähigkeiten vermitteln, indem sie
  • die sprachlichen Anforderungen ihres Unterrichts ermitteln,
  • die sprachlichen Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler in Bezug auf die sprachlichen Anforderungen einschätzen bzw. diagnostizieren,
  • vor dem Hintergrund einer möglichen ‚Lücke‘ zwischen sprachlichen Anforderungen und sprachlichen Fähigkeiten geeignete Methoden und Sprachhilfen auswählen, sprachlernförderlich mit den Lernenden interagieren und deren Mehrsprachigkeit in den Unterricht einbeziehen.
Der Methodenpool kann Lehrkräfte dabei unterstützen, diese Herausforderung zu bewältigen: In ihm kann gezielt nach Unterrichtsmethoden und Sprachhilfen gesucht werden, die sich für die Förderung bestimmter sprachlicher Fähigkeitsbereiche in allen Schulformen und Schulfächern eignen. Man muss sich dabei nicht in einer umfänglichen Methodensammlung orientieren, sondern kann in die Suchmaske eingeben, welche sprachlichen Teilfähigkeiten im Unterricht gefördert werden sollen. Eine sinnvolle Nutzung des Tools setzt jedoch voraus, dass die Lehrkraft weiß, was auf sprachlicher Ebene im Unterricht gefördert werden soll. Im Vorfeld ist es daher erforderlich, die sprachlichen Anforderungen des Unterrichts(-themas) zu betrachten und zu beobachten, welche sprachlichen Fähigkeiten die Schülerinnen und Schüler mitbringen bzw. welche gefördert werden sollten, damit die Lernenden das Fachthema verstehen und bearbeiten können.

Sprachliche Anforderungen des (Fach-)Unterrichts ermitteln
Zunächst muss ermittelt werden, über welche sprachlichen Fähigkeiten die Schülerinnen und Schüler verfügen müssen, damit sie sich die fachlichen Kompetenzen aneignen können. Diese Fähigkeiten ergeben sich aus den Operatoren, die in den Kompetenzbeschreibungen der Lehrpläne verwendet werden (z. B. argumentieren), aus dem Unterrichtsmaterial (z. B. Texte und Aufgabenstellungen) sowie aus Kommunikationssituationen im Unterricht (z. B. Gespräch bei der Durchführung eines Experiments (eher einfach) vs. Berichten über das Experiment vor der Klasse (eher schwierig)). Ist diese Frage geklärt, können möglichst konkrete sprachliche Mittel auf Wort- Satz- und Textebene zusammengestellt werden, die den Schülerinnen und Schülern bei Bedarf als Sprachhilfen (z. B. eine Wort- und Phrasensammlung) zur Verfügung gestellt werden können.

Sprachliche Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler ermitteln
Im Anschluss an die Ermittlung der sprachlichen Anforderungen des Unterrichts, muss die Frage beantwortet werden, inwieweit die Schülerinnen und Schüler dazu in der Lage sind, die sprachlichen Anforderungen zu bewältigen. Entweder subjektiv einschätzend oder auch objektiv messend müssen die sprachlichen Fähigkeiten der Lernenden im Hinblick auf die sprachlichen Anforderungen diagnostiziert werden. Hilfreich sind dabei Kenntnisse über Merkmale von Fach- und Bildungssprache, über typische Erwerbsverläufe in einzelnen sprachlichen Teilfähigkeiten sowie über passende diagnostische Verfahren (vgl. dazu:
Tool-Datenbank des Programms „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)).

Suche im Methodenpool
Aus dem Verhältnis von sprachlichen Anforderungen und sprachlichen Fähigkeiten ergibt sich, welche sprachlichen Kompetenzen gefördert und mit Methoden und/oder Sprachhilfen unterstützt werden sollten. Lautet das Ergebnis der Analyse z. B., dass die Lernenden Unterstützung im Bereich der Kerngrammatik sowie der Sprachhandlung ‚beschreiben‘ benötigen, dann sollten diese beiden Förderoptionen im Menü des Methodenpools ausgewählt werden. Zusätzlich kann die Auswahl durch die Entscheidung für eine Altersgruppe, für einen zeitlichen Rahmen und eine Sozialform eingegrenzt werden. Mehrfachauswahl ist in allen Auswahlkategorien möglich. Als Ergebnis werden passende Methoden und Sprachhilfen in einer dynamischen Wolke groß (= sehr geeignet), mittel (= geeignet) und klein (= wenig geeignet) angezeigt. Ein Klick auf eine Methode/Sprachhilfe öffnet ein Fenster mit einer kurzen Beschreibung und einem Link zum Download einer Handreichung im pdf-Format. Eine Liste mit allen Methoden und Sprachhilfen kann ebenfalls aufgerufen werden und das Glossar bietet alphabetisch sortiert Erläuterungen zu relevanten Begriffen aus dem Bereich der Sprachförderung, welche in den Handreichungenerwähnt werden.

Erläuterungen zu sprachlichen Teilfähigkeiten
Bei der Suche im Methodenpool können sowohl ‚allgemeine Förderbereiche‘ als auch ‚Sprachhandlungen‘ ausgewählt und miteineinder kombiniert werden. Die allgemeinen Förderbereiche orientieren sich am Konzept der sprachlichen Grundfertigkeiten (Sprechen, Zuhören, Lesen, Schreiben), wurden aber, teils in Anlehnung an die Baseler Sprachprofile um zusätzliche Kategorien erweitert. Die Deskripton der Sprachhandlungen orientiert sich teils an Becker-Mrotzek & Boettcher (2012, 90). Sie setzen sich aus den in den Kernlehrplänen am häufigsten vorkommenden Operatoren zusammen; die Liste ist somit nicht vollständig. Hinzu kommt, dass sich Sprachhandlungen in Alltag und Schule häufig überschneiden und somit nicht als trennscharf zu sehen sind: So kann eine Erklärung beschreibende Elemente beinhalten. Operatoren werden darüber hinaus im Unterricht je nach Fach unterschiedlich verwendet. So hat die Aufforderung ‚interpretiere‘ im Geschichtsunterricht eine andere Bedeutung als im Physikunterricht. Wie die einzelnen Förderbereiche und Sprachhandlungen im Methodenpool definiert sind, wird unter „Info“ erläutert.

Kontakt:
Dr. Christoph Gantefort
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
Universität zu Köln Triforum
Albertus-Magnus-Platz
50923 Köln
Tel.: (0221) 470 7033
E-Mail: christoph.gantefort@mercator.uni-koeln.de
www.mercator-institut-sprachfoerderung.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de