Bericht

Bibliotheken sind Orte gelebter Demokratie

22.05.2019

Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert Meinungs- und Informationsfreiheit




Außerschulischer Lernort Bibliothek
Außerschulischer Lernort Bibliothek
© dbv/Janko
Anlässlich des Tages des Grundgesetzes am 23. Mai erinnert der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) daran, dass Bibliotheken eine wichtige Rolle für die Teilhabe an unserer demokratischen Gesellschaft spielen. Sie gründen ihr Selbstverständnis auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Meinungs- und Informationsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland garantiert. Indem Bibliotheken den ungehinderten Zugang zu allgemein zugänglichen Quellen eröffnen, leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zu einem demokratischen Gemeinwesen sowie zur politischen Willensbildung. Wir veröffentlichen nachfolgend die Stellungnahme des dbv.

Bibliotheken und Demokratie
Unsere Demokratie steht aktuell vor großen Herausforderungen. Die Zunahme antidemokratischer und antifreiheitlicher Einstellungen sowie die wachsende Abkehr von der europäischen Idee erfordern ein klares Bekenntnis zu den Werten unseres Grundgesetzes und einen aktiven Einsatz für deren Stärkung in der Gesellschaft. Dafür sind gemeinsame Anstrengungen bei der Vermittlung von Kulturgut und in der politischen Bildung wichtig. Bibliotheken erbringen hierfür entscheidende Leistungen:

01. Meinungsbildung durch Zugang zu Informationen
Bibliotheken sind Orte gelebter Demokratie: Die Meinungs- und Informationsfreiheit aus Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bildet die verfassungsrechtliche Grundlage bibliothekarischer Praxis. Indem sie die informationelle Grundversorgung aller Bürgerinnen und Bürger mit ihrem überparteilichen und qualitätsgeprüften Medien- und Informationsangebot fördern, übernehmen Bibliotheken als besucherstärkste Bildungs- und Kultureinrichtungen eine zentrale demokratische und gesellschaftspolitische Funktion. Sie bieten einen politisch, weltanschaulich und religiös ausgewogenen Bestand an, der ergänzend zu den Medien und sozialen Kommunikationskanälen zur Meinungsbildung beiträgt. Die in und über Bibliotheken verfügbaren Inhalte unterliegen einer professionellen Auswahl auf Basis des Grundgesetzes. Sie sind ein Spiegel der Kultur einer Gesellschaft und ihrer Lebenswirklichkeiten. Indem sie den freien Zugang zu allgemeinen Informationsquellen eröffnen, leisten Bibliotheken einen unverzichtbaren Beitrag zu einem demokratischen Gemeinwesen sowie zur politischen Willensbildung.

02. Vermittlung von Lese- und Medienkompetenz gegen „Fake News“
Demokratien brauchen mündige Bürgerinnen und Bürger: In ihrer Funktion als außerschulische Bildungseinrichtungen fördern Bibliotheken mit dem Lesen die zentrale Grundlage für sämtliche Bildungsprozesse. Sie vermitteln Medien- und Informationskompetenz und ermöglichen dadurch die ausgewogene Einordnung von Nachrichten, Ereignissen und aktuellen gesellschaftlichen Debatten, die Beurteilung von Quellen sowie das Erkennen von Falschinformationen. Darüber hinaus unterstützen sie ihre Nutzerinnen und Nutzer bei Qualifikationsanforderungen der digitalen Arbeitswelt sowie individuellen Aktivitäten im Kontext des lebensbegleitenden Lernens. Angesichts von 6,2 Mio. funktionalen Analphabeten in Deutschland ergreifen vor allem Öffentliche Bibliotheken auch Maßnahmen zur Förderung lese- und schreibschwacher Jugendlicher und Erwachsener und leisten somit neben verschiedenen anderen kulturellen Einrichtungen und Bildungsstätten einen wichtigen Beitrag zur Alphabetisierung. Wissenschaftliche Bibliotheken unterstützen Forschung und Lehre und tragen damit bei zu faktenbasiertem Wissen und gesicherten Erkenntnissen als Grundlage für die Meinungsbildung und (politisches) Handeln.

