Bericht

JIM-Studie 2018: Leseverhalten von Jugendlichen

05.03.2019

Anteil der regelmäßig Lesenden liegt bei 40 Prozent




Titelseite der JIM-Studie 2018
Titelseite der JIM-Studie 2018
© mpfs
Seit 1998 untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk im Rahmen der Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) den medialen Alltag von Jugendlichen in Deutschland. Die Ergebnisse der JIM-Studie 2018 zeigen, dass der Siegeszug von Netflix und Co. bei den Jugendlichen anhält. Die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen schaut regelmäßig Sendungen, Serien und Filme bei Netflix (47 %), jeder Fünfte nutzt Amazon Prime Video (22 %). Aus den Studienergebnissen geht aber auch hervor, dass die Nutzung des analogen Mediums Buch im Social-Media-Zeitalter stabil geblieben ist. Für die repräsentative Studie wurden im Frühsommer 2018 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren telefonisch befragt. Sie gaben Auskunft darüber, wie oft sie in ihrer Freizeit gedruckte Bücher lesen, welche Titel sie schon gelesen haben und ob sie Bücher im Freundeskreis tauschen bzw. aus- oder verleihen. Untersucht wurde auch, welche Rolle E-Books im Medienalltag von Jugendlichen spielen und welchen Einfluss Geschlecht und Bildung auf die Lesehäufigkeit haben.

Wir veröffentlichen nachfolgend mit freundlicher Genehmigung das Kapitel 6 „Bücher und Lesen“ (S. 18 bis 21). Die gesamte Studie steht zum Download zur Verfügung unter www.mpfs.de.

6. Bücher und Lesen
Wie jedes Jahr liefert die JIM-Studie auch zum Leseverhalten der Zwölf- bis 19-Jährigen zentrale Grundlagendaten. In der Zeitreihe über die letzten zehn Jahre betrachtet wird deutlich, dass sich die Nutzung des analogen Mediums Buch auch im Social-Media-Zeitalter nicht verändert hat. Der Anteil derjenigen Jugendlichen, die in ihrer Freizeit mindestens mehrmals pro Woche in der Freizeit (also nicht für die Schule) gedruckte Bücher lesen, beträgt seit 20 Jahren etwa 40 Prozent. Auch 2018 lesen zwei von fünf Jugendlichen regelmäßig Bücher in analoger Form.

Grafik: Bücher lesen* 2008-2018 - täglich/mehrmals pro Woche

Ein weiteres Fünftel der Jugendlichen liest zumindest innerhalb von zwei Wochen gedruckte Geschichten und jeder Vierte greift etwa einmal im Monat oder seltener zum Buch. 16 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen geben an, sich in der Freizeit nie mit gedruckten Büchern zu beschäftigen.

Geschlecht und Bildung haben einen starken Einfluss auf die Lesehäufigkeit
Wie auch in den Vorjahren zeigen Mädchen eine höhere Affinität zu Büchern. Knapp jedes zweite Mädchen, aber nur jeder dritte Junge greift in der Freizeit regelmäßig zum Buch. Mit steigendem Alter der Jugendlichen sinkt das Interesse am Medium Buch etwas, der Anteil der regelmäßigen Leser fällt von 48 Prozent bei den Zwölf- bis 13-Jährigen auf 37 Prozent bei den volljährigen Jugendlichen. Einen noch stärkeren Einfluss als Geschlecht oder Alter hat jedoch der Bildungshintergrund auf die Lesefreudigkeit der Jugendlichen. Weniger als ein Drittel der Befragten mit formal niedrigerem Bildungsniveau liest regelmäßig Bücher, während bei Jugendlichen mit formal höherem Bildungsniveau knapp die Hälfte regelmäßig zum Buch greift. Analog dazu fällt der Anteil der Nichtleser unter Jugendlichen, die eine Haupt- oder Realschule besuchen, mit 23 Prozent fast doppelt so hoch aus wie bei den Gymnasiasten (12 %).

Grafik: Bücher lesen* 2018

E-Books setzen sich nicht durch
E-Books können sich nach wie vor nicht im Medienalltag Jugendlicher durchsetzen. Nur sieben Prozent der Jugendlichen lesen regelmäßig E-Books (2017: 6 %), ein Viertel der Zwölf- bis 19-Jährigen liest zumindest selten elektronische Bücher. Betrachtet man E-Book-Nutzer hinsichtlich ihrer analogen Buchnutzung, so zeigt sich, dass die digitale Buchnutzung keine neue Nutzergruppe eröffnen kann; die Leserschaft rekrutiert sich überwiegend aus den analogen Lesern. Mit 75 Prozent beschäftigt sich der Großteil der Jugendlichen jedoch nie mit digitalen Büchern. Mädchen sind auch hier etwas affiner (regelmäßige E-Book-Nutzung: Mädchen: 11 %, Jungen: 5 %), die Betrachtung im Altersverlauf oder im Hinblick auf den Bildungshintergrund der Jugendlichen zeigt keine nennenswerten Zusammenhänge.

Grafik: E-Books lesen 2018

Gelesene Buchtitel seit Jahren stabil
Diejenigen Befragten, die zumindest selten Bücher lesen – egal ob in gedruckter oder elektronischer Form – geben an, von Jahresbeginn bis zum Befragungszeitraum (Mai bis August) bereits zehn Bücher gelesen zu haben. Zum Zeitpunkt der Befragung zur JIM-Studie lasen 59 Prozent der Leser gerade ein Buch (Mädchen: 69 %, Jungen: 48 %). Die Bandbreite der gelesenen Titel ist hierbei groß, verändert sich über die Jahre jedoch nur wenig. Am häufigsten werden, wie schon im Vorjahr, Titel der „Harry Potter“-Reihe sowie „Der Herr der Ringe“ genannt. Auf den weiteren Rängen folgen Titel wie die Comic-Roman-Serie „Gregs Tagebuch“ sowie die Fantasy-Reihe „Eragon“.

An einem durchschnittlichen Wochentag (Montag bis Freitag) verbringen die Zwölf- bis 19-Jährigen nach eigener Schätzung 67 Minuten mit dem Lesen von Büchern (2017: 63 Min.). Mädchen lesen mit 79 Minuten deutlich länger als Jungen (56 Min.). Mit dem Alter der Jugendlichen nimmt auch die Lesedauer ab (12-13 Jahre: 81 Min., 14-15 Jahre: 67 Min., 16-17 Jahre: 58 Min., 18-19 Jahre: 64 Min.).
Wie im Vorjahr gibt gut jeder Dritte an, Bücher im Freundeskreis zu tauschen bzw. zu (ver-)leihen (35 %, 2017: 36 %). Mädchen tauschen eher Bücher als Jungen und die Tauschfreudigkeit nimmt mit dem Alter der Jugendlichen zu.

Grafik: Bücher tauschen/ausleihen unter Freunden 2018


Publikation:
JIM-Studie 2018
Jugend, Information, Medien
Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger
Autoren: Sabine Feierabend (SWR Medienforschung), Thomas Rathgeb (LFK), Theresa Reutter (LFK)
Herausgeber: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs), Stuttgart, November 2018


Kontakt:
Thomas Rathgeb
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs)
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