Bericht

60. Deutscher Jugendliteraturpreis

21.10.2016

Große Themen zum Jubiläum: Freiheit und Selbstbestimmung




Plakat zum DJLP 2016
Plakat zum DJLP 2016
Illustration: David Wiesner
Am 21. Oktober 2016 wurde auf der Frankfurter Buchmesse zum 60. Mal der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Seit 1956 ehrt der Preis jedes Jahr herausragende auf dem deutschen Buchmarkt erschienene Kinder- und Jugendbücher. Stifter des mit insgesamt 62.000 Euro dotierten Preises ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek überreichte im Saal Harmonie des Congress Centers der Messe Frankfurt vor 1.500 Gästen aus dem In- und Ausland die Preise in den Sparten Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch sowie den Preis der Jugendjury und den Sonderpreis für das Gesamtwerk. Der Sonderpreis ging an Klaus Kordon, „einen außergewöhnlichen Autor, einen mit Haltung, einen, der seinen Standpunkt immer wieder hinterfragt und neu bestimmt“, so die Jury. „Mit seinen genau recherchierten historischen Romanen gelingt es Kordon, die Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufzuzeigen und Geschichte(n) aus der Perspektive der kleinen Leute zu erzählen.“ Das Plakat zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises gestaltete David Wiesner, Preisträger in der Sparte Bilderbuch im vergangenen Jahr. Zwei gute Freunde feiern auf dem Plakat mit: Der glückliche Löwe, Preisträger der ersten Stunde, und Momo, die als Bronzeplastik inzwischen bei Preisträgerinnen und Preisträgern in vielen Ländern zu Hause ist.

Preisträger in der Sparte Bilderbuch
Als bestes Bilderbuch konnte sich Der Hund, den Nino nicht hatte von Edward van de Vendel mit Bildern von Anton van Hertbruggen und in der Übersetzung von Rolf Erdorf durchsetzen. Die Jury lobt an diesem etwas anderen Hundebuch, dass es kindliche Wünsche und Träume sichtbar macht. Die vielschichtige und hintergründige Umsetzung lässt verschiedene Deutungen zu.
Begründung der Kritikerjury

Edward van de Vendel (Text)
Anton van Hertbruggen (Illustration)
Rolf Erdorf (Übersetzung)
Der Hund, den Nino nicht hatte
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
Bohem Press
ISBN: 978-3-85581-552-4
€ 14,95 (D), € 15,40 (A), sFr 21,00
Ab 5


Preisträgerinnen und Preisträger in der Sparte Kinderbuch
In der Sparte Kinderbuch wurde Das Mädchen Wadjda der saudi-arabischen Filmemacherin Hayfa Al Mansour ausgezeichnet, übersetzt von Catrin Frischer. Die spannende und berührende Geschichte eines Mädchens, das beherzt seinen Traum verfolgt, schärft die Wahrnehmung für den arabischen Kulturraum. Sie zeigt, was Freiheit meint, und wie wichtig es ist, sie zu verteidigen.
Begründung der Kritikerjury

Hayfa Al Mansour (Text)
Catrin Frischer (Übersetzung)
Das Mädchen Wadjda
Aus dem Englischen von Catrin Frischer
cbt Verlag
ISBN: 978-3-570-16378-8
€ 12,99 (D), € 13,40 (A), sFr 17,90
Ab 11


Preisträgerin in der Sparte Jugendbuch
Als bestes Jugendbuch überzeugte Kirsten Fuchs‘ Roman Mädchenmeute über sieben sehr unterschiedlich charakterisierte weibliche Heldinnen. Sie erleben in den Wäldern des Erzgebirges Grusel und reale Ängste, Gemeinschaft und Auseinandersetzung. Mit großer erzählerischer Kraft lädt das Abenteuerbuch ein zum Nachdenken über Freundschaft, die eigene Rolle in der Gruppe und darüber, was Freiheit ist.
Begründung der Kritikerjury

Kirsten Fuchs (Text)
Mädchenmeute
Rowohlt Rotfuchs
ISBN: 978-3-499-21758-6
€ 9,99 (D), € 10,30 (A), sFr 13,50
Ab 14


Preisträgerin in der Sparte Sachbuch
Siegerin beim Sachbuch ist Kristina Gehrmanns Im Eisland. Band 1 über die Franklin-Expedition 1845, die zum Ziel hatte, einen Seeweg zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpazifik zu finden. Gehrmann gelingt in ihrer Graphic Novel eine überzeugende Verbindung aus Sachinformation und dichter Erzählung. Die Mimik der Figuren in den detailgetreuen und realistischen Schwarz-Weiß-Illustrationen ermöglicht einen tiefen Einblick in das Seelenleben der Besatzungsmitglieder.
Begründung der Kritikerjury

Kristina Gehrmann (Text, Illustration)
Im Eisland
Band 1: Die Franklin-Expedition
Hinstorff Verlag
ISBN: 978-356-01901-8
€ 16,99 (D), € 17,50 (A), sFr 18,50
Ab 12


Preis der Jugendjury
Die Jugendjury manifestierte schon mit ihren Nominierungen großes politisches Interesse. Ihren Preis in Höhe von 10.000 Euro sprach sie nun Peer Martin für Sommer unter schwarzen Flügeln zu. Die tragische Liebesgeschichte zwischen dem syrischen Mädchen Nuri und dem Neonazi Calvin beleuchtet den Hintergrund und die Beweggründe der beiden, „basiert auf gut recherchierten Fakten und regt zur Reflexion über die aktuelle politische Lage an“.
Begründung der Jugendjury

Peer Martin (Text)
Sommer unter schwarzen Flügeln
Oetinger Verlag
ISBN: 978-3-7891-4297-0
€ 19,99 (D), € 20,60 (A), sFr 26,90
Ab 14


Sonderpreis für den Autor Klaus Kordon
Mit einem Gedicht des Sonderpreisträgers begann Regina Pantos, Vorsitzende der Sonderpreisjury, ihre Laudatio auf Klaus Kordon. Knorrig, wie der Baum im Gedicht, sei Klaus Kordons Werk, so die Laudatorin.
„... Mehr als 90 Kinder- und Jugendbücher hat Klaus Kordon geschrieben, viele wurden in andere Sprachen übersetzt. Einige haben den Weg in die Schulen als Klassenlektüre gefunden. Er erzählt Geschichten für Menschen jeden Alters. Diese spielen häufig in Berlin, aber auch auf anderen Kontinenten. Mit seinen Romanen baut Klaus Kordon literarische Brücken in andere Welten. Hervorzuheben sind dabei seine einzigartigen historischen Romane, die komplizierte geschichtliche Zusammenhänge verständlich machen. Ihre besondere Qualität besteht darin, dass die Fakten akribisch recherchiert sind und der Autor aus der Perspektive der unmittelbar betroffenen Zeitgenossen erzählt. So wird den Leserinnen und Lesern einerseits deutlich, welchen Einfluss politische Umstände auf Lebensläufe haben, und andererseits werden sie herausgefordert, für ihr eigenes Leben Entscheidungen zu treffen und es bewusst zu gestalten. Klaus Kordon gelingt es, eindrucksvoll deutlich zu machen, wie schwierig der Weg zur Demokratie ist, die ohne Freiheit nicht möglich erscheint. Dieses hohe Gut zu verteidigen und zu bewahren liegt dem Autor am Herzen. Und es lag auch jenen am Herzen, die vor 60 Jahren den Deutschen Jugendliteraturpreis ins Leben gerufen haben. ...“
Begründung der Sonderpreisjury


Gefördert vom:
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Kontakt:
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E-Mail: duetsch@jugendliteratur.org
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