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Bericht

Fit im Fach durch Lesekompetenz

28.11.2018

Leseförderung in allen Fächern und in allen Schularten




Titelseite des Leitfadens
Titelseite des Leitfadens
© Bayerisches Kultusministerium
Im Schuljahr 2018/19 startete an allen bayerischen Schulen die Initiative #lesen.bayern. Sie legt einen besonderen Fokus auf die Sprachliche Bildung und konkretisiert die Umsetzung der Leseförderung als eines der zentralen schulart- und fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziele. Grundlage der Initiative ist der neue LehrplanPLUS, in dem Kompetenzen sowie fächer- und schulartübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele festgelegt sind. Als Unterstützungsangebot für Lehrkräfte hat das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus einen Leitfaden erarbeitet, der zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Darüber hinaus bietet das Online-Portal www.lesen.bayern.de praxisnahe Materialien und Anregungen für alle Fächer und Schularten.
Der Leitfaden „Fit im Fach durch Lesekompetenz. Leseförderung in allen Fächern und in allen Schularten“ wurde an alle bayerischen Schulen verschickt. Er enthält neben den theoretischen Grundlagen zur Leseförderung praxisnahes Unterrichtsmaterial in Form von Methodenkarten zum Lesestrategietraining sowie Aufgabenbeispiele und Hinweise zur systematischen Umsetzung der Initiative #lesen.bayern an der jeweiligen Schule.

Leseförderung - verbindlicher Auftrag für Lehrkräfte aller Fachbereiche
Im kompetenzorientierten LehrplanPLUS, der sukzessive an allen Schularten in Bayern eingeführt wird, ist die Sprachliche Bildung ein fächer- und schulartübergreifendes Bildungs- und Erziehungsziel und die Leseförderung als eine Teilaufgabe der Sprachlichen Bildung verbindlicher Auftrag für Lehrkräfte aller Fachbereiche. Unter Leseförderung wird im Leitfaden sowohl die Förderung der Lesemotivation als auch die Förderung der Lesekompetenz verstanden. Beide Aspekte werden thematisiert, der Schwerpunkt liegt jedoch auf Maßnahmen zur Förderung der Lesekompetenz. Zunächst wird erläutert, was Lesekompetenz bedeutet und welche Prozesse in welcher Reihenfolge im Unterricht trainiert werden müssen, damit Schülerinnen und Schüler das Lesen und Verstehen von Texten Schritt für Schritt erlernen können. Nach einem Überblick über verschiedene Lesetechniken, Lesestrategien und metakognitive Strategien zur Selbstregulation werden Einflüsse, die die Entwicklung der Lesekompetenz prägen, beschrieben. Hier wird insbesondere der maßgebliche Einfluss des Elternhauses auf das Leseverhalten von Kindern betont und die Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen und Eltern im Sinne einer Erziehungspartnerschaft als höchst sinnvoll bezeichnet. Verwiesen wird auf die Bayerischen Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit, 2014, S. 44, in denen die besondere Bedeutung der sprachlichen Bildung als durchgängiges Prinzip in Tagespflege, Kindertageseinrichtungen und Schulen betont wird.

Lehrplan-PLUS: Bildungs- und Erziehungsziel Sprachliche Bildung
Wie die Förderung der Lesekompetenz auf unterschiedlichen Ebenen im LehrplanPLUS verankert ist, wird im Leitfaden exemplarisch anhand von Auszügen aus Portraits ausgewählter Fächer und Fachgruppen veranschaulicht. In jedem Fachportrait sind in übersichtlicher Form sprachliche Kompetenzen, die im Fach gefördert werden müssen, fachtypische Textsorten sowie fachspezifische Situationen und Methoden aufgeführt. Für die Fächer Biologie, Chemie und Physik ist die Verankerung der Leseförderung im LehrplanPLUS z. B. wie folgt beschrieben:
„Naturwissenschaftliche Kompetenz zeigt sich in der modernen Wissensgesellschaft u. a. in der Fähigkeit, grundlegende Phänomene der Natur, Stoffe und deren Verbindungen sowie die Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen beschreiben zu können und Fachtexte mit Fachwortschatz, Zeichen, Symbolen und grafischen Darstellungen verstehen zu können. Diese Fähigkeit wird in naturwissenschaftlichen Fächern erworben und kontinuierlich eingeübt bzw. vertieft. Zudem ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler Verstandenes fachgerecht artikulieren können; die Kompetenzstrukturmodelle für Physik, Chemie und Biologie enthalten deshalb den Kompetenzbereich „Kommunizieren“.“ (S. 27)

Fachspezifische Textsorten erfordern eine fachspezifische Lesekompetenz
Warum es notwendig und wichtig ist, das Lesen in jedem Fach zu fördern, wird anhand der Herausforderungen, die Bildungs- und Fachsprache an Schülerinnen und Schüler stellen, geschildert. Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit nichtdeutscher Muttersprache und aus bildungsfernen Schichten ist die hohe Komplexität und die fachspezifische Lexik und Syntax der Bildungssprache oft ein Problem. Eine korrekte Darstellung von Fachinhalten setzt jedoch fachsprachliches Wissen voraus, wie der unterschiedliche Gebrauch des Wortes „Wärme“ in Alltags- und Fachsprache sehr anschaulich zeigt. Fachspezifische Textsorten erfordern eine fachspezifische Lesekompetenz, die in Verbindung mit der Fachsprache nur im jeweiligen Fach gezielt geschult werden kann. Beispiele aus verschiedenen Fächern für typische fachsprachliche Phänomene verdeutlichen potenzielle Barrieren, die Schülerinnen und Schülern das Textverständnis erschweren können. Strategien zum Erschließen komplexer fachspezifischer Sachtexte können Schülerinnen und Schüler bei der regelmäßigen sprachsensiblen Auseinandersetzung mit solchen Texten im Fachunterricht erlernen.

