Bericht

JuBiB Osterburg – ein Leseort unterm Dach

26.02.2013

Bibliothekspreis des Landes Sachsen-Anhalt für ein Jugendbibliothekskonzept




© Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal
© Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal
Die Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal wurde im November 2012 für ihr Projekt „Jugendbibliothek - JuBib“ mit dem erstmals vergebenen  Bibliothekspreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Der Preis würdigt Konzepte, die die Zusammenarbeit von Bibliotheken und berufsbildenden Einrichtungen fördern. Stifter des Bibliothekspreises sind die Handwerkskammern Magdeburg und Halle sowie die Industrie- und Handelskammern (IHK) Magdeburg und Halle-Dessau.

Ein Treffpunkt mit medialem Charakter - ein Jugendbibliotheks-(T)raum
Wie in vielen öffentlichen Bibliotheken Deutschlands stellen auch in der Osterburger Stadt- und Kreisbibliothek Jugendliche eine eher unterrepräsentierte Benutzergruppe dar. Bis vor wenigen Jahren beschränkte sich beispielsweise das Angebot an Unterhaltungsliteratur für die Zielgruppe der 13- bis 17-Jährigen auf eine kleine Regalwand mit circa 200 Bänden. Doch Dank Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt konnte der Bestand der Jugendabteilung grundlegend erneuert werden. Inzwischen ist die Jugendecke aus ihrer kleinen Nische in einen etwas größeren Bereich umgezogen. Hier füllen nun rund 700 Bände ein komplettes Wandregel. Davor stehen eine gemütliche Sitzgruppe und ein Computerarbeitsplatz mit Internetzugang.

Doch das ist noch nicht genug, um die junge Zielgruppe langfristig für die Stadtbibliothek zu begeistern und neue Nutzerkreise zu erschließen. Weiteres Potenzial, die Einrichtung für Jugendliche attraktiver zu machen, sehen die Mitarbeiter darin, den Jugendlichen einen gänzlich eigenen Raum zu geben, in dem sie sich frei entfalten können – einen Raum, der mehr ist als nur ein Bereich zwischen Kinderbibliothek und Erwachsenenliteratur. Für eine Bibliothek in einer Kleinstadt und ländlichen Region wie Osterburg ist dies ein innovativer und zukunftsweisender Ansatz.

Die Osterburger Bibliothek kann zwei Besonderheiten vorweisen: Zum einen befindet sie sich inmitten der städtischen Schullandschaft mit einer Vielzahl Jugendlicher quasi direkt vor der Haustür. Zum anderen gibt es in dem alten Fachwerkgebäude aus dem 18. Jahrhundert ungenutzte Räumlichkeiten. Gemeint ist die so genannte „Dichterwohnung“ im Dachgeschoss, die aus einem Wohn- und Arbeitszimmer, einer funktionstüchtigen Küche, einem Badezimmer und einem kleinen Flur besteht. Die Fläche beträgt insgesamt rund 50 Quadratmeter. Nach den Vorstellungen der Bibliothek soll die „Dichterwohnung“ zu einem modernen Jugendaufenthalts- und Arbeitsbereich umgestaltet werden – einem Ort, der einlädt zum:
  • Lesen und Schreiben
  • Hören und Sehen
  • Kommunizieren und Diskutieren
  • Recherchieren und Hausaufgaben machen
  • Treffen und Aufhalten
Ein Treffpunkt also mit medialem Charakter für Osterburger Jugendliche und Schüler aus der Region – ein Jugendbibliotheks-(T)raum, der einen auf die Zielgruppe abgestimmten Medienbestand vorhält, in dem moderne Kommunikations- und Unterhaltungstechnik zur Verfügung stehen, und dessen Inneneinrichtung seine jungen Nutzer überzeugt. Denn Bibliotheken sind Orte des Lesens, des Lernens und der Kommunikation. Sie sollten sich der Aufgabe verschreiben, Bereiche zu schaffen, an denen sich Jugendliche wohl fühlen, und ihnen einen unkomplizierten Zugang zu Büchern und Medien ermöglichen. Mit dem JuBiB-Projekt möchte die Stadt- und Kreisbibliothek auch einen Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche ein positives Verhältnis zu ihrer Heimat entwickeln und sich später vielleicht eher für eine Ausbildung in der Region entscheiden (sofern die Strukturbedingungen es erlauben) als von hier fortzugehen (Stichwort „Weicher Standortfaktor“).