03. Nichtkommerzielle Orte für alle Bürgerinnen und Bürger
Bibliotheken als öffentliche Orte der Begegnung und des Austauschs leisten einen wichtigen sozialen Beitrag zur Integration aller gesellschaftlichen Gruppen. Dies erfolgt in Kooperation mit anderen Einrichtungen der Bildung, Kultur und Wissenschaft – auch im Hinblick auf zukunftsorientierte Ziele und Handlungsfelder wie Integration, Digitalisierung, Inklusion und Nachhaltigkeit der verschiedenen politischen Ebenen. Bibliotheken sind daher für den demokratischen Diskurs besonders geeignete Orte und sollten entsprechend genutzt und gefördert werden.

04. Garanten der Informationsfreiheit
In diesen wichtigen Funktionen müssen Bibliotheken gerade in Zeiten von Populismus und Falschinformation gestärkt werden. Aufgrund der leidvollen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts sind die Bibliothekarinnen und Bibliothekare in Deutschland sehr wachsam, wenn es um politische Entwicklungen geht, die in einem Ruf nach Säuberung ihrer Bestände von politisch oder ideologisch missliebigen Werken münden könnten. Bibliotheken sind hinsichtlich ihrer Sammlungen pluralistisch. In ihrer Programmarbeit sind sie der Tradition der Aufklärung und den Werten des Grundgesetzes verpflichtet. Vor diesem Hintergrund hält der Deutsche Bibliotheksverband es für besonders wichtig, dass schon Ansätzen einer derartigen Entwicklung, wie aktuell bereits geschehen, entschieden entgegengetreten wird. Hier sind insbesondere die Träger und politisch Verantwortlichen gefragt, Grundbedingungen bibliothekarischer Arbeit zu verteidigen und zu fördern.

05. Stärkung von Teilhabechancen
Als Verband der deutschen Bibliotheken steht der Deutsche Bibliotheksverband wie diese für Transparenz, Verantwortlichkeit, Integrität, Solidarität, Zivilcourage, Gerechtigkeit, Demokratie, Rechts- und Sozialstaatlichkeit. Der dbv ist u.a. Mitglied der „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat“. Um zunehmender Verunsicherung mit Bildungsangeboten entgegenzuwirken und faire Teilhabe aller Menschen an gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen zu gewährleisten, begrüßt der dbv das Vorhaben der Koalitionsparteien, ein gesamtstaatliches Bündnis für kulturelle Bildung und Vermittlung sowie Medienkompetenz zu schließen mit dem Ziel, den Zugang zu Kunst, Kultur, Bildung und Medien und somit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu stärken. Hier zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen ist von zentraler Bedeutung für die Integration aller in Deutschland lebenden Menschen und den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt überhaupt. Bibliotheken sind hierfür die geeigneten Partner.

Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) vertritt mit seinen mehr als 2.100 Mitgliedern bundesweit rund 10.000 Bibliotheken mit 25.000 Beschäftigten und 11 Mio. Nutzerinnen und Nutzern. Sein zentrales Anliegen ist es, Bibliotheken zu stärken, damit sie allen Bürgerinnen und Bürgern freien Zugang zu Informationen ermöglichen. Der Verband setzt sich ein für die Entwicklung innovativer Bibliotheksleistungen für Wissenschaft und Gesellschaft. Als politische Interessensvertretung unterstützt der dbv die Bibliotheken, insbesondere auf den Feldern Informationskompetenz und Medienbildung, Leseförderung und bei der Ermöglichung kultureller und gesellschaftlicher Teilhabe für alle Bürgerinnen und Bürger.

Kontakt:
Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Bundesgeschäftsstelle
Fritschestraße 27-28
10585 Berlin
Tel.: (030) 644 98 99-10
E-Mail: dbv@bibliotheksverband.de
www.bibliotheksverband.de
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