Bericht

Lesen und Lernen 3.0

12.05.2015

Medienbildung in der Schulbibliothek verankern!




Expertenworkshop „Lesen und Lernen 3.0“
Expertenworkshop „Lesen und Lernen 3.0“
Foto: Hanke Sühl
Am 22. April 2015 veranstaltete der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) einen Expertenworkshop zum Thema „Lesen und Lernen 3.0 - Mit der Bibliothek Medienbildung in der Schule verankern“. Ausgehend von der „Digitalen Agenda“ der Bundesregierung und dem Beschluss der Kultusministerkonferenz zur „Medienbildung in der Schule“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis in Vorträgen und Arbeitsgruppen, wie es gelingen kann, in allen Schulen modern eingerichtete, von geschultem Personal geleitete Schulbibliotheken als zentrale Lernorte einzurichten. Mit der vorab veröffentlichten Frankfurter Erklärung schuf der dbv die Grundlage für eine interdisziplinäre Diskussion aus unterschiedlichen Perspektiven: aus Sicht der Medienpädagogik, der Lehrerausbildung, der bibliothekarischen Aus- und Fortbildung und aus der Praxis der Schulbibliotheken.

Die Frankfurter Erklärung
Die Digitale Agenda der Bundesregierung und ein Beschluss der Kultusministerkonferenz fordern, Medienbildung als Lernbereich in der schulischen Bildung nachhaltig zu verankern. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen soll auch Medienkompetenz als vierte Kulturtechnik in den Schulen vermittelt werden. Dazu können Schulbibliotheken einen entscheidenden Beitrag leisten.
In seiner Frankfurter Erklärung „Lesen und Lernen 3.0 - Medienbildung in der Schulbibliothek verankern!“, die anlässlich der Expertenrunde am 22. April 2015 in Frankfurt am Main veröffentlicht worden ist, fordert der Deutsche Bibliotheksverband (dbv), die für die Medienbildung nötige Infrastruktur in den Schulbibliotheken einzurichten und entsprechend qualifiziertes Fachpersonal bereitzustellen.

Drei Grundsätze der Schulbibliotheksarbeit formuliert der dbv in der Frankfurter Erklärung:
  1. Schulbibliothek als Medienzentrum: Die Schulbibliothek ist der zentrale Ort in der Schule, an dem alle Lern- und Unterrichtsmedien bereitgehalten werden und an dem die Schülerinnen und Schüler den intelligenten Umgang mit allen Medien üben können.
  2. Schulbibliothek als Lernumgebung: Für die Schülerinnen und Schüler bewährt sich die Schulbibliothek im Unterricht und außerhalb als multimediale Lernumgebung.
  3. Die schulbibliothekarische Fachkraft als Medienpädagogin: Der Schulbibliothekarin/Der Schulbibliothekar leitet die Schulbibliothek, stimmt das Medienangebot auf die Unterrichtsund Lernpraxis an der Schule ab und initiiert als Partnerin der Lehrerinnen und Lehrer medienpädagogische Projekte für alle Fächer und Jahrgänge.
Die vollständige Frankfurter Erklärung des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) ist abrufbar unter www.schulmediothek.de

Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis
Zur Expertenrunde am 22.04.2015 hatte die Kommission Bibliothek und Schule des dbv Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis eingeladen, darunter Medienwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter der Lehreraus- und -fortbildung, der Landesarbeitsgemeinschaften der Schulbibliotheken in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Berlin-Brandenburg und Niedersachsen sowie der für Schulbibliotheken verantwortlichen Fachstellen in Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern.

In seiner Begrüßung ging Prof. Dr. Marc Rittberger, stellvertretender geschäftsführender Direktor am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), u. a. auf die Informationsangebote des DIPF zu den Themen Leseförderung und Schulbibliotheken ein und hob die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der dbv-Kommission Bibliothek und Schule bei der Herausgabe des Fachportals www.schulmediothek.de hervor. Ralph Deifel, Vorstandsmitglied des Deutschen Bibliotheksverbandes, betonte die Bedeutung, die den Schulbibliotheken aus Sicht des dbv zukommt. Die Vorsitzende der Kommission Bibliothek und Schule des dbv, Birgit Lücke, verwies auf das enorme Potenzial von Schulbibliotheken, mit denen man alle Kinder erreichen könne - auch jene, die zu Hause keinen Zugang zu Büchern und Medien haben. Eva von Jordan-Bonin, Leiterin der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (sba) der Stadtbücherei Frankfurt am Main, berichtete von ersten Erfahrungen mit medienpädagogischen Schwerpunkten in den von der sba betreuten Frankfurter Schulbibliotheken. Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, regte an, die Schulbibliothek in Schulmedienzentrum umzubenennen, um eine Neudefinition ihrer Rolle zu erleichtern.