Einbindung der Jugendlichen in das Projekt
Kernzielgruppe bilden die 13- bis 17-Jährigen, wobei eine Nutzung durch ältere Jugendliche nicht ausgeschlossen wird. Die Einbindung der Jugendlichen in das Projekt – von den ersten Überlegungen zur Raumgestaltung bis hin zur praktischen Umsetzung und nachhaltigen Nutzung – spielt für das Vorhaben eine zentrale Rolle. Mit der Gründung eines Bibliotheksclubs sollen sich Jugendliche finden, die sich auch aktiv an Umbau-, Maler- und Einrichtungsarbeiten beteiligen und sich später um das Lesecafé und verschiedene Veranstaltungen und Aktionen kümmern. Eine Jugendbibliothekarin stünde ihnen dabei als Ansprechpartnerin und Koordinatorin zur Seite.

Die Idee zur Einrichtung einer eigenen Jugendbibliothek entstand bereits im Jahr 2010. Seitdem hat die Bibliothek in kleineren Aktionen und Projekten mit Jugendlichen Ideen gesammelt und Vorstellungen entwickelt. So etwa mit einem Foto- und Design-Workshop, dessen Ziel darin bestand, die Interessen der Jugendlichen zu untersuchen und herauszufinden, wie der Raum Jugendbibliothek überhaupt beschaffen sein muss, damit er seinen jungen Nutzern gefällt. In diesem Workshop wurde eine Gruppe von Neuntklässlern gebeten, Fotos in der gesamten Bibliothek zu machen und anschließend zu präsentieren – bzw. darzulegen, welche Bereiche in der Bibliothek ihnen gefallen, welche nicht, wo sie Hausaufgaben machen würden, oder wo sie sich vorstellen könnten, sich mit ihren Freunden in gemütlicher Runde zu treffen. Im Design-Teil des Workshops ging es um das Ausgestalten eines vorgezeichneten Grundrisses der „Dichterwohnung“. Hier zeichneten die Teilnehmer ihre Traum-Jugendbibliothek ein. Im Ergebnis brachte der Workshop zahlreiche Vorstellungen, Bedürfnisse und Wünsche hervor, die sorgfältig dokumentiert wurden und im weiteren Projektverlauf als Ideenpool zur Verfügung stehen.

Ideen zur nachhaltigen Nutzung der JuBiB
  • Mittagspause einmal anders – Lesepicknick auf dem Bibliotheks- und Schulhof
  • Sommer-Freilicht-Kino auf dem Hof
  • Book-Crossing, Book-Casting, Book-Slam, Poetry-Slam
  • Lesezirkel, Web-Blog
  • Wiederbelebung der Jugendschreibwerksatt „Federfüchse“ in Zusammenarbeit mit einer Osterburger Autorin
  • Bibliotheks-Film (in Zusammenarbeit mit der Video-AG der Schule)
  • All you need is a little beat: Englisch-Nachhilfe mit Songtexten und Musik
  • Skater-Nacht in Zusammenarbeit mit Sportvereinen, JuBiB präsentiert am Ende Medien zum Thema, zeigt Film o.ä.
Kooperation und Vernetzung mit Bildungseinrichtungen
Da die Osterburger Schulen selbst keine Schulbibliotheken vorhalten, arbeitet die Stadt- und Kreisbibliothek auf der Grundlage schriftlicher Kooperationsvereinbarungen mit ihnen zusammen. Zu den Inhalten gehört die ganze Bandbreite an Aktionen, die öffentliche Bibliotheken in der Regel für und mit Bildungseinrichtungen durchführen, wie zum Beispiel Autorenlesungen, Buchvorstellungen, Klassenführungen, Lesewettbewerbe, Lesenächte, Klassensatzverleih oder Projektarbeit. Themenveranstaltungen und Handapparate zu Inhalten, die im Geschichts- oder Deutschunterricht behandelt werden sowie künstlerische Projekte sind ein weiterer Punkt der Zusammenarbeit.

Allgemein ist jedoch zu sagen, dass weniger Aktionen für Jugendliche der genannten Zielgruppe stattfinden als für Kindergartenkinder und Schüler der Klassenstufen eins bis sechs. Hier besteht also noch Handlungsnotwendigkeit.

Finanzierung
Leider gibt es aufgrund der schwierigen Haushaltslage keinen Spielraum für zusätzliche Maßnahmen in der Bibliothek („freiwillige Aufgabe“ der Kommune!), sodass nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau gehalten werden musste. Die Osterburger Stadt- und Kreisbibliothek bewarb sich mit dem JuBiB-Konzept um den Bibliothekspreis des Landes Sachsen-Anhalt - und war erfolgreich. 5000 Euro Preisgeld und Spenden weiterer Sponsoren ermöglichen es, das Projekt „JuBiB“ in die Tat umzusetzen.

Kontakt:
Anette Bütow
Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal
Großer Markt 10
Hansestadt Osterburg (Altmark)
Tel.: (03 93 97) 8 29 74
E-Mail: bibliothek@osterburg.de
Internet: www.bibliothek.osterburg.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de