Bericht

JIM-Studie 2017: Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland

28.02.2018

Zwei von fünf Jugendlichen lesen regelmäßig in ihrer Freizeit




Titelseite der JIM-Studie 2017
Titelseite der JIM-Studie 2017
© mpfs
Im Rahmen der Studienreihe JIM (Jugend, Information, (Multi-) Media) untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk das Medienverhalten von Jugendlichen in Deutschland. Für die JIM-Studie 2017 wurde eine Stichprobe von 1.200 Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren in ganz Deutschland im Zeitraum 6. Juni bis 19. Juli 2017 telefonisch befragt. Neben der standardmäßigen Untersuchung von Haushaltsausstattung, Gerätebesitz und Mediennutzung liegen weitere Schwerpunkte der Untersuchung 2017 bei Themeninteressen und bevorzugten Informationsquellen, in der Nutzung von Unterhaltungsangeboten im Internet für Musik und Filme, der Nutzung des Datenvolumens und der Einschätzung der eigenen Computerkenntnisse. 94 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren in Deutschland tauschen sich regelmäßig über WhatsApp aus. Auf Platz zwei der mindestens mehrmals pro Woche genutzten Kommunikationsanwendungen steht Instagram (57 Prozent), knapp dahinter liegt Snapchat mit 49 Prozent regelmäßigen Nutzern. Facebook wird nur noch von einem Viertel der Jugendlichen regelmäßig genutzt.

Wir veröffentlichen nachfolgend mit freundlicher Genehmigung das Kapitel 6 „Bücher und Lesen“ (S. 19 bis 21). Die gesamte Studie steht zum Download zur Verfügung unter www.mpfs.de.

Bücher und Lesen
Auch das Leseverhalten der Zwölf- bis 19-Jährigen wird jedes Jahr im Rahmen der JIM-Studie untersucht. Die Langzeitbetrachtung zeigt, dass der Anteil der Jugendlichen, die mindestens mehrmals pro Woche zum Vergnügen (also nicht für die Schule) lesen, seit vielen Jahren konstant geblieben ist. Der Anteil der regelmäßigen Leser unterliegt zwar geringen Schwankungen, bewegt sich jedoch immer um die 40 Prozent-Marke. Auch im Jahr 2017 sind zwei von fünf Jugendlichen regelmäßige Leser, die mindestens mehrmals pro Woche in ihrer Freizeit in die Geschichten gedruckter Bücher eintauchen.

Bücher lesen* 2007 - 2017 - täglich/mehrmals pro Woche
JIM-Studie 2017: Bücher lesen 2007 - 2017
© Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs)

Dabei zeigen Mädchen eine deutlich höhere Affinität zu Büchern. Jedes zweite Mädchen, aber nur jeder dritte Junge liest regelmäßig Bücher. Neben den 40 Prozent regelmäßigen Lesern greifen 17 Prozent einmal in der Woche bis einmal in 14 Tagen zum Buch, ein weiteres Viertel liest einmal im Monat oder seltener. Mit 18 Prozent ist jedoch fast jeder Fünfte unter den Zwölf- bis 19-Jährigen Nichtleser und beschäftigt sich in der Freizeit überhaupt nie mit Büchern. Dieser Anteil ist bei den Jungen mit 24 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den Mädchen (11 Prozent). Über die Altersgruppen gesehen zählen die Zwölf- bis 13-Jährigen am häufigsten zu den regelmäßigen Lesern, unter den 16- bis 17-Jährigen ist der geringste Anteil regelmäßiger Leser zu finden. Der formale Bildungsgrad hat einen deutlichen Effekt auf das Leseverhalten der Jugendlichen: Während Jugendliche mit formal niedrigerer Bildung nur zu gut einem Viertel regelmäßig lesen, greift bei den Gymnasiasten jeder Zweite in der Freizeit regelmäßig zum Buch.