Expertenrunde wird den dbv unterstützen
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Expertenrunde waren sich einig, dass Schulbibliotheken - sie könnten auch Selbstlernzentrum, Lernzentrum oder Medienzentrum genannt werden, einen entscheidenden Beitrag zur Medienbildung in der Schule leisten können, wenn sie gut ausgestattet sind und von geschultem Personal geleitetet werden.
Es wurde beschlossen, ein Bündnis zu bilden, das gemeinsam die Vorstellungen von moderner Medienbildungsarbeit mit der Schulbibliothek in die Politik trägt. Alle Anwesenden signalisierten in der Abschlussrunde ihre Bereitschaft, sich auch weiterhin für Schulbibliotheken zu engagieren und den dbv zu unterstützen.

Christine Schuster

Hintergrundinformationen des dbv zur Lage der Schulbibliotheken in Deutschland
Die Öffentlichen Bibliotheken haben sich in den letzten zehn Jahren zunehmend als „Lernort“ im Kontext des Lebensbegleitenden Lernens verstanden. Damit einhergehend haben sie neue räumliche, mediale und bibliothekspädagogische Angebote entwickelt.

Parallel dazu haben sich auch die Anforderungen an schulische Bildung und an Schulbibliotheken verändert. Der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 8. März 2012 zur „Medienbildung in der Schule“ hat eine innovative Erweiterung der Lehrpläne aller Länder angeschoben: Die Vermittlung von Medienkompetenz ist jetzt endgültig in allen Fächern angekommen und macht in der Folge einen breiten Medieneinsatz erforderlich.

Da es aber in den Schulen keine Fachlehrer für Medienbildung gibt, die die Erfordernisse für die Schule definieren und betreuen könnten, haben wir in Deutschland einen schulbibliothekarischen Flickenteppich unterschiedlichster Qualitätsstufen, von der fachlich betreuten Schulbibliothek, die auch internationalen Standards entspricht, bis zum verschlossenen Bücherschrank.

Standards statt Flickenteppich
Wie haben andere Länder – insbesondere solche mit flächendeckenden Schulbibliothekskonzepten – diesen Teufelskreis durchbrochen? Dieser Frage ist die Kommission Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliotheksverbandes verstärkt nachgegangen und ist auf eine simple Lösung gestoßen.

Zunächst wurden Schulbibliotheken als eigenständige Bibliotheksform betrachtet und ihre ganz besonderen Aufgaben innerhalb des Schullebens wurden definiert. Daraus konnten dann nach und nach weitere Schritte entwickelt werden, angefangen von der Schaffung besonderer Berufsqualifikationen (z.B. teacher librarian) bis hin zur Definition von Qualitätsstandards (Südtirol, Schweden, Schweiz).

Eine einheitliche Definition von Schulbibliotheken steht in Deutschland noch aus. Mit der Frankfurter Erklärung schafft der dbv die Grundlage für eine interdisziplinäre Diskussion und wird in einem ersten Schritt aus unterschiedlichen Perspektiven im Rahmen der Expertenrunde am 22. April in Frankfurt diskutieren: aus Sicht der Medienpädagogik, der Lehrerausbildung, der bibliothekarischen Aus- und Fortbildung und aus der Praxis der Schulbibliotheken.

Der Deutsche Bibliotheksverband (dbv)
Der Deutsche Bibliotheksverband ermöglicht und unterstützt die fachspezifische bibliothekarische Arbeit sowie die Innovation und Weiterentwicklung des Bibliothekswesens auch durch Fachkommissionen.
Die Kommission Bibliothek und Schule widmet sich sowohl der Zusammenarbeit von Öffentlichen Bibliotheken und Schulen, als auch der Weiterentwicklung der Schulbibliotheken in Deutschland.

Kontakt:
Birgit Lücke, Dipl. Bibl.
Stadtbücherei Warendorf
Kurze Kesselstraße 17
48231 Warendorf
Tel.: (02581) 54-1430
E-Mail: birgit.luecke@warendorf.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de