Bericht

Die Sprache der Phantasie triumphiert

12.10.2012

Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2012




Momo - Preisfigur des Deutschen Jugendliteraturpreises
Momo - Preisfigur des Deutschen Jugendliteraturpreises
© AKJ
Der vom Bundesfamilienministerium gestiftete Deutsche Jugendliteraturpreis 2012 wurde am 12. Oktober 2012 auf der Frankfurter Buchmesse von Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, verliehen. Der einzige Staatspreis für Literatur in Deutschland wird seit 1956 jährlich für herausragende Kinder- und Jugendbücher vergeben und ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung zählte mit über 1.100 Gästen aus dem In- und Ausland zu den größten Veranstaltungen auf der Frankfurter Buchmesse.
In ihrer Begrüßungsansprache hob Dr. Stephanie Jentgens, Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur e.V., den unschätzbaren Wert der Kinder- und Jugendliteratur für das Heranwachsen und das Zusammenleben junger Menschen hervor: „Nimmt man die nominierten Bücher in Augenschein, so sind sie geradezu ein Musterbeispiel für die Heranführung der Kinder an einfache narrative Strukturen bis hin zu komplexen Formen in der Literatur für Jugendliche. Mit der Nominierungsliste wird deutlich: Kinder- und Jugendliteratur stellt sich nicht als ein Refugium dar, sondern greift inhaltlich und formal den Wandel von Gesellschaft, Kultur und Technologie auf. Die nominierten Jugendbücher spielen mit filmischen Erzählformen, diskutieren die moralischen Anforderungen einer technologischen Entwicklung, die die Grenze zwischen privater und öffentlicher Kommunikation sprengt, erzählen von der Auflösung von Familienstrukturen, von äußerer und innerer Emigration.“

Sonderpreis für den Illustrator Norman Junge
Der mit 10.000 Euro dotierte Sonderpreis für das Gesamtwerk Illustration ging an Norman Junge. Die Sonderpreisjury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Norman Junge bedient sich einer eigenen Bildsprache, die sich konsequent der Verzweckung entzieht; sein Schaffen steht für Schönheit und Freiheit und erkennt die Realität der Phantasie an. Zu allen Zeiten ist eine solche Sprache vonnöten, um auf die der Kunst innewohnende Freiheit hinzuweisen. Und für diese Sprache der Phantasie hat Norman Junge unverwechselbare und unvergessliche Bilder geschaffen.“
Jurybegründung

Preisträgerinnen in der Kategorie Bilderbuch
Die Kritikerjury vergab weitere vier Preise in Höhe von jeweils 8.000 Euro in den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch. Den Preis für das beste Bilderbuch erhielten die schwedische Autorin und Illustratorin Pija Lindenbaum und ihre Übersetzerin Kerstin Behnken für Mia schläft woanders: „Eine ganz alltägliche Kindererfahrung wird in diesem Bilderbuch gegen den Strich gebürstet und in beeindruckende Bilder und einen klugen Text gefasst. Die opulente bildliche Umsetzung erinnert an eine Opernbühne und macht Mia schläft woanders mit seinen zahlreichen skurrilen Details zu einem großen Schauspaß.“
Jurybegründung

Pija Lindenbaum (Text, Illustration)
Mia schläft woanders
Aus dem Schwedischen von Kerstin Behnken
Verlag Friedrich Oetinger
ISBN 978-3-7891-7546-6
€ 12,95 (D), € 13,40 (A), sFr 18,90 UVP
Ab 5

Preisträger in der Sparte Kinderbuch
In der Sparte Kinderbuch zeichnete die Kritikerjury Finn-Ole Heinrich (Text) und Rán Flygenring (Illustration) für Frerk, du Zwerg! aus: „Der sprachgewandte, fabulierlustige und semantisch kreative Text Heinrichs mit den frech-versponnenen Krakelbildern Flygenrings ist Quatsch in seinem allerbesten und feinsten Sinne und ein Plädoyer für Anarchie, Mut und Selbstbewusstsein.“
Jurybegründung

Finn-Ole Heinrich (Text)
Rán Flygenring (Illustration)
Frerk, du Zwerg!
Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher
ISBN 978-3-8270-5476-0
€ 16,00 (D), € 16,50 (A), sFr 23,90 UVP
Ab 7

Preisträger in der Sparte Jugendbuch
Sieger in der Sparte Jugendbuch wurde der Autor Nils Mohl mit Es war einmal Indianderland: „Die in raffinierten Zeitsprüngen konstruierte Erzählung lebt von dem konzisen Einsatz filmischer Gestaltungsmittel. Schnelle Schnitte, Vor- und Rückblenden katapultieren den Leser immer wieder in einen anderen Kontext. Nils Mohl gelingt es, anspruchsvolles literarisches Erzählen thematisch dicht bei seinen jugendlichen Lesern zu realisieren - und das mit viel Herz und Ohr für seine Adressaten.“
Jurybegründung

Nils Mohl
Es war einmal Indianderland
rotfuchs im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-499-21552-0
€ 12,99 (D), € 13,40 (A), sFr 19,50 UVP
Ab 16

Preisträger in der Sparte Sachbuch
Mit ihrem Sachbuch Was, wenn es nur so aussieht, als wäre ich da? konnten die beiden Franzosen Oscar Brenifier (Text) und Jacques Després (Illustration) überzeugen: „Die innovativen Illustrationen werden durch Texte ergänzt, die strukturiert die wichtigen Fragen der Philosophie behandeln und Antworten geben, die über die Vermittlung des in Schule und Beruf verwertbaren Wissens weit hinausgehen. Norbert Bolz hat den Text in einer gekonnten Balance von Einfachheit und Anspruch übersetzt.“
Jurybegründung

Oscar Brenifier (Text)
Jacques Després (Illustration)
Was, wenn es nur so aussieht, als wäre ich da?
Aus dem Französischen von Norbert Bolz
Gabriel Verlag
ISBN 978-3-522-30267-8
€ 14,90 (D), € 15,40 (A), sFr 23,50 UVP
Ab 10

Preisträger der Jugendjury
Der Preis der Jugendjury, ebenfalls mit 8.000 Euro dotiert, ging an Sieben Minuten nach Mitternacht von Patrick Ness, illustriert von Jim Kay und übersetzt von Bettina Abarbanell. „Dieses unglaublich beeindruckende Buch handelt von der Verschlossenheit und Zerbrechlichkeit eines Jungen, der einen möglichen Verlust nicht akzeptieren will.“ Nach Meinung der jugendlichen Experten „liefern die mächtigen sprachlichen Bilder und die Illustrationen eine perfekte Atmosphäre für diese traurige, berührende, teilweise aber auch unterhaltsame Geschichte.“
Jurybegründung

Patrick Ness (Text)
Jim Kay (Illustration)
Sieben Minuten nach Mitternacht
Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell
cbj in der Verlagsgruppe Random House
ISBN: 978-3-570-15374-1
€ 16,99 (D), € 17,50 (A), sFr 24,50
Ab 11


Gefördert vom:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend www.bmfsfj.de

Kontakt:
Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.
Metzstraße 14c
81667 München
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E-Mail: info@jugendliteratur.org
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