Bericht

Experten für das Lesen

29.06.2017

Ein Fortbildungsprojekt für Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen


Eine theoriegestützte und systematische Förderung der Lesekompetenz im Kontext medialer Lehr- und Lernumgebungen ist das Ziel der nordrhein-westfälischen Verbünde „Experten für das Lesen – Primarstufe“ und „Experten für das Lesen – Sekundarstufe I“ im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Professorin Gudrun Marci-Boehncke von der Forschungsstelle Jugend – Medien – Bildung am Institut für Literaturdidaktik der Technischen Universität Dortmund entwickelte in Kooperation mit der Geschäftsstelle Bildungspartner NRW ein Fortbildungskonzept für Lehrkräfte, dessen Umsetzung beide Partner gemeinsam begleiten. Anja Warnkross stellt das Konzept im folgenden Artikel vor.

„Experten für das Lesen“ ist eine Fortbildung für Lehrkräfte, die den Blick für aktuelle Themen der Leseförderung öffnet und auf Nachhaltigkeit angelegt ist. Das Fortbildungskonzept für Lehrkräfte ist eine Anpassung desselben Ansatzes für Bibliothekskräfte und existiert mittlerweile auch in einer Zertifikatsvariante für Studierende. Von Februar 2014 bis Februar 2017 durchliefen drei Grund- und drei weiterführende Schulen die Fortbildung, im Februar 2017 haben weitere drei Grund- und vier weiterführende Schulen die Arbeit aufgenommen.

Schwerpunkte des Ansatzes „Experten für das Lesen“ sind der Unterricht mit digitalen Medien, neue Ergebnisse der Leseforschung, aktuelle Erkenntnisse zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen sowie die Kooperation mit Bibliotheken und weiteren außerschulischen Lernorten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, immer mindestens zwei im Team, erarbeiten Lesefördermaßnahmen und werden bei der Weiterentwicklung ihrer medialen Vermittlungskompetenz unterstützt. Für die Anregungen und Impulse, die sie erhalten, übernehmen sie eine Multiplikatorenfunktion in den Fachschaften und im Gesamtkollegium.

Im ersten halben Jahr der Fortbildung werden sieben Sequenzen mit theoretischen und praktischen Anteilen auf einer Online-Plattform durchlaufen. Nach der Lektüre von Texten mit verschiedensten Hintergrundinformationen werden Praxisaufgaben bearbeitet bzw. umgesetzt. Ergänzend dazu treffen sich alle schulischen Arbeitsgruppen zu drei Präsenzveranstaltungen. Diese Methode des „Blended Learning“ lässt sehr selbstbestimmtes Lernen zu, stellt gleichzeitig einen virtuellen Raum für unkomplizierten Austausch bereit und birgt nicht zuletzt viele Potenziale für die Übertragung in den Unterricht.

Im Anschluss an diese Kursphase werden die Arbeitsgruppen bei der weiterführenden Erarbeitung und Implementierung ihrer Leseförderkonzepte unterstützt. Da die Fortbildung Teil des Bund-Länder-Programms „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) ist, findet eine individuelle Weiterbegleitung und Berücksichtigung schulspezifischer Unterstützungsbedarfe durch die sogenannte Verbundkoordinatorin bzw. den Verbundkoordinator statt. Parallel erfolgen weitere regelmäßige Gesamtpräsenzen, bei denen Raum für Austausch gegeben ist und die Arbeitsgruppen fachlichen Input erhalten, der bestmöglich auf ihren aktuellen Stand angepasst ist. Am Ende sollen erprobte Maßnahmen in schulinternen Curricula festgeschrieben sein und – auch dies einer der Grundgedanken der Fortbildung – ein zusammenhängendes Leseförderkonzept das Schulprofil schärfen.

Die Schulen werden in der Fortbildung von ihren örtlichen Bibliotheken flankiert. Diese erhalten durch das Projekt die Gelegenheit, ihre bereits bestehenden Angebote besonders unter dem Blickwinkel der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien zu modifizieren und auszubauen sowie ihren Austausch mit örtlichen Schulen zu intensivieren.

Die entstandenen Filmclips geben einen umfassenden Überblick über die wesentlichen Prämissen und Schwerpunkte von „Experten für das Lesen“ und viele Einblicke in Arbeitsprozesse und -ergebnisse der teilnehmenden Arbeitsgruppen, ihrer Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen auch außerschulischer Lernorte sowie Schulleitungen.

Filmclips „Lesen - mit und in allen Medien“
Auf der Website von Bildungspartner NRW sind fünf Filmclips abrufbar, in denen über Erkenntnisse und Ergebnisse eines dreijährigen Projekts mit sechs Schulen berichtet wird. Den wissenschaftlichen Hintergrund erläutert Professorin Dr. Gudrun Marci-Boehncke von der Technischen Universität Dortmund in einem Vortrag. Aus der Praxis berichten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, eine Bibliothekarin und Schulleitungen. Geschildert werden Beobachtungen der Mediengewohnheiten von Schülerinnen und Schülern und die Auswirkungen der Arbeit mit vielfältigen Medien auf den Ablauf und die Wirkung des Unterrichts. Ausgewählte Unterrichts- und Kooperationsprojekte sowie Wege der Implementierung und Weiterentwicklung eines zeitgemäßen gesamtschulischen Leseförderkonzeptes werden vorgestellt. Eine Animation, die als Fahrplan für eigene Vorhaben dienen kann, zeigt exemplarisch den Weg einer Schule von der ersten Idee bis zum etablierten Leseförderkonzept.
www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de/Bildungspartner/Leseförderung/

Autorin: Anja Warnkross

Kontakt:
Anja Warnkross
Bildungspartner NRW
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40227 Düsseldorf
Tel.: (0211) 27404-2026
E-Mail: warnkross@bildungspartner.nrw
www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de
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