Voraussetzung für erfolgreiche Leseförderung: Diagnose der Leseausgangslage
Für das Gelingen der Leseförderung in der Schulpraxis schafft eine systematische Diagnose der Leseausgangslage wesentliche Voraussetzungen. Auf der Grundlage der Diagnoseergebnisse kann ein individuelles Förderungsprogramm entwickelt werden, das möglichst von allen Fachlehrkräften umgesetzt werden sollte. Die Anpassung des Aufgabenniveaus an das Leistungsvermögen ermöglicht individuelle Lernerfolge und begünstigt die Entwicklung eines positiven lesebezogenen Selbstkonzepts. Ausgewählte Diagnoseinstrumente, die sich für die Grundschule und für weiterführende Schulen eignen, sind in einer Tabelle aufgelistet. Zusätzlich wird auf eine Übersicht mit in der Praxis bewährten Diagnoseinstrumenten unter www.lesen.bayern.de und auf die Handreichung Durchgängige Leseförderung. Überblick, Analysen und Handlungsempfehlungen der Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) S. 20 ff. verwiesen.

Fachspezifische Lesestrategien erarbeiten und regelmäßig anwenden
Wie mit Hilfe von Lautleseverfahren Lesefertigkeit und Leseflüssigkeit in den Jahrgangsstufen 1 bis 7 trainiert werden können, wird anschließend erläutert. Als wesentlich schwieriger und komplexer gilt die Förderung der Lesefähigkeit, also des Leseverstehens. Hier sollten alle Fächer aller Schularten in die Pflicht genommen werden: „Wesentlicher Bestandteil eines Förderkonzepts sind die Lesestrategien. Aufbauend auf Lesestrategien, die in der Grundschule eingeübt werden, ist es zentrale Aufgabe aller Fächer der weiterführenden Schulen, dieses Lesestrategietraining systematisch fortzusetzen. Weitere fächerübergreifende und fachspezifische Lesestrategien müssen vorgestellt bzw. erarbeitet und regelmäßig angewandt werden. Sinnvollerweise wird im Mediencurriculum verankert, welche Strategien in welcher Jahrgangsstufe und in welchem Fach vermittelt und in welchen Fächern trainiert werden, damit dies systematisch und kooperativ geschieht.“ (S. 43)
Wie sprachsensibles Unterrichten auf die enge Verknüpfung zwischen fachlichem und sprachlichem Lernen eingehen und den Aufbau einer domänenspezifischen Lesekompetenz unterstützen kann, wird im Leitfaden in einem eigenen Abschnitt beschrieben und mit Beispielen für konkrete Sprachförderung im Fachunterricht unterlegt. (S. 44)
 
Methoden- und Aufgabenbeispiele zur fächerübergreifenden Leseförderung
Aus einer Vielzahl möglicher Methoden wurden für den Leitfaden einige ausgewählt, die in allen Fächern und an allen Schularten eingesetzt werden können.

Methodenkarte: Lesen Schritt für Schritt

Methodenkarte: Lesen in kooperativem Setting

Methodenkarte: Digitales analytisches Lesen

Methodenkarte: Lesen diskontinuierlicher Texte

Bewährte Aufgaben illustrieren beispielhaft, dass fachspezifische Leseförderung ohne viel Aufwand in jedem Fach umsetzbar ist und zum besseren Verständnis des jeweiligen Fachinhaltes beitragen kann.

Fachspezifische Leseförderung: bewährte Aufgabenbeispiele

Systematische Leseförderung im Rahmen der Schulentwicklung
„Die Vermittlung von Lesekompetenzen gelingt besonders dann, wenn die Leseförderung systematisch angelegt ist und an der Schule vorhandene Ansätze konsequent einbindet.“ (S. 63). Anschaulich wird im Leitfaden erläutert, wie die Leseförderung als Element der Schul- und Qualitätsentwicklung wirksam werden kann, wenn sie im Schulentwicklungsprogramm berücksichtigt und systematisch umgesetzt wird. Ein beispielhafter Auszug aus dem Mediencurriculum einer weiterführenden Schule verdeutlicht, wie Leseförderung im Mediencurriculum verankert werden kann (S. 66).

Für alle Lehrkräfte, die nun die Lesekompetenz in ihrem Fach verstärkt fördern wollen, enthält der Leitfaden eine Checkliste, die zu Beginn eines jeden Schuljahres hilfreich sein kann. Bei der Beantwortung der 14 Fragen können an der Schule z. B. das Medienkompetenzteam, die Lesebeauftragten, die Schulbibliothekarinnen und -bibliothekare und Fachbetreuungen helfen. Darüber hinaus sind die Mitglieder des Arbeitskreises #lesen.bayern (bisher Arbeitskreis „Leseförderung und Schulbibliotheksarbeit“) am ISB mögliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Zudem verweisen das Portal www.lesen.bayern.de und die QR-Codes im Leitfaden auf weitere Unterstützungsmöglichkeiten.

Christine Schuster

Fit im Fach durch Lesekompetenz
Leseförderung in allen Fächern und in allen Schularten
Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Hrsg.)
München 2018

Der Leitfaden wurde im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom Institut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) erarbeitet.
Wissenschaftliche Beratung: Professorin Dr. Anita Schilcher, Universität Regensburg

Download: www.lesen.bayern.de

Kontakt:
Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB)
Grundsatzabteilung
Schellingstraße 155
80797 München
Tel.: (089) 2170-2277
E-Mail: christina.neugebauer@isb.bayern.de
www.isb.bayern.de


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de