Bücher lesen* 2017
JIM-Studie 2017: Bücher lesen 2017
© Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs)

E-Books haben sich nach wie vor nicht im Alltag der Jugendlichen durchgesetzt. Nur sechs Prozent lesen regelmäßig E-Books (Mädchen: 9 Prozent, Jungen: 4 Prozent). Erweitert man die Betrachtung auf alle Jugendlichen, die zumindest selten digitale Bücher lesen, so zählt jeder Vierte zwischen zwölf und 19 Jahren dazu. Im Altersverlauf kommt es zu keiner nennenswerten Veränderung der E-Book-Nutzung. Jugendliche, die ein Gymnasium besuchen, zählen (wie auch bei gedruckten Büchern) eher zu den Nutzern (zumindest selten: 28 Prozent) als Jugendliche mit formal niedrigerem Bildungsniveau (20 Prozent).

eBooks lesen 2017
JIM-Studie 2017: eBooks lesen 2017
© Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs)

Diejenigen Jugendlichen, die zumindest selten Bücher lesen – egal ob in gedruckter oder elektronischer Form – schätzen, dass sie bis zum Befragungszeitraum (Juni-Juli) im Kalenderjahr 2017 neun Bücher gelesen haben. Zum Zeitpunkt der Befragung gaben 57 Prozent der Jugendlichen (die zumindest selten Bücher lesen) an, gerade ein Buch zu lesen. Auch dies bejahen deutlich mehr Mädchen (65 Prozent) als Jungen (49 Prozent).

Die Bandbreite der derzeit gelesenen Titel ist groß, die Nennungen verändern sich über die Jahre jedoch nur wenig. Die meistgenannten Titel in diesem Jahr sind „Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe“. Anschließend folgen die Buchvorlage zur umstrittenen Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“, die Comic-Roman-Serie „Gregs Tagebuch“ sowie der Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green. Insgesamt sind Fantasy-Titel, wie beispielsweise aus der „Eragon“-Reihe, sehr häufig vertreten.

Im Rahmen der JIM-Studie wird auch die Lesedauer der Jugendlichen erfasst. Durchschnittlich verbringen die Zwölf- bis 19-Jährigen nach eigener Schätzung 63 Minuten pro Tag (Mo-Fr) mit dem Lesen von Büchern. Mädchen lesen mit 80 Minuten deutlich länger als Jungen (47 Min.). Zudem ist auffällig, dass die Lesedauer der Mädchen im Vergleich zum Vorjahr (2016: 67 Min.) deutlich zugenommen hat, während die der Jungen (2016: 48 Min.) konstant geblieben ist. Die Jüngsten (12-13 Jahre: 70 Min.) lesen zudem etwas länger als die Ältesten (18-19 Jahre: 59 Min., 14-15 Jahre: 64 Min., 16-17 Jahre: 59 Min.).

Ein gutes Drittel der Jugendlichen (36 Prozent) tauscht mit Freunden Bücher oder leiht bzw. verleiht diese im Freundeskreis. Damit besteht für diese tauschfreudigen Leser die Möglichkeit der Anschlusskommunikation über die gelesenen Inhalte. Mädchen (51 Prozent) tauschen und (ver)leihen doppelt so häufig Lektüre wie Jungen (23 Prozent), der Anteil der Bücher-Tauschenden ist unter den volljährigen Jugendlichen mit 43 Prozent am höchsten (12-13 Jahre: 39 Prozent, 14-15 Jahre: 30 Prozent, 16-17 Jahre: 33 Prozent). Analog zum Anteil regelmäßiger Leser ist auch der Anteil derjenigen, die Bücher tauschen, unter den Gymnasiasten (44 Prozent) deutlich höher als unter Jugendlichen mit formal niedrigerem Bildungsniveau (23 Prozent).

Kontakt:
Thomas Rathgeb
Leiter der Abteilung
Medienkompetenz, Programm und Forschung
Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK)
Reinsburgstr. 27
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Tel.: (0711) 66991-52
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