Bericht

Deutscher Jugendliteraturpreis 2015

16.10.2015

Buchkunst für alle Sinne




Preisfigur „Momo“
Preisfigur „Momo“
© AKJ
Am 16. Oktober 2015 wurde auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Der mit 12.000 Euro dotierte Sonderpreis für das Gesamtwerk ging an die Hamburger Illustratorin Sabine Friedrichson. Die Sonderpreisjury würdigte deren atmosphärische Werke sowie die herausragende intellektuelle Qualität ihrer grafischen Interpretationen. Bei aller Stilvielfalt verfüge die Künstlerin über eine jederzeit wiedererkennbare ästhetische Handschrift, deren Detailreichtum die Betrachter in seinen Bann schlage. Große Buchkunst zeigt sich auch in der Auswahl der Kritikerjury. Diese prämierte vier Titel in den Sparten Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch. Die Preise sind mit je 10.000 Euro dotiert. Seitens des Preisstifters überreichte Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, allen Preisträgerinnen und Preisträgern die bronzene Momo. Der Deutsche Jugendliteraturpreis wird seit 1956 jährlich für herausragende Kinder- und Jugendbücher vergeben und ist mit insgesamt 62.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung zählt mit 1.500 Gästen aus dem In- und Ausland zu den größten Veranstaltungen auf der Frankfurter Buchmesse.

Preisträger in der Sparte Bilderbuch
Als bestes Bilderbuch konnte sich Herr Schnuffels (Aladin) von David Wiesner, übersetzt von Paula Hagemeier, durchsetzen. Außerirdische landen im Wohnzimmer von Herrn Schnuffels und stören die Ruhe des Katers. Für die Jury ein herausragendes Beispiel von „Sciencefiction in Bilderbuchform, die augenzwinkernd mit dem Genre spielt. Die fiktionale Handlung bildet einen Kontrast zu dem realistischen Stil der bildlichen Darstellung. Alles ergibt einen Sinn und ist durchdacht – von der Geheimsprache, in der sich die Außerirdischen unterhalten, bis hin zu Bezügen in der Kunstgeschichte wie der Hieroglyphenschrift und der Höhlenmalerei.“
Begründung der Jury

David Wiesner (Text, Illustration)
Herr Schnuffels
Aus dem Englischen von Paula Hagemeier
Aladin Verlag
ISBN: 978-3-8489-0066-4
€ 16,90 (D), € 17,40 (A), sFr 25,90
32 Seiten, Ab 5

Preisträgerinnen und Preisträger in der Sparte Kinderbuch
In der Sparte Kinderbuch wurde Der Träumer (Aladin) von Pam Muñoz Ryan, Peter Sís (Illustration) und Anne Braun (Übersetzung) ausgezeichnet. Darin wird die Kindheit des chilenischen Dichters Pablo Neruda erzählt. Dessen autoritärer Vater missachtete seine Feinfühligkeit, Beobachtungsgabe und seine Leidenschaft für Sprache und die vermeintlich kleinen Dinge. Laut Jury ein Stück Weltliteratur für Kinder, das den Blick für fremde Erzähltraditionen öffne. Die Übersetzung von Anne Braun fühle sich sensibel in den Erzählfluss ein und gebe den poetischen und behutsamen Stil des Textes wieder.
Begründung der Jury

Pam Muñoz Ryan (Text)
Peter Sís (Illustration)
Der Träumer
Aus dem Englischen von Anne Braun
Aladin Verlag
ISBN: 978-3-8489-2007-5
€ 16,90 (D), € 17,40 (A), sFr 25,40
372 Seiten, Ab 10

Preisträgerin in der Sparte Jugendbuch
Sieger in der Sparte Jugendbuch ist Schneeriese (Carlsen) von Susan Kreller. Erzählt wird „von Adrian und Stella, die als Nachbarn ihre Kindheit miteinander verbracht haben und deren Beziehung sich im Chaos der Pubertät neu ordnet. Denn Stella verliebt sich auf einmal in einen anderen Jungen, Adrian aber entdeckt, dass er Stella liebt. Wie sich die Beziehung wandelt, welche Bedeutung zuvor die Freundschaft der beiden hatte, beschreibt die Autorin mit großer Klarheit und bleibt ganz bei ihrem Protagonisten“, so die Jury.
Begründung der Jury

Susan Kreller (Text)
Schneeriese
Carlsen Verlag
ISBN: 978-3-551-58318-5
€ 14,90 (D), € 15,40 (A), sFr 21,90
206 Seiten, Ab 12

Preisträgerin in der Sparte Sachbuch
Mit ihrem Sachbuch Und dann platzt der Kopf (Kunstanst!fter) konnte Christina Röckl die Jury überzeugen: „Mit ihren expressiven und farbintensiven Illustrationen, die sich nachhaltig im Gedächtnis des Betrachters verankern, regt die Künstlerin zum Phantasieren und Reflektieren über die Seele an. Und dann platzt der Kopf ist ein ungewöhnliches, vielleicht sogar verstörendes Sachbuch, das die Grenzen der Sparte erweitert und deshalb auch zur Auseinandersetzung mit der Form auffordert, in der Informationen vermittelt werden können.“
Begründung der Jury

Christina Röckl (Text, Illustration)
Und dann platzt der Kopf
Kunstanst!fter
ISBN: 978-3-942795-19-7
€ 26,50 (D), € 27,30 (A), sFr 36,90
72 Seiten, Ab 5

Preis der Jugendjury
Der Preis der Jugendjury in Höhe von 10.000 Euro ging an Letztendlich sind wir dem Universum egal (Fischer FJB) von David Levithan, in der Übersetzung von Martina Tichy. Die Hauptfigur A wacht jeden Morgen in einem anderen Körper auf, mal Mädchen mal Junge. Doch dann verliebt sich A und es stellt sich die Frage, inwiefern eine Beziehung angesichts der extremen Körperwechsel überhaupt möglich ist. Die Jugendjury urteilt: „Der Autor hat es geschafft, eine glaubwürdige und schöne Liebesgeschichte zu schreiben, die den Leser mit philosophischen Gedankenspielen zum Nachdenken anregt.“
Begründung der Jury

David Levithan (Text)
Letztendlich sind wir dem Universum egal
Aus dem Englischen von Martina Tichy
Fischer FJB
ISBN: 978-3-8414-2219-4
€ 16,99 (D), € 17,50 (A), sFr 24,50
400 Seiten, Ab 14

Sonderpreis für die Illustratorin Sabine Friedrichson
Der mit 12.000 Euro dotierte Sonderpreis für das Gesamtwerk ging an die Hamburger Illustratorin Sabine Friedrichson. Die Sonderpreisjury würdigte deren atmosphärische Werke sowie die herausragende intellektuelle Qualität ihrer grafischen Interpretationen. Bei aller Stilvielfalt verfüge die Künstlerin über eine jederzeit wiedererkennbare ästhetische Handschrift, deren Detailreichtum die Betrachter in seinen Bann schlage.
Begründung der Jury


Gefördert vom:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend www.bmfsfj.de

Kontakt:
Linda Dütsch
Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.
Metzstraße 14c
81667 München
Tel.: (089) 45 80 80 81
E-Mail: duetsch@jugendliteratur.org
Internet: www.jugendliteratur.org

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